B. Darum bekümmert man sich nicht.
A. Ach mit der Großmuth ist hier nichts auszurichten. Eiserne Stirnen fühlen ihre glühenden Kohlen nicht, die Männlein glauben, sie ermangelten der Kraft in ihrer Feder, und witzeln aufs Neue. Wie lachte nicht der neue Herausgeber des Freimüthigen, der gern witzig wäre wie sein Vorgänger, aber von dessen Ader wenig in bonis hat, als er den braven Schütz (der gar kein Mann ist, wie der Herausgeber des neuen Freimüthigen, sondern ein Gelehrter) der seine Teutona zu einer ungünstigen Zeit begonnen hatte, bescheiden auf seinen lieblosen Sarcasmus antworten sah. Nein, es geht mit dem Schweigen nicht wohl, das sahen ja Schiller und Göthe ein, wie sie die Xenien ausschleuderten, Kotzebue, wie er so manches bittre Pamphlet erließ, manche derbe Satyre in seine Stücke verwebte; Nikolai und andere, welche auch den Sanscülotten in der Gelehrtenrepublik antworteten. Denn es giebt immer einen Theil im Publikum, (mögte es ein kleiner sein) der dem Drukke glaubt, und von dem leider die ziemlich unfeine Bemerkung in den Expektorationen gelten kann:
Nennt mir doch nicht das Publikum,
Es ist geduldig, fromm und dumm,
Mit eignem Urtheil befaßt sichs nicht
Es schnattert nach, was ein andrer spricht.
Sie antworten also. Glauben den Aufwand einer witzigen Pointe sei der Handel wohl werth, und meinen, da sie sie ausspendeten, den naseweisen Mann abgefertigt zu haben. Aber nun gewinnt er, der immer an Stoff Verarmte, ja mit Einemmale neue Materie, über die er sich, plump oder gewandt, fertig oder elend ergießen kann. Vermag er nichts im bravgeführten Streite, im interessanten Federkampf wider sie, so verläßt er sich auf Geschrei, auf Grobheit, auf Personalität, auf das letzte Wort, von dem er nicht abgeht. Bei allem guten Selbstgefühl, bei aller Rechtlichkeit, aller überlegenen Kraft, kann es doch nicht ausbleiben, daß sie sich nicht schwer gekränkt fühlen. Und wie verdrießlich ist überhaupt so ein Kampf.
B. Aber wird denn unter den Schriftstellern nimmer ein edler Ton — —
A. Ein edler Ton? Wo sollte der erlernt, beliebt worden sein? Magister X. vor seinen Schulbänken, wo es jeder Augenblick erheischt, ungezogne Knaben mit Schärfe zu leiten, wo soll ihm die Gefühlsfeinheit erzogen sein? Etwa früher an des Vaters Werkstatt, der ein ehrsamer Schneider war? Der Kanzelist Y. der entweder bei seinen Akten schwitzte, oder dann sich in den Wirthshäusern umhertrieb, wo hätte ihm die Göttin des guten Geschmacks gelächelt? Der sogenannte privatisirende Gelehrte Z., der als Musketier in den Wachtstuben die Entdeckung machte, er würde auch schreiben können, weil die Soldaten gern anhörten, was er aus dem eben gelesenen Roman erzählte, und mit seiner Erfindung aufstutzte, was haben mit dem die Grazien zu thun? und mit alle diesen Männern gerathen sie in Verbindung. Grade mit diesen am ersten. Von den ehrenvollen Ausnahmen ist hier nicht die Rede.
B. In der That! was sie alles sagen, lockt wenig an.