Kuku schrieb ihr dabei, nach den gewöhnlichen afrikanischen Galanterien, viel Rohes und Gescheutes. Darin blieb er sich gleich. Hauptsächlich ließ er sich über die Caffern aus, um welche sich der Krieg entsponnen hatte. Gigi, schrieb er, hat das Verwüsten eingestellt, sogar Schadenersatz angeboten, und noch einen ziemlichen Landstrich, den sie Tata abtreten wollen, dafern ihr die Caffern ausgeliefert würden. Es wäre also ein leichter und vortheilhafter Friede zu erringen. Allein die Verwüstung muß schmachvoller gerächt seyn, so will es Darkullas Ehre. Dann scheint auch die Veränderung im Betragen, auf einen Unfall zu deuten, der ihr widerfuhr, oder droht. Vielleicht will auch ein anderer Nachbar ihr Land mit Krieg überziehn. Das Gerücht sagt ohnehin lange: Habesch sei mit ihr zerfallen, und schon vor meiner Ankunft beim Heere hatte Tata sich um ein Bündnis mit diesem Reiche bemüht, wozu sich jetzt einige Hoffnungen zeigten. Es wäre also thörigt, um ein wenig Land den Frieden einzugehn, wenn es vielleicht ganz wieder zu erobern ist. Und dann fällt auch Gigi lebend oder todt in meine Hände, eine Lust, die hunderttausend Köpfe spottwohlfeil erkaufen. Der Caffern wegen habe ich einen Entschluß genommen, mit dem du Eselin der Eselinnen, (Kuku hatte Wichtigeres zu thun, als die Titulaturen zu verbessern) zufrieden seyn wirst. Schon oft blitzte der Säbel über die Häupter derselben, doch aus den Gründen, die dir schon bekannt sind, wurden sie immer noch der Volkswuth entzogen. Jetzt sind sie aber auf dem Wege zur Hauptstadt des Felsenlandes. Bald werden sie bei dir ankommen, Sonne von Darkulla, liebliche Sultanin Nene. Lasse sie in engen Gewahrsam bringen. Gewinnt mein Schwert in dem großem Kampfe, der uns bevorsteht, so mögen sie leben, und ihre Geschicklichkeit Darkulla Nutzen bringen. Und etwas Erhebliches muß es ja darum seyn, weil Gigi sogar um den Besitz der Männer sich demüthigt. Ein Bote, dessen Esel mit Mandelblüthe geschmückt ist, wird dir den Sieg verkündigen. Verliere ich aber die Schlacht, dann lasse mir gleich die Caffern tödten. Besiegt zeig ich Gigi den grimmigsten Trotz. So ziemt es dem Sultan von Darkulla. Desto eher wird sie auch den Krieg enden, und hab ich doch das Felsenland, wohin ich mich mit Tata zurückziehe, das jetzt klüger bewacht wird, wie im vorigen Kriege. Die Köpfe der egyptischen Kaufleute sende mir, ich will sie Gigi übermachen. Dieser beiden Männer wegen, unterhandelte Gigi am eifrigsten. Den Verlust der Schlacht meldet dir ein Bote auf einem Esel ohne Schweif. Das ist das Zeichen der Klage, des Trotzes und der Caffern Todesspruch. Du kannst die Kaufleute erst über manches befragen.

Diese Köpfe werde ich nicht senden, dachte Flore bei sich, wenn sie schon empfand, daß einige Größe in der Barbarei lag.

So stand Claudius Nero, dem listigen und kräftigen Punier gegenüber, der so oft Roms Legionen überwunden hatte. Asdrubal kam über die Alpen gezogen, den Bruder zu verstärken, und nur eine geringe Macht konnte ihm unter dem Consul Livius Salinator entgegenrücken. Da entschlich Claudius mit des Heeres größter Hälfte, während täuschende Zeichen Hannibal seine fortdauernde Gegenwart vermuthen ließen. Mit Eilmärschen erreichte er den andern Feldherrn, ihm Hülfe zu leisten. Vereint griffen die Helden an, funfzigtausend Feinde sanken. Nach sechs Tagen war Claudius schon zurückgekehrt, und in Hannibals Lager flog — Asdrubals Haupt.

Achtes Kapitel.
Die Caffern langen an.

Einige Wochen darauf brachte ein starker Trupp Soldaten, die Caffern mit ihren Weibern und Kindern. Die Sultanin ging selbst hinunter, da sie vor dem Pallaste angekommen waren. Sie fragte gleich nach den Kaufleuten aus Egypten, und man stellte ihr einen Greis mit bekümmertem Antlitze, und einen jugendlich blühenden, sehr lebhaften Mann vor. Letzterer trug auch Spuren des Grams auf seinem Gesichte, ein gewisser heiterer Lebensmuth schien sie aber nicht ohne Erfolg zu bekämpfen. Wer durfte sich auch wundern, diese Leute niedergeschlagen zu sehn. Ohne Zweifel hatten die Zusagen jener Königinn, ihnen mit den freundlichsten Erwartungen geschmeichelt, und nun schwebte ein Dolch über ihren Scheiteln.

Flore fragte nach ihren Namen, ihren Geburtsorten. Mustapha nannte sich der ältere, der jüngere Osmann. Aus Natolien berichteten sie, sind wir gebürtig, Cairo war zeither unser Wohnplatz.

Da Flore von Cairo hörte, ward ihr die Wange heiß, und die Pulse fingen rascher an zu hüpfen. Gern hätte sie gleich gefragt, wie es ihren Landsleuten jetzt in Egypten erginge, sie fürchtete aber, ihr Interesse würde zu sehr hervorleuchten. Weislich unterhielt sie auch in Darkulla den Glauben, sie stamme aus dem türkischen Caffernlande, und sie konnte um so leichter die Muselmännin spielen, als sie bei jenem Derwisch so viele Lehren des Coran aufgefaßt hatte. Als Nazaräerin würde Kuku ihr auch nicht so viel Gewalt in die Hände gegeben haben, und es befestigte ihr Ansehn nicht wenig, daß sie die Priester in Darkulla, welche noch höchst unwissend in Religionssachen waren, zu meistern verstand. Doch nahm sie sich vor, nächstens die Egypter ins Geheim zu sprechen, wo sie denn manches erfahren könne.

Osmann zeigte ihr die für Gigi geworbenen Männer und machte sie mit ihren Eigenschaften und Kunstfertigkeiten bekannt. Da gab es Waffenschmiede von Damaskus, Gärtner von Aleppo, Bauverständige aus Smirna, Zeugmacher von Angora, und andre brauchbare Männer, die, wenn ihnen England oder Frankreich wohl nur einen dürftigen Wirkungskreis gegeben hätte, doch geeignet waren, im tiefen Afrika eine neue Schöpfung ins Leben zu rufen.

Am meisten freute sich Nene bei dem Anblick der Männer von Angora. Die Zeugmacherei wollte sich in Darkulla bei allen Bemühungen nicht zu Fortschritten bequemen. Daß aber nun keine Sorge sei, das Haar der Kameele und der edlen Ziegengattung, in diesem Lande, wie die zarte Wolle, welche Darkullas Bäume lieferten, bald in artige Stoffe verwandelt zu sehn, lag am Tage.

Deshalb bestand auch kein Gedanke daran, diese Leute einzukerkern, vielmehr wurden sie reichlich beschenkt, und Rath über die Mittel gepflogen, ihnen bald Werkstätten anzuweisen. Ihr sollt Gigi nicht vermissen, rief sie ihnen zu, und die Caffern waren vor Freude außer sich, da hartes Gefängniß, vielleicht ein noch schlimmeres Loos, alles war, was sie erwarteten.