In dieser Angst schloß er das Zimmer Isabellens auf, (gegen ihn, da er alt war, argwohnte der Italiener nicht) und begehrte von ihr, sie sollte mit ihm in den Hof kommen, damit er jemand bei sich hätte, und Muth behielt.

Natürlich fragte Isabelle: was es gäbe? Entweder ward die Mumie lebendig, oder in dem Sarge steckt ein Dieb, erwiederte Antonio.

Es war, als ob Isabellen etwas ahnte, und sie ging um so williger nach, als ihr die Freiheit willkommen war, ihr Zimmer verlassen zu können, denn bisher war sie immer eng eingesperrt gewesen.

Man kam in den Hof, und hörte die Feile. Isabelle nahte dem Fenster, weil Antonio noch nicht dazu sich bewegen ließ. Der Franzose inwendig, indem er wahrnahm, daß von Außen jemand heranschlich, sah sich verrathen, und versuchte, was eine Geldsumme bewirken mögte. Er sagte leis: Hundert Piaster sind zu gewinnen, so ihr mich zu der Sklavin lasset.

Isabelle erkannte augenblicklich die Stimme des liebenswürdigen jungen Mannes wieder, der so theilnehmend herangetreten war, als sie neulich verhandelt worden. Besonnen flüsterte sie dem bebenden Diener zu: Hier ist ein Räuber, eile auf mein Zimmer, da wirst du einen Dolch finden, bringe ihn schnell hieher.

Antonio stolperte davon, kaum war er aber auf des Mädchens Zimmer angelangt, als dieses hinter ihm verriegelt wurde, denn Isabelle war nachgeeilt.

Jetzt kam sie wieder vor jenem Gitter an, und fragte: was das heimliche Beginnen deute? Der Franzos hörte die Mädchenstimme froh überrascht, und vernahm auch bald, daß die, welche sein leidenschaftlicher Ungestüm suchte, ihm nahe sei. Er malte ihr mit den glühendsten Farben, seine Liebe, und bat sie, mit ihm davon zu eilen. Eben hatte er auch einige Eisenstäbe weggebracht, und konnte sich in den Hof hinausschwingen.

In starrer Verwunderung weilte das Mädchen; ihr Abscheu vor dem Italiener siegte aber gleich über die Bedenklichkeiten, und sie fragte schon, wie eine Flucht möglich sei? Zugleich berichtete sie, daß der einzig im Hause vorhandne Diener in ihrem Zimmer verriegelt wäre.

Die Beiden hatten nun immer Spielraum gewonnen; die Treppe nach dem Dache ward gesucht, das Schloß daran mit Gewalt zerstört, und der Franzos stieg mit Isabellen hinauf. Es war platt, wie in ganz Cairo der Gebrauch besteht. Nun gab er ein Zeichen, das unten von der Gasse beantwortet wurde. Eine Strickleiter ward mit einer Stange dargereicht, der Franzos befestigte sie, und ließ mit Hülfe Michelets, Isabellen und sich hinab.

Zuvor hatte er aber noch Tausend Piaster auf den Mumiensarg gelegt, und daneben geschrieben: Französische Intrigue.