Hier gehöre ich der Ehre, und darf keine andre Stimme vernehmen. Doch ich lasse dich zurück als Reichsverweserin. Herrsche in Kukus Namen. Schon sind die Befehle nach allen Winkeln des Landes geschickt, dir, wie mir selbst Gehorsam zu leisten.
Draußen lärmten schon die Trommeln, und eine ganz andere Art wie die in Europa. Von Hirnschädeln erschlagener Feinde werden sie gefertigt, mit der Haut vom Herzen überzogen. Ein Schlag auf eine solche Trommel klingt nicht laut, aber er flößt eine so kriegerische Begeisterung ein, daß jeder, der nur einen solchen Trommelschlag hörte, gewiß bei den Kriegsliedern der Deutschen einschläft, so unvergleichlich sie auch sind.
Vom König Erich von Dänemark erzählt die Legende: ein Tonkünstler von seltnem Rufe sei an seinen Hof gekommen, und jener habe ein kriegerisches Tonstück verlangt. Der Virtuos habe nun seinem Willen ein Genüge geleistet, und zwar auf eine so kräftige und hinreissende Art, daß Erich aufgesprungen sey, das Schwerdt eines Kriegers genommen, und vier Mann der Leibwache damit erstochen habe. Auch sey eher an keine Pause der kriegerischen Wuth zu denken gewesen, bis von Seiten des Virtuosen eine Pause gemacht wäre.
Grade so flog Kuku hinaus, wie die Trommeln aus Todtenköpfen sich vernehmen ließen. Mit einem Hieb lag der Feldherr, der nach ihm befehligte, zu Boden, und hätte ihn Flore nicht in den Arm gefaßt, wer weiß wie viele Offiziere in der Garnison hätten bluten müssen. Zu allem Glück stand aber der General wieder auf, er hatte nur eine leichte Verwundung bekommen.
Daß nach Ziskas Tode, die Haut desselben auch eine Trommel bekleidete, und die Hussiten ganz tollkühn waren, sobald sie diese Trommel hörten, ist eine Geschichtsthatsache, die den meisten der Leser dieses Buchs bekannt seyn muß, und die nur für die angeführt wird, welche noch nichts davon erfahren haben.
Nun mußten die Trommeln aufhören, und Sultan Kuku hielt eine Rede an sein Volk. Man lese sie, und wird finden, daß viel romantischer Geist der Chevallerie darin geathmet wurde.
Volk von Darkulla! Der Esel aller Esel zieht ins Feld, so gebieten es Ehre und Rache. Ich erblicke bestürzte Mienen und thränenvolle Augen, aber vergelte die Liebe. Meine schöne Cafferin bleibt zurück, während des Kampfes hier das friedliche Ruder zu führen. Noch ist sie meine Gemahlin nicht, noch konnte Kuku sich ihrer nicht würdig zeigen. Wenn ich ihr aber Tausend Köpfe der Erschlagenen sandte, und Tausend Gefangene, denen sie zur Lust Nase, Ohren, Hände und Beine abhacken lassen kann, dann erkennt sie den mächtigen Helden, ich fliege zurück, und die Festlichkeiten des Beilagers werden vollzogen. Ihr wißt schon um meinen Willen, der Cafferin zu gehorchen, wie mir. Sie empfange einen Namen in der Landesmundart, und heiße künftig Sultanin Nene.
Das Volk tanzte lustig umher, und rief der Sultanin Nene ein Lebehoch, nach darkullanischem Geschmack, dann setzte Kuku sich an der Truppen Spitze, und ließ den Generalmarsch schlagen. Wäre er in einer Carosse von dannen gefahren, würden sich Hundert Schwarze eingespannt haben, ihn bis an die Gränze zu ziehn, so duldete man aber nicht, daß er ein Roß bestieg, sondern ein heißer Patriot bog sich unter ihm nieder, und galloppirte mit dem Esel aller Esel davon.
Flore ging niedergeschlagen in den Blumenpallast zurück.
Ende des dritten Buchs.