A. So ists, junger Freund, so ists! Und das wird noch schlimmer werden, indem sie ihre Laufbahn verfolgen, denn seit zwanzig Jahren machte das Uebel auf dem Parnaß Riesenschritte, und woher ließe sich erwarten, daß es erlahmen sollte? Vollen Ernstes glaub ich, daß kein wahrer Ruhm in Deutschland zu erlangen sei. Alles zerfiel in Partheiwuth, alles ward breit tadelsüchtig und anmaßend. Denken sie an das Schicksal von Kant. Wer wird diesem Manne ein gigantisches Genie absprechen? Ich wünschte, sie schlügen alte kritische Blätter nach und sie fänden dann, wie unwürdig der Mann von uns behandelt worden ist. Späterhin gab es nun wieder ein Geschrei, welches so verzerrt war, daß es ihm selbst nicht gefallen konnte. Wie lange aber, da hieß er in Jena ein alter Schwätzer? Zweige brachen sie von seinem großen Stamm, steckten sie in die Erde, da wurde wieder ein Baum, und der Pflanzer rühmte sich Schöpfer. Wer jetzt noch eine Vorlesung über Kant ankündigt, wird ausgezischt. Denken sie an Kotzebue. In so vielen Laufbahnen er sich versuchte, in so vielen glänzte er. Sie besuchen sein Trauerspiel, und werden weinen. Sein Lustspiel läßt sie beinahe vom Lachen nicht ausruhen. Jeder kleine Aufsatz des Mannes überrascht sie durch ein nicht geahntes Interesse. Der Name Kotzebue auf dem Titel, ist Simbol des Genies. Das fühlt jeder, wer aber birgt den Muth, es zu sagen? So lange haben ihn Zoilus Jünger geschmäht, bis es Ton geworden ist, keinen Geschmack mehr an Kotzebue zu finden. Nein, mein junger Freund, wir sind keine Franzosen, die nach Hundert und funfzig Jahren noch mit Entzücken Racine’s und Moliere’s Meisterwerke sehn, ihren Rousseau fortlieben, ihren Rochefoucault immer wieder auflegen. Nur mit Modeschneidertalent kann man bei uns einmal in die Höhe schäumen, wenn man den Schnitt der literären Mode trifft, aber so gewiß der Modeschneider nach wenigen Jahren von der eleganten Welt verlacht wird, trifft den Autor das nämliche Geschick. — Ueber den Punkt des Gewinnes sage ich ihnen nichts, da mögen ihre Erfahrungen reden, und sie werden nicht erfreulich sein.
B. Wahrlich, wäre meine Bedienung besser —
A. Wie, sie wünschen Verbesserung des Amtes und wollen schreiben? Bedenken sie nicht, wie verhaßt sie sich dem Minister machen werden?
B. Ei warum?
A. Wo sahn sie einen Minister bei uns, der den Autor geschätzt hätte? Selbst wenn er in Dedikationen wie ein Bologneser kroch, wurde er verachtet. Machen sie sich gefaßt, ewig auf ihrer Stelle zu bleiben, auf Chikanen, Vorwürfe, bei einem geringen Fehler.
B. Mein Minister ist ein aufgeklärter Mann.
A. Das ist er nicht, sonst würde er ihr Genie nützen.
B. Zum Henker mit der Autorschaft!
Ende des ersten Theils.
Anmerkungen zur Transkription