Das beruhigte Floren, wiewohl es anders klang, wie der ehrliche Eunuchenoberst gemeldet hatte. Dieser war, gleich nachdem das Militär die Uniform von Thierhäuten angelegt hatte, von der Sultanin befragt worden: wie das Volk sich bei dieser Erscheinung äußere, und seine Antwort gewesen: ältere Männer pflegten bei dem Anblick sich still umzuwenden, jüngere aber liefen im Scherz, wie vor dem Thiere, von dessen Haut das Soldatenkleid gemacht sey. Im Pallast wurde aber eine Manufakturenkommission niedergesetzt, die über die Mittel zu berichten hatte, auf das schnellste allerhand Zeuge fertigen zu lassen.

Der Divan fragte durch eine Sendung an: wie er sich für die nächste Versammlung zu kleiden habe? Die Sultanin wollte den alten Männern keine peinliche Beschwerde auferlegen, sie stellte es also in dem Belieben eines jeden, und setzte hinzu: wegen des noch bestehenden Mangels an Stoffen, sei es vorerst an einem Feigenblatte genug.

Da sie nun am folgenden Tage die Räthe über den Pallasthof zur Sitzung gehen sah, bemerkte sie, daß alle das Feigenblatt in der Hand trugen, gleichsam als spielten sie nur damit, oder wollten sich seiner als eines Schirms bedienen, oben im Saale war es aber durch die Ranken einer Epheu befestigt. Dies Betragen verdroß Floren, doch war ihre Meinung: dem hohen Alter sei einiges zu übersehn.

Uebrigens hatte die Sultanin manche Genugthuung. Viele Palmblätter wurden eingesandt, auf denen Danksagungen der Knechte eingegraben waren, vor dem Pallaste ließen sich viele Menschen sehn, die artige geflochtene Schürzen trugen, und Niemand brauchte die verhaßte Anrede mehr. Alles das war jedoch Schein, durch die Plane der Schmeichelei veranstaltet. Falsch waren die Danksagungsschreiben, die Leute, welche sich gekleidet zeigten, erkauft, während heimlich ausgestellte Wachen keinen dem Pallast nahen ließen, der an der Nationalnacktheit noch mit Vorliebe hing. Adressen, welche mit der Courtoisie: Eselin! anhuben, und deren manche einlief, wurden unterschlagen.

In der Wirklichkeit stand es nur zu bedenklich. Das Volk sah Schande, Beschwerde und Noth in der gebotenen Kleidung. Die Vornehmen geriethen außer sich, daß die Willkühr über der Knechte Leben verfallen sollte, diese wurden trotzig und nun schlechter genährt, durch die Herren, daß sie dennoch den alten Zustand zurückwünschten. In Verächtlichkeit sank eine Sultanin, ohne den edlen Ehrgeiz, den Titel der Landeshoheit führen zu wollen. Doch die Ausbrüche heilloser Szenen wurden noch durch Vermittlung des Divan niedergehalten.

Auch war bei der tiefen Ehrfurcht, womit man in Darkulla sonst den Gebietern und ihren Gemahlinnen huldigte, nimmer die Stimme der Verläumdung gehört worden. Man hätte Afterrede über den Hof, gleich nach der Gotteslästerung gestellt. Jetzt ward das anders. Man flüsterte sich so manches über Nene ins Ohr. Ihr freies Betragen erweckte Muthmassungen, die man freilich noch nicht aussprach, aber einander auf den Gesichtern las. Auch kam, was in Darkulla, wo blindes Gehorchen mit Sitte und Gefühl so genau zusammenhing, unerhört war, die Fremdheit der Sultanin, unter mißbilligenden Wendungen zur Sprache, und im Verdruß, über das, was sie that, wollte sich immer schon die Frage hervorwagen: Ist es recht, dieser Sultanin, die Schändliches und Ungerechtes will, Folge zu leisten?

Sechstes Kapitel.
Die Köpfe und Gefangenen.

Nun langte die vom Sultan abgeschickte Bedeckung an, und brachte sowohl afrikanische Trophäen, nehmlich Köpfe, als auch lebendige Gegenstände der Volkskurzweil, nehmlich Gefangene.

Unter kriegerischer Musik, von den Einwohnern mit tausendfachem Jubelschrei empfangen, nahte der Zug dem Stadtthore. Hier wurden die Köpfe aus den kameelhäutenen Säcken genommen, und auf Lanzen gesteckt; die Gefangenen je zwei und zwei zusammengeschlossen, die Hände auf den Rücken gebunden folgten, vom Pöbel verhöhnt, beschimpft, mit Steinen geworfen, oder mit Stäben gequält, woran spitzige Fischgräten hervorragten.

Nach alter Sitte von Darkulla, wurde von den Köpfen, am Eingang des Pallastes, eine Pyramide aufgerichtet, um welche die trunknen Darkullaner tanzten, wohl in phrenetischer Raserei oft ihr Fleisch herunter rissen, und verschlangen. Dann gab man die Feinde Preis, welche das Kriegsglück lebend in der Sieger Hände geliefert hatte. Nationalhaß und Rache wegen gebliebener Verwandten in diesem Kriege, machten sich schrecklich Luft, und es ist zu ärgerlich grausend, um es nachzuerzählen, was dann alles geschah. Nicht wich die Menge von dem Platze, bis auch der letzte zerrissen war.