Je mehr es dunkelte, um so bescheerungsaufgeregter ward ich. Hatte Ottilie mich mit ihrer Ankunft überrascht, wollte ich Revanche nehmen und sie wieder überraschen. Ein Kanonenschuß krachte von der anderen Seite her und neugierig, wie ich selbst war, sagte ich: »Komm!«

»Ach, noch nicht gehen,« bat sie.

Durch die dämmerigen Laubwege schritt ich mit ihr. Durch die Lücken schimmerte hin und wieder farbige Gluth. »Aha,« dachte ich, »gerade recht, die Illumination brennt schon.« Und dann über die flammeneingefaßte Brücke und grade, als die Musik auf's Neue begann, standen wir vor dem See und rund um uns und vor uns und wohin das Auge blickte Licht, Licht und Licht, Flammen und Flämmchen, weiß und roth und grün und auf dem See schwimmende Lichtboote und die Rasen mit farbig leuchtenden Blumen und die weißen Gebäude in rother Feuergluth. Ottilie klammerte sich an mich. Sie fürchtete sich, so fest hielt sie sich.

»Ist Dir was, Kind?« fragte ich.

»Wo bin ich?« flüsterte sie. »Wache ich oder ist es Traum? O wie schön, wie schön.«

Wir wandelten in die Lichtalleen hinein, in die Laubengänge und schritten mit Tausenden zugleich unter den Lichtbögen um den See. Rubinrothe Flammengehänge säumten ihn ein. Die hingen von grün brennenden Weihnachtspergamiten herab und spiegelten sich im Wasser.

Und in all diesen Feuerzauber hinein sang eine Nachtigall.

Die Wandelnden blieben stehen und schaarten sich zu Hunderten um den kleinen Sänger.

»Die haben wir auch zu Hause,« sagte Ottilie. »Nachtigall ist doch das Allerschönste.«

»Das ist die Natur stets,« entgegnete ich. »Und darum ist die Kunst so schwierig. Bedenke, was dazu gehört, mit der Nachtigall zu konkurriren?«