Noch mehr: Sultan Kuku konnte die ungemeine Tapferkeit und Geschicklichkeit der Beduinen nicht genug erheben, die alle, welche schon mit ihnen im Kampf gewesen waren, ihm bezeugt hätten. Er schrieb, es wären gar die ältern Beduinen nicht mehr. Ihre Sultanin hätte einen Kriegesgeist, eine Kunstfertigkeit ihnen anzueignen gewußt, welche Afrika noch nimmer gesehen habe, und sollte die Tapferkeit der Darkullaner, (welche er zwar nicht aufhörte, als die erste in der Welt zu erkennen) Gigis Heer überwinden, so schiene es durchaus nöthig, einige der Stellungskünste und Angriffskünste von drüben nachzuahmen. Tata wäre ganz mit ihm hier einverstanden, und die Truppen würden in dem Betrachte schon geübt. Er empföhle also dem Divan die Verstärkung, welche er auszuheben hätte, auch bald auf diese Weise zu unterrichten. Zu dem Ende lagen genaue Beschreibungen jener Bewegungen bei, und es würden auch Offiziere ankommen, die sich dem Geschäfte widmen sollten. Besonders war dabei der Sultanin empfohlen, ernst durchzugreifen, wenn etwa die Graubärte im Divan, nach ihrer gewohnten Art mit veralteter Weisheit widerständen. Das Nothwendige müsse geschehn, und der Einwurf verstummen.
Die letzten Weisungen enthielten gleichsam einen Triumph für Floren. Sie war entzückt über Kukus Klugheit, das Gute auch vom Feinde lernen zu wollen. Die Weisungen des Divans halber, berechtigten sie zu Schritten, die jenen Widerspruch rächen konnten.
Hatte sie schon oft über die romanhafte gefürchtete Gigi nachgedacht, ja wohl eine Sehnsucht empfunden, die Heroin einmal zu sehn, so versank sie daneben in Bewunderung. Wie, rief sie aus, diese Gigi stellt sich an die Spitze eines rohen Haufens, macht sich zur Herrin, lenkt ihn nach Gefallen, und legt ihm sogar schnelle Riesenschritte der Entwicklung auf? Und ich, hier mit Ansehn gerüstet, muß, da ich das Gute will, Ausflüchte hören, die zwar im ersten Augenblick manches für sich zu haben scheinen, aber von der Höhe des Strebens angesehen, doch elend sind. Aber mein Wille ist nicht heftig genug. Ich zaudre klügelnd, wo die That vorangehn sollte. Nein, nicht länger! Kuku soll eine andere Gigi anstaunen.
Die Palmblätter, rief sie (in Darkulla baut der Kunstfleiß noch keine Papiermühlen) den Griffel! und im Nu waren die Unterschriften fertig. Die Boten mußten fort.
Fünftes Kapitel.
Gährung.
Der Divan wurde berufen, Kukus Brief gelesen. Mit niedergesenktem Blick hörten die Räthe. Endlich stand der vorsitzende Greis auf, legte die Hände auf die Brust, und sprach: Erhabene Sultanin, wir dürfen rathen, aber müssen gehorchen. Den Ausgang zum besten kehren, das wollen wir, für ihn einstehn, das können wir nicht.
Flore hatte wohl eine andre Antwort gewünscht, doch allenfalls ließ sich mit dieser schon zufrieden seyn, und sie beurlaubte die Räthe.
Jetzt schrieb sie dem Sultan. Nichts weniger als Zärtlichkeit, nichts weniger als Kälte, viel aufmunterndes Lob, und eine räthselhafte Hoffnung auf Glück bei der Heimkehr, die Kuku vielleicht beim Empfang anders gedeutet hat, wie Flore es meinte. Denn sie hatte nur ihre Umwandlung des Volkes von Darkulla im Auge.
Flore gab den alten Kammerherrn ihr inniges Bedauern über ihre unglückliche Verstümmung zu erkennen, äußerte aber aber dabei, daß eine Bedienung von stummen Männern, sowohl freudenlose Eindrücke auf sie mache, als ihr abgeschmackt dünke. Sie bekamen doppelt Gnadengehalt, und statt ihrer wurden andre mit gesunder Sprache angenommen.
In diese fuhr sogleich die Kammerherrn-Natur. Sie erhuben die Weisheit der neuen Einrichtungen über die letzten Sterne des siebenten Wonnehimmels, und schwuren: ganz Darkulla sey aus Entzücken über die letzten Befehle ohnmächtig geworden. —