»Nanu?« entgegnete ich, »seit wann legen Sie sich auf Marine-Architektur?« — »In Berlin machen wir Alles. Freilich ist dies Schiff nur ein Modell, aber jedes Stück ist so gearbeitet, daß es nach der Ausstellung direct einem im Bau begriffenen Oceandampfer des Norddeutschen Lloyd eingefügt werden kann. In den Größenverhältnissen und seiner Einrichtung ist es im Inneren wie Aeußeren die getreue Wiedergabe der prachtvollen Riesendampfer Bremens und Hamburgs, auf denen die Engländer und Amerikaner lieber fahren als auf ihren eigenen.«

»Ich bin ungemein für Schiffe,« erwiderte ich. »Auf meiner Fahrt nach dem Orient hab' ich sie kennen gelernt, englische, französische und auch die Dampfer des Oesterreichischen Lloyds, an die ich nicht mit Wohlgefallen zurückdenke, denn sie sind das undeutscheste, was Oesterreich liefert. In Port Said lag der Bremer Dampfer >Baiern<, den wir besuchten. Sehen Sie, Herr Baumeister, der schlug die anderen Schwimmanstalten gewaltig, auf denen ich das Mittelmeer durchlavirt hatte, und wenn mich einmal überseeisch gelüstet, dann nur auf unsern norddeutschen Fahrzeugen. Ich hab' doch lieber deutsche Bretter unter meinen Füßen und die deutsche Flagge über meinem Haupte, als für mein Geld geduldet zwischen Fremden mit fremder Sprache, die nicht nöthig haben mir zu antworten, wenn sie mich nicht verstehen wollen. Diese Art nationaler Dicknäsigkeit hab' ich kennen gelernt. Ich bin für eigene Schiffe. Und das Geld bleibt im Lande.«

So sprechend traten wir ein.

Der Kaiserdampfer ist nur die Hälfte eines Oceandampfers, aber welch' ein Kasten! Hier bekommt man den Begriff von einem schwimmenden Hause oder richtiger von einem Wasser-Hôtel.

Der vordere Theil ist als nautische Sammlung ausgestattet, mehr für Admirale und Capitaine und seefahrende Fachleute, die daran stoßende Küche wendet sich dagegen an das Allgemeinverständniß. Denn essen wollen sie Alle, selbst die Gelehrtesten, die mitunter kiesätiger sind, als man ihnen zutraut. Ich kenne solche.

Die Propertät in der Küche sucht ihres Gleichen und dazu die listigen Vorkehrungen, daß nichts überläuft, wenn das Schiff auf hoher See schaukelt. Nachher liegen die Setzeier in der Asche und es riecht verbrannt in den Salons, wo die Möbel eine Pracht entfalten, daß die Herrschaften immer erst um Entschuldigung bitten, ehe sie sich niederlassen.

Die Treppen sind mit Läufern, das Holzgetäfel ist auf das Zarteste geschnitzt und weiß lackirt, die blanken Messinggeländer sind bildgießerisch höchst kostbar, aber doch nichts im Vergleich mit den Kaiserlichen Gemächern, die nicht blos so heißen, sondern es wirklich sind.

Wenn der Kaiser die Ausstellung besucht, ist das Bremer Schiff sein Absteigequartier, wo ein Speisesaal, ein Besprechungszimmer und ein Rauchgemach bereit stehen und für die Kaiserin Zimmer und Salons, deren Deckengemälde von so lieblicher Schönheit sind, daß sie eine Weide für die verwöhntesten Augen bilden.

Wenn die Majestäten abwesend sind, kann man diese Herrlichkeiten betrachten, ebenso die vollkommen eingerichteten Kabinen erster und zweiter Klasse, die Damen-, Speise- und Rauchzimmer, Capitainskabine, Arztwohnung mit Apotheke, Lazareth, Badestuben und weiß dann, wie ein Personendampfer aussieht.

Klettert man höher auf das Promenadendeck und noch höher, wo der Capitain steht, auf die Commandobrücke, dann ist das Schönste erreicht, was ich Erika zeigen will.