»Wir nannten es sonst, glaube ich, Feuer,« bemerkte ich.

»Das gilt nicht im Examen. Feuer ist ja auch nichts Wirkliches, sondern sieht nur so aus. Man kann es nicht wägen oder messen, weil es keine Schwere hat. Es ist nicht greifbar.«

»Weil man sich daran verbrennt.«

»Weil es kein Körper ist.«

»Ottilie, die Wissenschaft in Ehren, aber wenn es eine bloße Erscheinung wäre, wie könnte man darauf kochen? Und es ist bewiesen, daß alle Erscheinungen Einbildung sind, wie Gespenster oder Spiritismus oder sonstige Augentäuschungen. Nein, ich bleibe dabei: Feuer ist Feuer, nur daß Coaks mehr Plätt-Hitze geben und Kien zum Beispiel wenig austhut und sich besser zum Anmachen eignet. Und das ist ferner klar, ohne Feuer kriegst Du keinen Dampf, und ohne Dampf geht keine Maschine.«

Wir traten in die Halle.

Wenn man Maschinen sieht, entflieht Einem unwillkürlich der Vers: »Da hab' ich Respekt vor dem menschlichen Geist,« namentlich mit großen Schwungrädern und in hampelnder Bewegung. Stillstehendes dagegen macht keinen Eindruck, weil man von allem Drehbaren erwartet, daß es schnurrt, und unbefriedigt vorüberschreitet, wenn es sich nicht rührt. Das ist, als wenn man um Auskunft ersucht und wird keiner Antwort gewürdigt.

Manches steht da unscheinbar, aber wenn es arbeitet, ist es von höchster Schläue, zumal mit Erläuterung vom Erbauer. Da fabriciren zum Beispiel die Pappenfritzen eine billige Pappe mit so viel Stroh und Sandstaub mang, daß sie dem Buchbinder beim Biegen in der Hand zerbricht. Was thut nun der Maschinenmensch? Der denkt so lange, bis ihm ein Geräth einfällt, worin die brüchige Pappe sich krümmt wie ein Regenwurm und zur Verwunderung der gesammten Buchbinderei ganz bleibt, die hierauf schleunigst die Maschine anschafft.

Aber auch der Pappmann sieht die Maschine. »Aha,« sagt er sich, »noch mehr Sand mang und noch mehr Stroh« und der Buchbinder ist wieder aufgeschmissen, denn wenn er noch billigere Pappe haben kann, wird er nicht so thöricht sein und bessere, theuere nehmen. — Nun muß der Maschinenmann wieder erfinden. Und so umzüchig weiter, bis die Waare sogar für einen Fünfzig-Pfennig-Bazar zu lekrig geräth. Und dann ist das Geschäft aus.

Ottilie meinte, es müßte bei Jedem dabei geschrieben stehen, was es vorstellte, allein das wäre zu viel verlangt. Zum Beispiel Röhren. Der Röhrenmacher weiß unmöglich, wozu diese oder jene Röhre verwendet wird, was hindurch laufen soll, und ob sie sich verstopft oder birst und kann nicht für jede Einzelne Lied und Beschreibung herausgeben, und andererseits bedarf man z. B. bei Wring-Maschinen keiner Abhandlung. Und doch sind vielleicht Neuerungen daran, die den Herrschaften zur Geldausgabe und den Philippinen zur Erleichterung der Arbeit verhelfen. Von den sogenannten technischen Verbesserungen des Hausgeräthes hat die Hausfrau das Wenigste, und ob die Küchendonnas Einem Dank wissen, ist sehr die Frage. Sie sträuben sich gegen Neuerungen. Blos mit dem Bräutigam sind sie willfähriger.