In diesem Ausrufe lag eine ganze Tragödie, und das fühlte er, denn er fragte »Wo bleibt das Essen?« Wenn Männer ablenken, regt sich ihr Schuldbewußtsein.
»Die Araberinnen sollen dort ja zum Theil unverschleiert herumlaufen?« fragte ich durchbohrend. »Ist das wahr?«
»Ich bin hungrig, Wilhelmine!«
»Ich nicht. Mir ist der Appetit vergangen.« — »Wovon denn?« — »Was weiß ich?« — »Eben warst Du noch guter Dinge.« — »Eben, ja.« — »Bin ich Schuld an Deiner Laune?« — »Nein.« — »Wer denn?« — »Niemand.« — »Wilhelmine, willst Du mich erzürnen?« — »Nein; ich bitte Dich, was soll Ottilie denken, wenn sie gleich am ersten Tage Zeuge tiefsten Familienzwistes wird.« — »Uebertreib' nicht, sei so gut. Also für Ottilie ist gedeckt... Wo bleibt sie aber? Ich möchte essen.«
»Sie macht Toilette.«
»Sie soll sich beeilen. Von der Gesellschafterin verlange ich Pünktlichkeit. Ich werde einen Ton mit ihr reden.«
»Karl, mir zu Lieb sei freundlich gegen sie. Bedenke, ich muß Wochen lang mit ihr auskommen. Und Du weißt, sie hat Nerven.«
»Sie kann sich meinethalben an ihren Nerven aufhängen.«
Ich klingelte. Mein Karl war bereits in dem Hungerstadium, wo die Männer borstig werden. »Dorette, schleunigst die Suppe und Fräulein nochmal zu Tisch ansagen.« Glücklicherweise hatten wir Kerbelsuppe, die mein Karl schon öfter für sein Leibgericht erklärte, mit Ei und gebratenem Brot. Er schlemmte ordentlich, so ausverkauft war sein Magen gewesen und mit jedem Löffel ward er friedlicher. Wäre jetzt Ottilie nicht gekommen, hätte er deren Antheil mit vertilgt; ein Ei bekam sie schon weniger.