Doppeltt dreifach übel war der Zustand der Armen nun. Kein Geld, um irgend ein Bedürfniß zu kaufen, kein Gewehr, um sich im Nothfall zu vertheidigen. Wie verwünschte sie den grünen Turban, der sie um beides gebracht hatte!
Drittes Capitel.
Das Gefecht.
Sie wußte selbst nicht, wohin sie ihren Weg nahm, und dachte erst am Morgen mittelst der Niederung des Stromes ihre Richtung zu finden. Dann wollte sie zurück nach Scheik Abade gehn, um aus den Trümmern eine andere Ladung Kostbarkeiten zu holen.
Gegen Morgen aber vernahm sie einige einzelne Schüsse, denen gleich mehrere folgten. Bald nahm das Feuer beträchtlich zu. Mit horchendem Ohr lauschte die Pariserin, und dachte entzückt, hier müßten die Europäer nahe sein. Sie hatte ohnehin gehört, daß ein geschlagener Bei in diesen Gegenden nach und nach wieder einige Truppen gesammelt habe, um die einzelnen Posten der Franzosen anzufallen.
Den Schweitzer entzückt in der Fremde des Kuhreigens Melodie, den Venetianer ein Gondoliererlied, Floren der Knall französischer Flinten. Gleich war ihr Entschluß gefaßt, um jeden Preis die Landsleute aufzusuchen.
Sie beflügelte die Schritte nach der Gegend zu, wo das Kampfgetöse sich vernehmen ließ. Doch befand sie sich auf der Seite, wo die Mammelukken schwärmten, die auch einige Schützen zu Fuße im Gebirge fechten ließen. Sie wollte die Stellung umgehn, wurde aber bald bemerkt und angehalten. „Gebt mir Waffen“, rief sie, „gebt mir Waffen, daß ich wider die Ungläubigen streiten helfe!“
Die türkischen Schützen nahmen das wohl auf, brachten das Gewehr und den Pulvervorrath eines Getödteten herbei, und stellten sie neben sich in eine Felsschluft, die vertheidigt wurde. Drüben rückten hitzig kleine Jägertrupps an, in der wohlbekannten Uniform. Florens Herz klopfte. Hoch richtete sie ihre Schüsse, um keinen davon zu verletzen. Dagegen flogen jener Kugeln dicht bei ihr vorbei, das einzige landsmännische, was ihr nicht gefiel.
Nicht lange aber, so liefen die Jäger Sturm auf den engen Weg, und die Morgenländer fanden für gut, sich auf die Flucht zu begeben. Nun warf sich ihr junger Rekrut nieder, als ob er getödtet sei, und sie bekümmerten sich weiter nicht um ihn. Kaum waren sie Hundert Schritte entfernt, als den Verfolgern auf französisch zugerufen ward, sie mögten ja nicht in der Uebereilung französisches Blut vergießen.
Sie waren nicht wenig befremdet, Flore aber fuhr fort: Laßt nur nicht ab, die Feinde zu verfolgen, ich helfe wakker, meinen Roman sollt ihr gelegentlich hören. Sie machte nun tapfer, wie eine Jeanne d’Arc oder d’Eon das Gefecht mit, und traf mehrere Feinde. Der Tag gehörte, wie gewöhnlich, den Franzosen.
Zu Florens größter Freude hatte der Kampf sich nach der Gegend des Dorfes gewendet, wo die Moschee stand, zu welcher jener Imam gehörte. Es kostete wenig Mühe, einige Jäger zu bereden, daß sie Floren zu dem Priester begleiteten. Er wollte eben entfliehen, wurde aber noch ergriffen. Mein Geld, edler Eiferer für den wahren Glauben! rief Flore. Der Imam gerieth außer sich vor Schrecken und Befremdung. Er leugnete den Besitz, gab vor, alles entfernt zu haben, da aber im Kriege noch nicht die peinliche Frage ganz abgeschafft ist, so fand man bald Mittel, ihn zum Geständniß zu bringen. Er zeigte einen Fleck des Gartens an, aus welchem man den Gürtel mit allen Goldstücken, und den mit Edelsteinen gefüllten Turban grub.