Gallerte würde die passendste Speise liefern. Einen wohlbeleibten Ochsen geschlachtet, das Fleisch zerschnitten, die Knochen zermalmt, und die ganze animalische Essenz in Gallerte oder Suppentafeln gebracht, so werden vielleicht kaum Sechs Pfunde bleiben. Davon drei vier Loth in Schneewasser gethan, auf dem chemischen Ofen gekocht, und die Kraftsuppe ist da. Statt Brot gepülverten Schiffzwieback, zum Genusse angefeuchtet.

Sucht man auch bei der Medizin noch Rath, und legt etwa ein Hundert Gran Opium zu dem Vorrath, so wird der Lebensprozeß flüchtig und anhaltend zu erregen seyn. Das Opium wird auch vorzüglich die Kälte bekämpfen helfen, und noch mehr, wenn ein Zusatz der Tinctura aromatica nicht fehlt.

Der ganze Proviant für den Mann, sammt den Papieren zur Feuerung, muß nicht viel über hundert Pfund wiegen.

Doch die Rationen des Rennthieres, was fangen wir damit an? Es ist zwar sehr genügsam, und sucht sich in der Regel nur ein wenig Moos, aber das kann unterwegs fehlen.

Da wird es also nöthig, auszumitteln, wieviel von dem Moose das Thier täglich bedarf, und ob bei der Leichtigkeit dieser Nahrung daran zu denken seyn mag, sie auf eine solche Zeit mitzuführen. Bedenkt man, daß wohl drei vier Lappländer von einem Rennthiere gezogen werden, so bringt das seine Kraft in einen ziemlichen Anschlag, oder noch mehr die wenig schwierige Fortbewegung einer ziemlichen Last, unter solchen Umständen. Scherzlustige könnten anmerken, daß die Lappländer von Person sehr klein, folglich leicht sind, aber es ist ihnen zu erwiedern, daß ja auch eben kein Pendant zum verstorbenen Rath Schmidts in Berlin, die Polarwallfahrt anzutreten braucht.

Genug, man erprobt, ob das Moos, (wenigstens zum Theil, da doch unterwegs etwas davon anzutreffen seyn wird) mitgeführt werden kann. Das ausgesuchte Rennthier wird daneben auch an anderes und nahrhafteres Futter gewöhnt. Kraftmehl, gepulvert Brot, würden sich vielleicht eignen, und diese Dinge nehmen dann wenig Raum ein. Vielleicht versteht sich das Thier auch dazu, etwas von dem zubereiteten Rum im Schneewasser zu schlürfen.

Mögten aber die Künsteleien bei dem Thiere nicht zusagen, so genießt es doch nach allem, was die Naturgeschichte davon sagt, schwerlich mehr wie zwei bis drei Pfund Moos. Gut, so nehme man Hundertundfunfzig Pfund mit, die in und um den Schlitten noch die Kälte abwehren helfen. Dazu Hundert Pfund für den Mann, der mit seinen Pelzen Hundertfunfzig wiegen mag, so hat man Vierhundert Pfund, die ein Rennthier bequem ziehet, wobei nicht außer Acht zu lassen ist, daß im Verfolg der Reise das Gewicht sich täglich mindert.

Die als nöthig angenommene Zeit von dreißig bis vierzig Tagen beruht auf folgender Rechnung.

Bis zum 80sten Grade Norder Breite ist man gekommen. Nova Zembla reicht ziemlich dahin, und ein Theil des durchwanderten Grönlands, wenn gleich keinen Grad über den arktischen Polar-Zirkel hinaus menschenbewohnte Ortschaften zu finden sind. Es wird hier aber vorausgesetzt, daß die Reise vom 80sten Grade angetreten werden müsse. Auf dieser Station (in Grönland oder Canada, wo man es am bequemsten findet[7]), muß schon im Sommer vorher ein Haus erbaut werden, wohin man die Nothwendigkeiten, und noch Lebensunterhalt für die Zeit bis zum folgenden Sommer, in dem Hause selbst, schafft. Denn zu wohlfeil ist die Unsterblichkeit auch nicht zu verlangen. An diesem Orte richtet der Reisende, und seine Freunde oder Dienerschaft, alles ein, stählt seinen Körper gegen die Kälte, und wartet den entschiedenen Winter ab.

Nach diesem Orte kehrt er vom Pole wieder zurück, und findet Erholung.