Tante Lina erzählte der Butschen gerade eine Geschichte von Viedt's. »Viedt's haben die schönen Ländereien und könnten viel mehr daraus machen, aber sie sind mit Erlaubniß zu sagen für reichlichern Dung und nicht für das Auspowern der Aecker und sind so thätig im Geschäft, indem sie jede Kleinigkeit mitnehmen und dadurch das Ihrige erreichten. Sie sagen nicht, wie viel sie haben, aber man weiß es doch so ziemlich.«
»Rechnen Sie gern in Anderleuten Portemonnaie herum?« fragte die Butschen.
Tante Lina wurde spitznäsig und dann glimmt es in ihr. Es war höchste Zeit, den Vesuv auszutreten und deshalb sagte ich rasch: »Liebe Tante, bevor wir aufbrechen, wünscht Fritzchen Ihnen einen kleinen Beweis seiner Verehrung darzubringen.« Es war dies zwar nicht ganz zutreffend, aber in der Eile entwegen die Sätze leicht. »Komm, Fritzchen.«
Er kam nicht. Die Kröte tückscht, dachte ich und öffnete die Thür. »So komm doch, Fritzchen!«
Da kam er. Aber wie!
Ihm war wohl die Zeit lang geworden und neugierig, wie Kinder sind, hatte er in Tante Lina's Tasche gekramt. Ihre Korkzieherlocken hatte er sich über die Ohren gehängt und ihr neues Gebiß trug er in der flachen Hand wie ein Vogelnest, die geöffnete Tasche über dem Arm. Und so schob er seelenvergnügt auf Tante Lina zu.
»Meine Tasche!« rief sie und aufgesprungen und die Schönheitsbeihülfen an sich gerissen und weggestochen. Sie flog vor Aufregung und pustete. Mir war der Vorfall mehr als peinlich. »Liebe Tante!« begann ich.
»Schon gut! Schon gut!« stieß sie hervor. »Das war ein starkes Stück. Sie haben wohl nichts dagegen, wenn ich noch heute abreise?«
»Aber nein...«
»Aber ja, und dabei bleibt's.« Und mir einen furchtbaren Blick zuwerfend, fügte sie hinzu: »Wir sind für ewig geschieden — Mein bischen Hab und Gut vermach' ich dem Waisenhause, da sind artige Knaben drin und, mit Erlaubniß zu sagen, keine ungezogene Rangen.«