Nun war guter Rath theuer. Flore hatte nie etwas von den Karavansereien in Arabien gehört. Doch forderte sie ihr Glück heraus, und antwortete: In der, wo das Bild des Engel Gabriel an der Thür hängt.

Ein gewaltiger Verstoß. Die Türken ehren den Engel Gabriel, aber dürfen kein Bild von ihm malen. Schon die gebrochene Sprache hatte Argwohn erregt, jetzt stieg er doppelt auf. Flore, die das sah, fing lachend an, ich habe beschlossen meinen Wirth nie zu nennen, denn loben kann ich ihn nicht, und tadeln mag ich nichts, was mir auf der frommen Reise zu Gesicht kam. Lebt wohl ihr Herren!

Nun kann aber kein Ordensritter, wärs auch einer des St. Joachim, entrüsteter seyn, wenn ein Ungeweihter die Zeichen trägt, wie ein muselmännischer Geistlicher, dem die grüne Farbe mit Unrecht getragen, aufstößt. Nicht ganz sanft, zog er Floren am Arm zurück, faßte dann an den Turban, und rief: Du sollst zur Stelle bekennen, ob du dieses Hauptschmuckes würdig bist!

Der Turban war etwas weit, und fiel herunter. Die langen, mit Mühe unter ihm verborgenen Haare fielen in wallenden Locken nieder. Hätte sie die Vorsicht gehabt, den Kopf nach Landesgebrauch zu scheeren, so wäre es vielleicht noch möglich gewesen, dem Ungemach zu entfliehn. Ein glücklicher Einfall, kecke Gewandtheit, und die Muselmänner wären gefoppt zurück geblieben. Aber wer kann von einem Frauenzimmer, das sich schöner Haare bewußt ist, so ein Opfer erwarten!

Das Haar war entscheidend. Ein Frank, ein Ungläubiger trägt einen grünen Turban! Rächt den Propheten, ihr frommen Männer! schrie der Imam Einmal über das andere, und bald war das Haus mit Leuten erfüllt. Man schleppte Floren zum Kiaschef.

Dieser ließ sogleich eine Bank hersetzen, und gebot zwei mit kleinen Stäben versehenen Dienern, dem Hunde vorerst Tausend Streiche auf die Fußsohlen zu geben.

Flore schauderte, drängte sich aber an den Imam heran, und flisterte ihm ins Ohr: ich schenke deiner Moschee alle Edelsteine, die der Turban enthält, rette mich aus der Noth!

Der Imam griff nach dem Turban, den Flore in der Hand mit fortgetragen hatte, und seine Schwere bewegte ihn.

So du gleich versprichst, ein Moslem zu werden, rief er, soll das Vergehen der Unwissenheit dir erlassen seyn. Der Richter stimmte bei, denn dem Geistlichen gebührt in Religionsangelegenheiten das entscheidente Worte, und Flore, vor der Bank und den Stäben zitternd, schrie: Gern gern! Darum eben kam ich nach Egyptenland.

Zweites Kapitel.
Der Derwisch im Gebürge.