Die Nachricht konnte wenig freudige Hoffnung erwecken. Indessen, sollte es einmal Sklaverei sein, so war es immer als Sultansfavorite die bessere.

Während der ersten Tage dieser Reise, entwarf Flore noch manchen Plan zur Flucht. Sie sah wohl ein, daß sie gegen den Kaufmann sich nichts von ihren Juweelen und ihrem Gelde dürfe merken lassen, wenn sie nicht sogleich wollte beraubt sein. Es war sogar wie ein seltenes Glück anzusehn, daß noch keine Entdekkung statt gefunden hatte. Dagegen aber hielt es Flore für möglich, einen der Kameeltreiber zu bestechen. Sie meinte, ein solcher könne ihr wohl in der Nacht, wenn Musa schliefe, behülflich werden, davon zu kommen. Doch sah sie auch bald die Nichtigkeit dieses Gedankens ein. Denn der Dschelab war nicht nur sehr vorsichtig, sondern sie konnte auch mit keinem der Leute ein Gespräch anknüpfen, da jeder von ihnen nur seine Negersprache verstand. Es galt also vollkommene Ergebung.

Flore dachte, bin ich denn einmal zu den seltsamsten Begebenheiten ausersehn, so treffe mich was da wolle. Standhaftigkeit trägt alles, und Verstand lindert wenigstens viele Uebel, wenn er sie auch nicht zu heben weiß.

Von großer Wichtigkeit schien es ihr, etwas von der Sprache dieser Neger zu erlernen. Die raschen Fortschritte, welche sie vor kurzem in Cairo gemacht hatte, gaben ihr Muth, die neue Schwierigkeit zu bekämpfen, und die Langeweile in der Wüste wurde sowohl getödtet, wie ihr Schmerz übertäubt, wenn sie die meiste Zeit auf diese Beschäftigung verwandte.

Musa zeigte sich willig, ihr alle Worte, die sie auf arabisch nannte, in seine Mundart zu übersetzen. Sie schrieb sie in ihr Taschenbuch, und behielt bei ihrem glücklichen Gedächtniß bald eine Menge derselben. Dann merkte sie genau auf die Reden der Fremden, um die Wendungen und Fügungen aufzufassen und erbeutete sich so eine kleine Grammatik. Nicht lange, so versuchte sie selbst mehr und mehr Antheil an der Unterhaltung.

Die Caravane zog nun in der großen Wüste, durch die der Weg nach dem Negerkönigreiche Darfur geht. Gewöhnlich lagerte man in einem großen Haufen. Das gab dann ein Schauspiel bunter Art. Hunderte von Kameelen und Dromedaren, ihrer Ladung entbürdet, die sich in den Sand niedergelegt hatten, und ihr dürftig Futter käuten. Einige wenige aufgeschlagene Zelte, desto mehr auf die Erde gebreitete Teppiche. Die Dschelabs gravitätisch ihre Pfeifen schmauchend, die Sklaven mit Steinen in der Hand, auf welchen sie etwas Getreide zerrieben, um sich eine Art Kuchen daraus zu bereiten. Auch die Kaufleute führten nur schlechte Lebensmittel bei sich, und Musa legte einen Werth darauf, daß Flore mit etwas Caffee bewirthet wurde. Oft dachte sie an die Fülle in jenem Mammelukkenlager, noch öfter an die Villa ihres reichen Beis zurück. Bei dem allen gewährten ihr die vielen neuen Gegenstände Unterhaltung, und sie dachte: überstände ich das alles nur, und könnte einst meinen Freunden in Paris davon erzählen, so würde mir es dann gewiß lieb sein, so Vielerlei gesehn zu haben.

Denselben Gedanken hat ein Passagier, der zum Erstenmale über See fährt, und gefährlichen Sturm erlebt. Bin ich nur erst wieder an der heimathlichen Küste, will ich mich der Erinnerung an diese Schrecken wohl erfreun.

Bei einer solchen Rast erblickte Flore, mächtig befremdet, unter dem schwarzen Gewimmel, ein bräunliches und ein weißes Antlitz. Das letztere fesselte um so mehr ihre Aufmerksamkeit, weil sie einen Landsmann vermuthete. In der Tiefe Afrikas ist der Europäer schon ein willkommener Landsmann. Und einen solchen glaubte sie im Betragen des Weissen zu erkennen.

Sie bat Musa, ihn doch zu sich zu rufen. Er versagte es nicht, und der Weisse kam. In französischer Sprache wurde er angeredet, und antwortete auch darin. Flore fragte: ob er auch so unglücklich wäre, zur Sklaverei verkauft zu sein? Keineswegs, entgegnete der Andere, ich reise mit guten Pässen, und kräftigen Empfehlungen.

Um des Himmels Willen, rief Flore, wie kann sich ein Europäer entschließen, freiwillig diese Gegenden zu durchziehn?