Hier hier, vor dir, schrie Ibrahim, in den Mannskleidern. Sie meint wir halten sie für kein Weib, und wußten es schon lange daheim.

Flore hatte ihre Edelsteine aus Vorsorge wieder in der Mütze verwahrt, und den Gürtel mit den in Scheik Abade gefundenen Dukaten gefüllt. Mag das Kameel mit seiner Ladung verloren gehn, dachte sie, die Wüste ist zu Ende, ich versuche die Flucht. Aus allen Kräften trieb sie daher, mit der Schärfe des breiten Steigbügels, die von den Morgenländern als Sporn gebraucht wird, ihr Pferd an, und eilte vorwärts. Allein die Mammelukken machten förmlich Jagd auf sie. Einer setzte in grader Richtung, noch zweie rechts und links, um sie, wenn sie den Weg veränderte, zu haschen, sie waren dazu bessere Reuter, und so hatten sie die Arme nach Tausend Schritten bereits eingeholt. Man bemächtigte sich ihrer Zügel, und brachte sie mit schadenfrohem Gelächter zu dem Dschelab (Kaufmann) zurück.

Der Bei wird euch Hunde würgen lassen, schrie die halb Ohnmächtige vergebens. Musa, so hieß der Neger, besah sie aufmerksam, und setzte ihre Schönheit herab, während die Verkäufer sie erhoben. Man gab ihr den Befehl, sich zu entkleiden und legte auf ihre Weigerung selbst Hand an. Nun, dachte sie, vielleicht erhalte ich mir Mütze und Gürtel, wenn sie nicht berührt werden, und entschloß sich zu der demüthigenden Handlung. Musa konnte nichts weiter tadeln, und man war bald um den Preis einig.

Die Mammelukken wollten ihr noch die Kleider nehmen. Wie, rief sie, gnügt euch nicht an dem Kameele, dem Pferde, ehe ich entblößt die Reise mache, sterbe ich den Hungertod. Laßt ihr was sie trägt, sprach Musa, und der Handel war geschlossen.

So trauerte Joseph einst unter seinen verrätherischen Brüdern, wie jetzt Flore.

Sie mußte ein Dromedar besteigen, zwischen dessen beiden Erhöhungen des Rükkens, Musa ihr einen bequemen Sitz bereitete. Die Mammelukken setzten den Weg nach ihren Absichten fort.

Neuntes Kapitel.
Flora unter den Sklavenhändlern.

Musa eilte nun, den großen Zug wieder zu erreichen, und das unbeholfene Traben des plumpen Dromedars fügte zu den Seelenleiden unsrer unglücklichen Abentheurerin noch körperliche. Wer beschreibt ihre Qual, ihre Angst, ihre Verzweiflung!

Musa erwies sich aber, wie die Mammelukken entfernt waren, ganz artig gegen sie, und trug Sorge, sie mit Nahrung zu versehn. Diese Sorge hatte freilich nicht mehr moralischen Werth, wie der Geitz eines Kaufmanns, der seine Waare nicht will verderben sehn, aber doch empfand Flore den augenblicklichen Vortheil davon. Und gab es einen Trost in dieser neuen peinlichen Lage, so war es der, daß Musa ein wenig arabisch sprach, Flore sich also mit ihm unterreden konnte.

Daß ihre Hauptfrage war: was er denn mit ihr zu beginnen gedächte? versteht sich von selbst. Musa erwiederte: An Niemand verkauf ich dich, wie an einen Sultan, und ich denke, du sollst mir meine vergebliche Reise bezahlt machen. Flora schwamm in Thränen. Musa wunderte sich gar sehr, und verhieß ihr goldne Berge. Ich weiß nicht, sprach er, ob der Sultan von Darfur dich kaufen wird, er besitzt schon viele weisse Frauen, aber der Sultan von Darkulla nimmt dich gewiß. Er hat neulich seine weisse Frauen alle ermordet, und nun braucht er deren wieder, und ließ schon bei den Dschelabs nachfragen. Preise dich, wenn du in den Pallast dieses großmüthigen Königs kömmst.