Die Kammerherren klatschten so viel Beifall, daß ihnen schier die Hände erlahmt wären, und Flore meinte ihr Verfahren schon bei Kuku verantworten zu können. Im schlimmsten Falle athmete ja das Roth ihrer Lippen noch Zauber genug, für einen Prinzen aus Afrika.
Zu dem jüngeren Kaufmanne faßte sie viel Vertrauen. Er antwortete so gewandt, so schnell, so verständig über alles was sie ihn fragte, rieth mit so guter Ueberlegung, daß Flore ihm bald erklärte, sie habe noch keinen Muselmann von so vieler Geistesgegenwart gefunden.
Diese Artigkeit schien den jungen Osmann zu erschrecken, und er maaß seine Reden etwas langsamer ab. Bald aber wunderten ihn auch die Bemerkungen, die Kenntnisse, die verfeinerten Liebhabereien der Sultanin, und etwas vorlaut sagte er: es schiene unbegreiflich, daß ein Paar georgische oder zirkassische Sklavinnen, wie sie und Gigi, einen in dieser Weltgegend so unerhörten Reichthum an glücklichen Ideen zeigten. Hier gerieth Flore in einige Verlegenheit, und um sich ihr zu entwinden, sagte sie: ein griechischer Priester in Georgien habe ihr in manchen nützlichen Dingen Unterricht ertheilt.
Osmann nahm wieder das Wort. Erhabene Sultanin, es scheint die Zeit gekommen, die der Völker Finsterniß erhellen wird. Darum landete auch vom fernen Toulon ein Heer Franken am Nil.
Sehr eilig fragte Flore: Und wie ergeht es jetzt diesen Franken? Ich hörte davon.
Osmann erwiederte: Heldenmüthig fechten sie gegen der Mehrheit Wahn, indeß nur wenige Kluge des Landes ihnen Heil wünschen. Doch ein Werk der Art kömmt nicht gleich zu Stande. Schon genug, wenn die Bahn kräftig gebrochen wurde, sollte auch nur ein nachfolgendes Geschlecht vollenden.
Osmann, rief Flore, der Prophet segne dich. Du bist sein würdiger Anbeter. Ein Mann wie du thut mir Noth, in meinem glänzenden und beschwerlichen Amte. Mein Divan kennt nur Widerspruch. Andere Diener billigen was geschieht, doch ich fürchte, sie schmeicheln und verhehlen mir. Sei du Lenker des Kunstfleißes in Darkulla. Erscheine vor mir so oft du willst, und laß mich deinen Rath hören. Hehle mir nimmer Wahrheit, ich liebe sie, auch wenn sie bitter wäre. Erspähe die Gewohnheiten des Landes, so kannst du meinen Absichten desto mehr frommen.
Gerührt und edelsinnig dankte Osmann, und verhieß, mit Gefahr des Lebens ihren Beifall zu suchen. Darkullas Sitte, sprach er, ist mir nicht mehr fremd, da ich eine gute Zeit in Tatas Lager weilte. Auch von deinem Regiment, erhabene Sultanin, vernahm ich schon. Im Lager ging manches Gerücht umher, und die Einwohner deiner Hauptstadt, welche den Soldaten unserer Bedeckung entgegen kamen, sprachen viel davon.
Und was? fragte Nene gespannt.
Osmann stockte ein wenig.