Man hat dann noch zehn Grade oder Hundertundfunfzig geographische Meilen zurückzulegen. Ein Rennthier läuft zwölf Meilen hintereinander, die Lappländer machen oft zwanzig an einem Tage mit diesem schnellen Thiere. Doch wollen wir nur zehn Meilen in vierundzwanzig Stunden hoffen, um den Schein der Uebertreibung zu vermeiden. Das giebt also funfzehn Tage bis zum Pol, und zehne mögen zugegeben seyn, nicht als Aufenthalt an Ort und Stelle, wozu wohl Achtundvierzig Stunden ausreichen, (späteren Reisenden, die das Werk vervollkommnen, mag die längere Frist, zu vollständigern Beobachtungen, vorbehalten bleiben) sondern für unerwartete Hindernisse. Das giebt zusammen vierzig Tage. Laufen aber die Thiere schneller, und es giebt keinen Kampf mit besondern Schwierigkeiten, kann man wohl schon nach dreißig oder gar nach zwanzig Tagen wieder unter dem 80sten Grade anlangen.

Von reissenden Thieren ist der weisse Bär zu zu fürchten, den die Beschreibung sehr keck macht, es müßten denn weiterhin noch ganz unbekannte Ungeheuer wohnen. Im Feuergewehr giebt es ja aber ein fast immer bewährtes Mittel, gegen die ungeschliffene Bestialität. Trifft der Schütze nicht, so schreckt er wenigstens. Zum Ueberfluß noch einige Knallraketen, um sie desto gewisser scheu zu machen, und davon zu jagen, denn allerdings müßte das Rennthier mit vertheidigt werden. Weil sich nun aber von selbst versteht, daß nicht Ein Reisender sich auf den Weg machen wird, sondern zwei, drei, vier Schlitten, wenn nicht von Freunden, von seinen Dienern nachgeführt werden, so giebt das neben anderweitig wechselseitiger Unterstützung, auch desto kräftigern Widerstand bei solchen Angriffen, wovon wir eben redeten.

Nun kömmt das richtige Treffen des Weges, und das in lauter Nächten von vierundzwanzig Stunden Länge.

Indessen hat es je höher hinauf, je weniger mit der Dunkelheit zu sagen. Der Himmel ist meistens klar, die Luft rein, das Sternenlicht fällt auf den leuchtenden Schnee, wenn wir es auch übersehn, daß sich häufige Nordlichter ins Mittel schlagen, die fast Tageshelle niederglänzen. Die Einrichtung muß übrigens so getroffen werden, daß man einige Tage vor dem Neumond abreiset, so daß ohngefähr für die Tage, wo man an der Achse ist, auf den Vollmond gerechnet wird. So hat man denn die Fülle des Scheins, und bei der Mondhöhe im Winter, ihn überdem immer am Himmel.

Die beste unfehlbare Richtung giebt der angelfeste Polarstern, und wenn je der Horizont umwölkt wäre, nützt der Magnet. Doch ist es freilich nicht zu wissen, welche Veränderungen er am Pol erleiden wird, daher müssen besonders gegen das Ende der Reise, die der perpendikuläre Stand des Polarsternes angiebt, mancherlei Vorsorgen genommen werden, daß vom Anfang an die Spur des Rückweges kenntlich sey. Denn gesetzt man schritte um den Mittelpunkt des Pols, und die Nadel des Compasses drehte sich mit, so könnte die Orientirung verloren gehn. Vom Polarstern abwärts wäre es überall südlich, und statt wieder nach Grönland umzukehren, ginge es auf die aleutischen Eilande. Aber einige aufgethürmte Schneehaufen und präcis gehende Uhren, die den Stand der Gestirne als richtiges Merkmal zulassen, und nur erst eine mäßige Strecke in der nöthigen Richtung gefunden, so ist der Compaß wieder ein untrüglicher Wegweiser.

Soweit die Theorie der Polreise; an die Ausführung mag ein wohlhabender kräftiger sehensneugieriger und löblich eitler Jüngling denken. Viele opfern Tausende auf eine unwürdige Art hin, andre wenden Vermögen auf, stürzen sich in Gefahren zu Wasser und Lande, um die Cordilleras zu besuchen. Der Pol ist gewiß interessanter für den Ruhm, und wenn es gleich nicht den Schein hat, so könnten doch unerwarteter Weise ganz unschätzbare Entdeckungen dort gemacht werden.

Schwerfällige schwunglose Gemüther haben nicht nur Recht, wenn sie den Vorschlag tapfer bespötteln, sondern dies wird dem Urheber auch das Criterium seines Werthes seyn.

Nachdem der Leser aus dem heissen Aethiopien willig sein Einbildungsvermögen in die kälteste der kalten Regionen gesendet hat, wird er wieder zu der muthwilligen Pariserin zurückgeführt.


[7] Wäre es mit Verjüngung der Massen von Lebensnahrung noch weiter zu treiben, daß man auf sechzig siebzig Tage versorgt seyn könnte, so dürfte es räthlich werden, von der Mündung des Jenisei oder des Lena aus, über das Eismeer zu reisen. Desto weniger hätte man das Fortkommen erschwerende, oder gar hemmende Gebirge zu befürchten, vielleicht die wesentlichste Schwierigkeit. Und in Siberien wären die Erfordernisse immer noch mehr auf der Nähe, wie in Grönland oder auch in Canada.