B. Es würde meinen Dank fordern.

A. Zuerst stählen sie ihr Gefühl ja gegen eine Beleidigung, die ihnen unfehlbar widerfährt, und die um so tiefer verwundet, als die ersten Erwartungen poetisch sind.

B. Die wäre?

A. Nichtachtung. Sie vollendeten ein Manuskript und suchen nun einen Verleger, der es der Lesewelt gedruckt in die Hände geben soll. Sie schreiben dem Manne, oder suchen ihn in seinem Comtoir auf. In beiden Fällen wird ihm ihr unbekannter Name ein Anstoß. Er hat sich gewöhnt, den Namen als ein Simbol der geringeren oder besseren Gangbarkeit der Werke anzusehn. Mit dem Neuling hat er nicht gern etwas zu schaffen, da er dann fürchten muß, das Unvollkommene auf den Markt zu bringen. Er liest nun entweder, oder hat einen Literaten seiner Bekanntschaft, der ihn der Mühe überhebt. Auch dieser theilt das Vorurtheil. Haben die in ihrem Werke enthaltenen Gedanken Aehnlichkeit mit schon ausgesprochenen, (was der Vielbelesene bald ausfindig macht), so gelten sie ein Nachahmer, und man erinnert sich, daß schon Horaz da ein Verdammungsurtheil fällte. Weicht der Inhalt ihres Werkes ab, so mißversteht man ihn, oder faßt nicht, wie doch der Anfänger schon eine ganz eigne Bahn zu wandeln, sich vermessen kann. Zweifelhaft in jedem Fall, hält man für das rathsamste, mit einem höflichen Ablehnungsschreiben ihr Produkt zurückzusenden. Das wird sich bei mehreren Versuchen wiederholen.

B. Ermüde ich nicht, gelingt doch wohl einer.

A. Und wenn das geschieht, dringt das Vorurtheil erst mit der größeren Kraft auf das neue Beginnen ein. Die auf der Messe versammelten Buchhändler gewinnen kein Zutrauen gegen den neuen Autor, nehmen wenig oder nichts, wollen erst Rezensionen abwarten, und thun Recht daran, indem sie wissen, daß von ihren Bekannten niemand gerne das Buch eines Schriftstellers kauft, von dem er noch nichts hörte. Selbst Leihbibliotheken greifen nicht willig zu, weil sie aus Erfahrung wissen, daß ihre Leser nach den Namen wählen. Die kritischen Blätter haben die vorzüglichste Aufmerksamkeit, den Werken gerühmter oder schon früher getadelter Männer zugewendet, es währt lange, bis man über ihr Buch etwas sagt, wenn es nicht ganz übergangen wird. Der Rezensent, dem es in die Hände fällt, wird vielleicht ohne Interesse flüchtig übersehn, wegwerfend absprechen, oder ein frostig Lob, nicht besser als Tadel, hinspenden. Ihr Buch bleibt dem Verleger auf dem Lager, das wird andern bekannt, und das Zweitemal erreichen sie noch schwieriger ihre Absicht.

B. Das heißt, mit ihrer Erlaubniß, alles in Schatten stellen. Sollte die Güte des Buches an sich, ihm nicht selbst eine Bahn brechen?

A. Glauben sie es meiner Erfahrung, manches gute Werk liegt ungewürdigt in den Buchläden, während Hundert mittelmäßige, frivole, schädliche Ephemeren Leser finden, oft sogar verschlungen werden.

B. Wo soll man aber die Ursache dieser befremdenden Erscheinung aufsuchen?

A. In den Ansichten der Menge, im Intriguengeist vieler Autoren, in der Partheilichkeit öffentlicher Geschmacksrichter.