Was hindert aber die Reisenden, es noch mit einer Pelzdekke zu versehn, ja wohl selbst mit einer Art Bekleidung, die ihm mindestens wohlthätig wird, wenn man Rast hält?

Man denke sich nun einen Schlitten von leichtem Holz, aber geräumig und dauerhaft. Inwendig mit dikken Pelzgattungen gefüttert, und von Aussen mit einem Baldachin von Seehundshäuten versehn. Unter diesem dichten Ueberwurf steht ein Ofen von dünnem Blech, eingerichtet wie die neuerfundenen chemischen Küchen, in denen man bei der Glut eines — Bogens Papier ein Essen zubereitet. Es ist zu vermuthen, daß man bald kein Holz mehr antreffen wird, um es zu einer Feuerung zu gebrauchen, doch einige Rieß Papier sind auf den Schlitten zu laden. Erhält man das Blech des Ofens nun immer mäßig warm, was in Vierundzwanzig Stunden vielleicht zwei bis drei Buch Papier erfordert, so geschieht bei der übrigen Verhüllung genug. Der lächerliche Anschein der papiernen Heitzung verschwindet, wenn der enge Raum des Schlittens beachtet wird, und wenn man sich dagegen ein großes Seeschiff denkt, das, wenn gleich das Meer offen ist, doch in einer Kälte von 12 oder 16 Grad unter 0 umherschwimmt, ohne daß die Matrosen ein ander Feuer erwärmt, wie die sparsamen Kohlen des nur bei den Mahlzeiten lodernden Küchenheerdes. Wer auf dem Verdekke arbeitet, muß so aushalten, wobei ihm freilich die Bewegung nützlich ist. Die Bewegung muß sich aber der Polarpilgrim geben, wenn angehalten wird, und mit Fleiß und Anstrengung, da regen sich die inneren Lebenskräfte, und mit ihnen der thierische Wärmestoff auf, und desto eher wird er hernach in ruhiger Lage zwischen seinen Pelzen und neben seinem kleinen Blechofen aushalten. Es wäre vielleicht auch durch die Spirituslampe etwas auszurichten, aber die dazu nöthige Materie ist zu schwer.

Uebrigens wird man, so lange der Landstrich währt, doch etwas Gesträuch finden, und dann bisweilen sich eines glühenderen Feuers erfreuen können, in dem äußersten Falle muß nur der chemische Blechofen Hülfe leisten. Vielleicht schmilzt sich durch ihn auch Schnee in Wärmeflaschen, wodurch die Hülfe vermehrt wird.

Ob leichte brennbare Fossilien anwendbar wären, als Schwefel, Erdpech, bituminöses Holz, wagt man nicht zu entscheiden. Warum aber nicht? Die Vorrichtung müßte nur ihre Wärme spärlich sammeln, und den schädlichen Dampf abführen.

Eine Maske vor dem Gesichte, die aber die Dünste beim Athmen nicht verschlösse, ein großer Muff über jede an sich schon verwahrte Hand, in welchen die Zügel des Rennthiers gingen, die ganz besondere Vorsorge für den Untertheil des Leibes, wären noch zu empfehlen. In allen diesen Hülfsmitteln, könnte der Reisende dann aber vollkommenen Schutz gegen die Polkälte finden.

Der Punkt der Nahrung ist aber schwieriger. Proviant für einen Mann und ein Rennthier auf dreißig bis vierzig Tage. Und in so geringer Masse, daß er in den (freilich auf der harten Schneerinde leicht hingleitenden) Schlitten geladen werden kann. Gewiß keine unbedeutende Aufgabe.

Daß auf Tafelfreuden verzichtet werden muß, liegt wohl am Tage. Erhaltung der Lebenskraft ist alles woran man zu denken hat.

Der vin cuite in der Provence, der eingekochte spanische Wein, und der in ähnlicher Art auf einigen Inseln des Archipelagus zubereitete, sind sehr nährend. Vom Safte des Palmbaums wird behauptet, ein Löffel davon soll (freilich in seinem Clima) den Menschen auf einen Tag erhalten können.

Dem sei wie ihm wolle, ein konzentrirtes geistiges Getränk wird vor allen Dingen nöthig. Gute Rhein- oder spanische Weine durch Sieden auf den sechsten, zehnten, zwölften Theil gebracht, mit kräftigen Gewürzen versetzt, werden dem Zwekke entsprechen. Eben so ist guter Rum möglichst einzukochen.

Ein mäßig Glas von jenem Getränke muß für den Tag ausreichen, von diesem schon ein Theelöffel den gehörigen Anreiz bewirken. Fünf bis sechs Quart bringen sich denn wohl fort.