Flore dachte bei sich: dieser Moslem urtheilt, als ob er in Paris geboren wäre, doch hütete sie sich, das zu sagen, vertheidigte noch ihren regsameren Gang, und entließ den Kaufmann.

Unterdessen aber war, ihr unbewußt, der schon lange glimmende Funke der Empörung furchtbar aufgelodert. Dem Volke war Kukus Wille bekannt, denn er hatte ihn vor den Soldaten nicht geheim gehalten, und diese den Einwohnern wieder davon erzählt. Welch ein allgemeiner Unwille nun, da die, welche in den Kerker sollten, mit Ehre und Geschenken überhäuft wurden! Man haßte sie mehr noch als jene Gefangenen, denen die Sultanin, ungehorsam gegen Kuku, das Leben ließ. Denn man erblickte die Werkzeuge der völligen Unterdrückung der alten Freiheit in ihnen. Fertigen diese erst, rief man, die gehässigen Kleider, müssen wir uns damit peinigen und schänden. Aber noch, als berathet ward, ob man sie rebellisch aufgreifen und einkerkern sollte, trabte der Eilbote auf dem Esel ohne Schweif weinend ins Stadtthor. Kuku ist geschlagen, ihr Bürger! jammerte er.

Dann müssen die Caffern sterben, rief alles, sie, um derentwillen das Blut von Darkulla fließt. Ergreift sie, thut des Sultans Willen! Noch fanden sich einige ruhigere Gemüther in der Menge und man war in Darkulla noch mit dem Gedanken an Möglichkeit der Empörung nicht vertraut. Also noch einiges Zaudern. Noch einige Mahnung, zu erwarten, was die Sultanin nun thun würde.

Sie stand an einem Pallastfenster, hörte den wilden Lärmen erst in der Ferne, dann wälzte sich hinter den Eilboten her, des Pöbels Gewühl.

Sie erschrack bei dem Anblick des Eilboten, und wurde heftig entrüstet durch des Pöbels Betragen. Niemand sah sie darunter, der nur eine geflochtene Schürze getragen hätte.

Der Eilbote hatte kein Palmblatt. Zu niedergeworfen berichtete er, sei Kuku gewesen, um schreiben zu können. Er werde das Nähere berichten. Vorerst nur soviel, daß Gigi in einer großen Schlacht Siegerin geblieben sei, Kuku lasse seinen Gruß entbieten, und an sein Verlangen mahnen.

Während Flore mit dem Schwarzen sprach, tobte die Menge unten: die Caffern nieder! Mustaphas und Osmanns Köpfe ins Lager! Gehorsam dem Sultan!

Nie hatte sie dergleichen gehört. Sie rief einen Kammerherrn, dem die Knie schlotterten und die Hände flogen. Hinaus, sprach sie, und gebiete in meinem Namen dem Volke, schnell auseinander zu fliehn, und demüthig zu erwarten, was ich beschließen werde.

Sie rang die Hände. Osmanns Kopf! Der Mann war ihr so lieb geworden, und nun die ganze Abneigung ihres Herzens gegen Grausamkeit! Bedauern des guten Kuku! Hohn des Volkes! Viel lag in diesem Augenblicke auf ihr.

Größerer Tumult. Sie eilt ans Fenster. Der Kammerherr will ihren Befehl verkünden, wird aber nicht gehört, oder vielmehr er kann vor Zittern nicht sprechen.