Flore schlug die Augen, (die sie ohnehin noch wenig erhoben hatte,) tief nieder, bedeckte sie noch mit der Hand und sprach: Daß ich ein Kleid tragen darf, daß auch in deinem ganzen Reiche geboten wird, einen breiten Schurz um die Hüften zu tragen. Du bist schön, Sultan, dennoch weiß ich es nur vom Hörensagen, denn nie werde ich mich überwinden, dich, so wie du dastehst, anzublicken.

Die Bewegung im Volke nahm zu. Die bisher so frohen begeisterten bewundernden Blicke, die auf Floren fielen, wurden düster und kühl. Der Sultan rief: Hört ihr nicht Gigi wieder? So groß war meine Liebe zu ihr, daß ich einwilligen wollte, mein ganzes Volk zu schänden, aber der Aufruhr brach in hellen Flammen aus.

Ihr findet also in Zucht und Sitte, Schande? entgegnete Flore. Nun, ich sehe wohl ein, daß Volksmeinungen ausrotten nicht das Werk eines Augenblickes ist, aber du, der Herrscher, mußt im Huldigen der edlen Gewohnheiten vorangehn, zähle nie auf die leiseste Gegenliebe, bis du gekleidet vor mir erscheinst. Und auch da muß ich noch Mondenlang Bedenkfrist nehmen. Denn ein Schmerz der Trennung wohnt in meiner Brust, den zu überwältigen, die Zeit erst mit mir im Bunde treten muß.

Der galante Sultan ließ sich das gefallen, Flore wurde in den Pallast begleitet, bekam dreihundert schwarze Frauen zur Aufwartung, dreihundert Eunuchen zur Leibwache, und zwölf dienende Kammerherrn denen außer gewissen Organen auch die Zungen fehlten. Letztere hat sie nachher oft gerühmt, und sie immer den europäischen, welche sie kennen lernte, vorgezogen.

Vierzehntes Kapitel.
Sultan Kuku zieht in den Krieg.

Vierzehn Tage währten die Hoffeierlichkeiten. Sie übertrafen an Glanz alles, was man je in Darkulla erlebt hatte. Ganze Wälder von wohlriechendem Holze wurden verduftet, Springbrunnen von Rosenthau strömten für das Volk, und jeden Morgen wurden ihm Tausend Papageibraten ausgetheilt. Demungeachtet war man schlecht zufrieden, denn die Hauptergötzlichkeit mangelte. Die Wiener härmten sich nicht mehr, da die Bühne der Thierhetze niederbrannte, wie Darkullas Bürger, als das Fest des Sklavenköpfens eingestellt ward.

Flore ließ Musa zu sich rufen. Kaufmann, sprach sie, ich belohne dich reich, wenn du mir einen Dienst erweisest. Jener kroch auf Händen und Füssen näher. Gebietet, erhabene Sultanin, Gemahlin des Esels aller Esel!

Schmeichelte Floren die Unterwürfigkeit des Mannes, dem sie vor kurzem, eine Sklavin, hatte gehorchen müssen, so war ihr dagegen die Courtoisie von Darkulla höchst zuwider, und sie beschloß nächstens ihren Einfluß anzuwenden, daß der ganze Canzleistyl des Reiches verbessert werde. Schweres Unternehmen, wie man denken kann. Wollte es sich doch vor einigen Jahren, in Berlin nicht zu Stande bringen lassen, die Briefhöflichkeiten abzukürzen, ob man gleich damals in Wien schon mit der Sache aufs Reine war.

Musa, sprach Flore weiter, könntest du wohl eine Reise nach Misr übernehmen? (Cairo wird meistens Misr genannt.)

Der Schwarze entgegnete: Soll ich dir da Sklaven verkaufen, so ist es unmöglich, die Caffern, die von weither angekommen sind, verboten den Handel damit. Doch lasse eine Treibjagd halten, ich bringe sie nach Murzuk oder Tripoli.