B. Daß in der Menge nicht auf Einheit der Ansichten zu bauen ist, begreife ich wohl, wie aber kann die Gewandtheit der Autoren auf diese Menge einwirken?
A. Daß sie davon nichts wissen, nichts ahnen, verbürgt ihnen eben kein hohes Gedeihen. Ein Schriftsteller höfelt Männern von Bedeutung und Einfluß. Diese lassen sich bewegen, seinen oberflächlichen Blick in ihre Werke zu thun, rühmen, das pflanzt sich weiter, und der Ton will, daß das Werk gelesen werde. Oft wird auf diese Art selbst der Kunstrichter mit bestochen. Ein anderer schickt kritischen Autoren seine Werke mit schmeichelhaften Bitten, ihrer in Güte zu gedenken, ein, und ihm wird ein casus pro amico. Oder auch, was immer gebräuchlicher wird, sie rezensiren unter der Hand selbst, und rühmen die eignen Kinder nicht stiefväterlich. Die prunkenden Anzeigen in den Intelligenzblättern rühren gar oft von den Verfassern her, denen selbst die Kaufmannssprache ihrer Verleger zu kühl ist. Andere wissen irgend etwas vom Zeitgeschmack beizumischen, wodurch schlechte Waare blankgeputzt wird, sie verschmähen nicht sittenlose Wendungen, nicht hämische Ausfälle auf bedeutende Männer, kurz, auch nicht das Verworfene, um nur ihr Ziel zu umarmen. Haben sie Lust diese Wege einzuschlagen, so gebe ich mehr Hoffnung.
B. Nicht Einen davon, nicht Einen! Müßt ich mich nicht verachten? — Nein, doch von fortgesetztem Fleiß, von fester Beharrlichkeit hoffe ich viel. Endlich denke ich durchzudringen, endlich bemerkt zu werden.
A. O, wenn sie erst bemerkt werden, dann kömmt ein neuer, und viel schlimmerer Kampf, wie der gegen die Kälte. Ueberall giebt es Blätter, deren Existenz auf Nachrichten aus der gelehrten Welt gebaut ist. Man will gern hohen Ton zeigen, absprechen. Sie haben in ihrer Bekanntschaft Autoren, die keinen eignen Stoff in ihrer Talentarmuth aufzubringen wissen, diese schwängern sich, so zu sagen, aus neuen Werken, und reden über die Erscheinung mit eben daraus geschöpften Ideen. Dies sind besonders die Männer der Journale, weil Zeitungen auszuspähn, ihre Sache ist. Einen im Kaffeehause gehörten Witz bringen sie bei der Gelegenheit selbst an, um witzig zu scheinen, erlangen auch wohl auf diese Art den Zweck, mit der fremden Feder zu glänzen, denn das ganze Lesepublikum konnte doch nicht auf dem Kaffeehause sein. Diese sind zugleich neidisch wie ein gewisses Thier, das man wegen des nicht wohlklingenden Namens, ungern nennt. Sie werden es ihnen nimmer verzeihen, wenn sie ihr Bekannter, und doch geschätzt sind. Von diesen Leuten gilt genau, was der Spötter Swift sagte:
Fortuna spende deine Gaben,
Mit vollen Händen meinem Feinde,
Nur aber meinem Freunde nicht,
Das eine ist mir noch erträglich,
Das andre macht vor Neid mich bersten.
Sind sie gleich nicht ihr Freund, waren sie doch einmal auf dem Kaffeehause mit ihnen. Das Wort Freund ist ja schon lange ein Universaltitel. Zu *** legte ein junger Kunst- und Indüstrie-Komtorist eine Art Bücherkasino an. Er begegnete bei dieser Gelegenheit dem würdigen Kapellmeister *** auf der Treppe in irgend einem Hause. Nach dem gewöhnlichen Complimentenwechsel fragte er ihn höflich: Ob er ihm nicht in musikalischen Angelegenheiten, mit Rath an die Hand zu gehn, die Gewogenheit haben wollte? Herr *** immer artig, erwiederte: mir Vergnügen, so weit ich es im Stande bin. Was würde auch ein gefälliger Mann anders haben antworten können? Nun ließ der Kunst- und Indüstrie-Comtorist neben andern, mit Posaunen, Orgeln, Kanonen und Karthaunen begleiteten Zeitungsankündigungen auch sich vernehmen: „Mein Freund *** wird mich ebenfalls unterstützen.“ Genug, diese Männlein werden beginnen, sie zu necken, und oft bitter, unartig, pöbelhaft, denn das gilt manchen Leuten kurz und kräftig.