Trostlos berathete dieser mit seinem Diener, was hier anzufangen sei.

Das Haus hatte nach morgenländischer Sitte keine Wohnzimmer vorne heraus, es bestand also nicht einmal die Hoffnung, die Schöne im Vorübergehn zu erblicken, weit weniger ihr ein Billet zuzuwenden. Ins Haus zu gelangen, das war ein Problem, welches er vollends nicht zu lösen wußte. Wie die Eifersucht ihn unter solchen Umständen quälte, fühlt auch jedermann.

Indessen hatte man sich genau um das Treiben des Signor Perotti erkundigt, und Michelet, des Franzosen verschlagener Diener, entwarf einen Plan, seinen Herrn zu dem Mädchen zu bringen, es koste was es wolle.

Er begab sich nach des Italieners Wohnung, und pochte an. Der Herr erschien vor der Thür, nachdem er das Haus vorsichtig wieder geschlossen hatte, und fragte nach des Fremden Begehren. Dieser vertraute ihm geheimnißvoll, er habe sich in eine der Pyramiden von Gizah gewagt, und sei mittelst der mühvollen Hinwegwälzung eines großen Steines tiefer eingedrungen als wohl noch jemand zuvor. Hier habe er eine kostbare ganz unversehrte Mumie gefunden, und sie bei Nacht, und unter vielen Gefahren nach Cairo geschafft. Wenn Signor Perotti Lust habe, könne er sie kaufen.

Dieser war gleich dazu geneigt, und fragte: wo er die Seltenheit sehen könne? Bei mir nicht, antwortete Michelet, da würde es Verdacht erwecken, und ich würde um die Entwendung bestraft. Da aber in eurer Wohnung kein Eingeborner lebt, so können wir dort alles ordnen, und ich bin bereit, diesen Abend die Mumie in ihrem Sarge zu euch zu bringen. Zwei vertraute Landsleute sind mir behülflich.

Der Italiener, in Hoffnung großer Vortheile, war es zufrieden, und erklärte, daß er ihn am Abend erwarten werde.

Nun ward ein Mumiensarg, deren es in Cairo viele giebt, angeschafft, und wie der Leser wohl schon erwarten mag, der junge Franzose hineingepackt. Liebe, und Intriguengeist ermannten ihn, das Abentheuer zu bestehn, und die Qual der beengten Lage zu dulden. Viele Luftlöcher sicherten ihn gegen Erstickung.

Es war Abend, Michelet und einige Bekannten trugen die Last an den Ort ihrer Bestimmung. Signor Perotti, ließ nur den Ersteren mit ein, und trug sammt ihm den schweren Sarg in eine Kammer mit Gitterfenstern. Eben sollte er nun geöffnet, und die Mumie geprüft werden, als es draußen mit großem Getöse an die Hausthür pochte. Der Italiener ging mit Michelet aus der Kammer, verschloß sie, und fragte: wer sich am Hause befände? Diener vom Bei des Quartiers, lautete die Antwort. Man mußte öffnen. Zwei Mamelucken standen da, und forderten, daß der Frank unverzüglich zu ihrem Herrn käme. Gegen solchen Befehl gilt im Morgenlande keine Einwendung, Signor Perotti beschied also den Mumienverkäufer nach einigen Stunden wieder, schärfte seinem Bedienten Wachsamkeit ein, versah die Hausthür noch mit einem überflüssigen Vorhängeschloß, und folgte den Mammelucken.

Der junge Franzos öffnete nun sein ängstliches Behälter, und stieg leise hinaus. Dunkel war die Kammer, das Fenster wohl verwahrt. Aber Liebesritter versehn sich auf solche Fälle. Eine Quantität Scheidewasser und eine scharfe Feile setzten ihn in Stand, durchs Fenster sich Raum zu verschaffen.

Freilich konnte das nicht ohne Geräusch vollzogen werden. Doch jener Bediente des Signor Perotti, der einen Sarg hatte ins Haus tragen sehn, und nun das Bewegen und Klirren vernahm, ward furchtsam, und wagte nicht nach dem Fenster zu eilen. Er wollte aus dem Hause, hinter seinen Herrn laufen, und diesem berichten, was vorging, doch die Thür war zu.