Ich gab natürlich auf diese Rede nichts. Doch nachdem es mir widerfuhr, daß ich mich in Isabellen verliebte, und sie dem Italiener Perotti, von dem sie werden gehört haben, streitig machte, fand sich dieser Imar wieder bei mir ein, Hülfe zu leisten. Er hatte, ohne daß ich es wußte, beobachtet, was mich beschäftigte. Ich brauchte Leute zur Ausführung meines Vorhabens, ließ mir also seinen Beistand gefallen, bot ihm ein Geschenk, wie Isabelle zu ihrem Vater gebracht war, und erklärte, daß ich seiner nicht mehr bedürfe.

Wer weiß, rief er, und sprang zur Thür hinaus.

Bald darauf verschwand Isabelle wieder, ich fand den Italiener, der sie aus des Consuls Wohnung geraubt hatte, gebunden im Keller, und fühlte selbst Mitleid bei seinem kläglichen Zustand. Die Mühe, Isabellen auszuforschen, war umsonst. Der Gram warf mich und ihren Vater aufs Krankenlager.

Wohl ein halbes Jahr darauf kam Imar wieder zu mir. Frank, sagte er, du bist nichtswürdig betrogen worden, ich dachte dir Freude zu bringen, aber der Prophet wollte nicht. Weine!

Da ich Erklärung verlangte, fuhr der Araber fort: Der ungläubige Hund, den du gebunden fandest, hat die schöne Sklavin selbst geraubt, ich ließ ihn mit meinen Freunden nicht aus den Augen, und nahm sie ihm bei Raschid wieder ab. Nun wollte ich sie dir bringen, denn immer bezahlte ich dir noch nicht, was, du in der Wüste an mir gethan hast. Aber die Begleiter, welche ich mir zu meiner That gewählt hatte, waren Schurken, sie wollten keinem Franken hold sein, und da ich bei der Rast ein wenig schlummerte, verkauften sie das Mädchen vorüberziehenden Sklavenhändlern.

Sie können denken, wie gespannt ich bei dieser Erzählung horchte, und wie gerührt ich bei dem dankbaren Sinn des Arabers war.

Er berichtete weiter: Da ich erwachte, waren die Begleiter entflohn, das Mädchen sah ich nicht mehr, wohl aber von fern den Staub von Kameelen. Ich ritt nach, fand eine kleine Caravane von Schwarzen und die Sklavin auf einem Kameele sitzend, hatte aber kein Geld, sie wieder loszukaufen. Ich eilte zum Vater. Du mußt mit der Caravane, sprach ich, verdinge dich als Knecht, damit du siehst, wo die Sklavin bleibt, und in allen Städten lasse bei dem Kiaschef Nachricht von dem Wege. Ich werde folgen, so bald ich Reisende niederwarf, und so viel Geld plünderte, um sie zu meinem Eigenthum zu machen. Der Alte, eingedenk deiner, war willig mitzugehn, und wären es Tausend Meilen. Ich legte mich denn in der Wüste auf die Lauer. Doch das Glück wollte mir nicht. Mehrere Monate vergingen, bis ich einen Wallfahrer, der nach Mecca gedachte, antraf, und der sich von seiner Begleitung entfernt hatte, um in einem Dorfe Früchte zu kaufen. Diesem raubte ich so viel ich brauchte, und schlug nun den Weg über Assiut ein, wo ich in den Ortschaften und bei den streifenden Beduinen immer Kundschaft vom Vater fand. Aber in Darfur hörte ich mit Entsetzen, die Sklavin sei ermordet. Ich kehrte zurück, dir das zu sagen. Weine aber nicht zu viel, denn es ziemt dem Manne nicht, und viel giebt es der schönen Sklavinnen. Baue darauf, ich bringe dir eine noch schönere.

Wie sie denken mögen, versank ich in den tiefsten Schmerz, ich verspottete Imars Anerbieten, und die Dankbarkeit eines Straßenräubers verlor mir allen Werth. Er sprang mit den Worten hinaus: so bezahle ich dich auf eine andere Weise.

Ich blieb bei Isabellens Vater, dem gebeugten Greis beizustehn. Wir vereinten unsere Handelsgeschäfte, erfuhren aber Unfall auf Unfall. Endlich steckte sein Reichthum sowohl, wie das, was ich an Vermögen erworben hatte, in einem großen Waarenlager, aus dem wir, nach den guten Bestellungen von Marseille, viel abzusetzen hofften. Allein die Engländer nahmen mehrere Schiffe in der mittelländischen See weg, und da die Franzosen nach Egypten kamen, übten die Einwohner Gewaltthat an uns, und der Rest des Magazins ging verloren. So sanken wir denn in Armuth, und es ward ein Glück für mich, den Commissär Ring bei der Armee wiederzufinden, denn er half mir in der tiefsten Verlegenheit mit Vorschüssen.

O er war immer brav, unterbrach Flore den Erzähler.