Keineswegs, Schwarzer, war Florens Antwort, du sollst dich allein dahin begeben, und einen Mann ausfindig machen, dessen Name und Geschäft auf diesem Papiere stehn. Hörst du, er sey umgekommen, oder auch, verstehe mich recht, er sey verheirathet, oder habe eine Geliebte, so bringst du mir davon Nachricht, ohne in den letzten Fällen mit ihm selbst zu reden. Finden diese aber nicht statt, und er lebt, so sollst du suchen ihn nach Darkulla zu bringen. Hier dieses Briefchen, ihm übergeben, wird ihn bewegen, dir zu folgen.
Der Leser ahnet richtig. Sie meinte keinen andern wie Ring. Entweder wollte sie in den Umständen Befugniß finden, ihrem dargebotenen Glücke entgegen zu gehn, oder der Gatte sollte kommen, ihr zur Flucht zu helfen, oder — eine Ministerstelle einzunehmen.
Musa bedachte sich ein wenig. Leicht ist es nicht, sprach er, was du gebietest, und eben geht keine Caravane nach Egypten, doch ich will suchen was ich möglich mache. Reich mir die Papiere.
Er verließ Darkulla, nachdem Flore bewirkt hatte, daß ihm statt der Tausend Sklaven Goldstaub gereicht wurde, denn sie wollte sich nicht mit Freiheit bezahlt sehn. Musa sagte noch zuvor: er würde bei dem allem das Vorhaben nicht aufgeben, Mehemed suchen zu lassen, dem er seinen Raub nicht gönne. Flore billigte das vollkommen. —
Plötzlich aber steckten die Mitglieder des Divans die Köpfe zusammen, die Kuku oft noch in der Nacht berufen ließ. Das Volk sammelte sich vor dem Pallast in kleinen Haufen, und that geheimnißvoll und neugierig. Flore wollte einen Kammerherrn fragen, was das bedeute, Stumme aber geben keine Antwort. Die Weiber wußten selbst nichts, und hätten gern von der Sultanin was erfahren. Der Oberst der Eunuchen murmelte das Wort Krieg zwischen den Zähnen, und Flore erschrak.
Sie schickte die Unterkammerfrau zur Oberkammerfrau, diese mußte der Unterhofmeisterin auftragen zu der Oberhofmeisterin zu gehn, und dieser Namens der Sultanin zu befehlen: daß sie sich zum Unterpagen des Sultans begäbe, welcher den Oberpagen anzuweisen hätte, den untern Kammerjunker an den Obern zu schicken, bis endlich dem Sultan zu melden sey, die neue Sultanin wünsche ihn zu sprechen. Denn Etiquette war an diesem Hofe, wenn man schon keine Beinkleider trug!
Der Sultan verstieß diesmal gegen seine gewöhnliche Artigkeit, die Staatsgeschäfte fesselten ihn zu dringend. Er ließ zurücksagen: wenn er Dreihundert Marschdispositionen für Fußvolk und Reuterei unterschrieben hätte, würde er gleich erscheinen.
Das währte Floren zu lange, sie ließ den Minister der auswärtigen Affären rufen. Um des Himmels Willen, fragte sie, bekömmt der Sultan Krieg? Er wird doch nicht aus dem Gebirgsbezirk ziehen. Innen hat ihm ja keine Macht etwas an, wenn er den Paß vertheidigen läßt.
Dieser Minister war einer von ganz besonderm Schlage, er hatte viel Verstand. Der Sultanin ward bedeutet, daß es wohl Fälle geben könne, wo es nöthig sey, die Felsenmauer hinter sich zu lassen, wenn nämlich ein Bruder draußen vorhanden sey, der Hülfe verlange.
Flore hätte nimmer geglaubt, daß sie um den Sultan Kuku besorgt werden könnte, gleichwohl machte sie dem Staatsmanne viele Einwendungen, behauptete, ein Feldherr, dem Bruder zur Hülfe gesandt, gnüge auch schon.