Meine Dorette auch. Seitdem ihr Tapezier durch sinnlosen Streit seine Arbeit verloren und ihre Spargroschen verthan hat, ist's mit ihm aus. Ihr Kummer war heftig, aber vergänglich, und um ihrem Ehemaligen die Rückkehr in das Küchenparadies für ewig abzuschneiden, hat sie sich mit einem Schutzmann verlobt, der dem Tapezier mit dem Schwert auf die Finger klopft, wenn er herein will. Er ist ein großer, ansehnlicher Mensch mit rothblondem Schnurrbart und grauen Augen, und wie Dorette sagt, durchaus nicht stolz, obgleich er schon drei Einbrecher gefaßt hat, und wenn es ihm glückt, einen Mörder zu packen, sprungweise avancirt. Nach meinen Speisekammer-Wahrnehmungen ißt er Alles. Der Tapezier ward zuletzt schon so kiesätig, daß Dorette unterschiedliche Gerichte nur gezwungen auf den Tisch brachte.

Fleckweise ein Schutzmann im Hause ist rathsam. Er verbreitet für die Schlechten das Gefühl der Furcht, für die Guten das Gefühl der Sicherheit, und Dorette ist wieder brauchbar. Soviel Geschirr hat sie zuvor nie geliefert, als in den Wochen des zerbrochenen Verlöbnisses.

Genug, ich bin mit dem Tausch zufrieden und rechne die Kalbsbratenreste als stillschweigendes Gehalt. —

Die Braupfannen, die Bierfilter, die Wasserreinigung regten uns ungemein an und nicht minder die Nähmaschinen, die auf das Niedlichste sticken und das junge Mädchen von früher vollkommen ersetzen, von dem man Fertigkeit in jeder feineren Handarbeit verlangte. Auch eine Handschuh-Nähmaschine sahen wir, die überwendlich naht. Wohin soll das führen? Die Fähigkeiten der Frau werden verschoben, sie begiebt sich auf das geistige Gebiet, wo sie die Männer verdrängt. Der Mann macht Maschinen, die Frau wird immer unabhängiger, bis der Mann schließlich nur noch den Dampfkessel zum Gesammt-Hausstandsbetriebe heizt, und die Frau die Welt regiert. Dies werde ich, im Gegensatz zu der Pappe und der Biegemaschine, die aufsteigende Linie nennen. Sind wir erst mit Damen-Universitäten und Mädchen-Polytechniken ausgerüstet, ist es Kleinigkeit, einen Standpunkt zu erreichen, von dem aus die Frau das Ganze beherrscht, und ich glaube nicht, daß dann noch viele Männer bis Mitternacht und darüber in den Kneipen sitzen dürfen. Die elektrische Gasuhr wird einfach abgestellt und es giebt nichts mehr.

»Unausstehlich, die Drehbänke,« murrte Ottilie, als wir vorwärts wandelten und Vieles Kurbelige nicht im Gange war.

»Ottilie,« antwortete ich besonnen, »das Nothwendige kann wohl den Eindruck des Unausstehlichen machen, ist es aber nicht. Die Bedürfnisse der Menschen weichen eben stark ab. Was wolltest Du in der Sahara mit Schlittschuhen und in Grönland mit einem Eisspinde, wogegen eine Drehbank Dir vielleicht dringend fehlte.«

Ich war ihr diesen kleinen Vortrag schuldig, weil sie doch vorhin gewaltig mit Eindruck und Erscheinung um sich geworfen hatte. Hängt sie Bilder heraus, ich hab auch 'ne Galerie.

Allmählich gelangten wir an die Badezimmer mit Wasch- und Reinlichkeitsvorkehrungen und zu den Kesseln und Oefen zum Desinficiren.

Was wußte man vor einigen Jahren davon? — Nichts.

Da erfand die Wissenschaft die Bacillen und das Karbol und haste nicht gesehen: wohin der Mensch sich begiebt, überall Bacillen und Sanitätsgestank. Denn den können die Menschen kaum vertragen, viel weniger die Mikroskobien, indem sie sich nicht zu entfernen vermögen und in dem Dunst elendiglich krepiren.