Jetzt fand man sich am Ausgange der Wüste. Hohe Staubwolken zeigten sich in der Ferne, und im Strahl der heissen Sonne blickte hie und da ein Waffenblitz auf. Welches frohe, sehnsüchtige, hoffende Gefühl in Florens Brust! O wären es die, wo ich mich der Sicherheit erfreuen kann, wie wollte ich Glückliche dem Schicksal danken, wie schnell in die Arme des Gatten eilen! Mögten die Bösewichter ziehn, wurde doch nicht zur Reife gebracht, was sie heillos zu säen beschlossen.

Sie konnte die Zeit nicht erwarten, und trieb ihr Roß mächtig an. Die Mammelukken blieben zurück. Muthig sprengte sie auf die Staubwolke zu, froh erwartend, es werde bald eine rothe Feder oder eine dreifarbige Kokarde darin sichtbar werden.

Doch näher erblickte sie die langen Hälse brauner Dromedare, und hielt den Zügel etwas kürzer. Dann kamen ihr schwarze Führer zu Gesicht, ihr Roß trabte nur noch. Endlich ward sie eine lange Reihe solcher Lastthiere inne, und nichts wie Negergesichter. Sie hielt ihr Roß an, die Begleitung abzuwarten.

Verdrießliche traurige Täuschung! Was sie für einen Soldatenzug angesehn hatte, war eine Caravane von Sklavenhändlern. Sie hatte Neger aus Darfur, Sennar, und Bornu nach Egypten zum Verkauf bringen, und weisse Mädchen nach ihren Märkten zurücknehmen wollen. Sie fand aber den Menschenhandel durch menschliche Verordnungen, die die Franzosen erlassen hatten, untersagt, und mußte an der Gränze unverrichteter Sache wieder abziehn. Darüber, zürnten die Kaufleute sowohl, wie die Waare selbst, denn man muß wissen, daß die Sklaverei den Negern nur in den christlichen Colonieen furchtbar ist. Bei den Muselmännern versuchen sie es ganz willig, denn harte Behandlung erwartet sie dort nicht, und fände ein Einzelner Ursache, mit seinem Gebieter unzufrieden zu seyn, so steht ihm das Recht zu, ihm zu sagen: führe mich auf den Markt! was denn geschehn muß, und die Aussicht eröffnet sich, einem gelinderen Herrn zu gehorchen. Oft machen die Sklaven ihr Glück, da sie frei gelassen, und zum Betreiben einer eigenen Handthierung unterstützt werden. Auch ist ihnen der Weg zu einträglichen Aemtern nicht verschlossen. Weisse Sklaven werden auch in der Türkei feilgeboten, alle Mammelukken sind verkauft, und steigen durch die Gunst der Beis zu bedeutenden Stellen, selbst zum Range eines Beis empor. Der durch Grausamkeit berüchtigte Gizzar Pascha war aus Bosnien gebürtig, wurde daheim, wegen einer Gewaltthat verklagt, die er an seiner Schwägerin hatte verüben wollen, und floh. In Constantinopel verkaufte er sich selbst als Sklave nach Egypten. Hier lächelte ihm das Glück bald, weil er sich geschmeidig in die Launen seines Obern, des bekannten Ali Bei zu fügen wußte. Dieser brauchte ihn besonders, wo etwas Gefährliches ausgeführt werden sollte. So stieg er.

Die Kaufleute bei dieser Caravane gingen fast nakkend, einen schürzenartigen Gürtel ausgenommen. Wer ein graues oder blaues Hemd, dessen Aermel bis um die Achseln aufgerollt waren, trug, kündigte sich schon wie einen dem Luxus ergebenen Mann an. Ein ledern Futteral hing jedem an der Krümme des linken Armes, worin sie Geld, Toback und andere nahe Bedürfnisse verwahrten; bewaffnet zogen alle einher, entweder mit Lanzen oder auch nur mit Säbeln. Feuergewehr war selten.

Florens Begleiter waren herangekommen, und man machte Halt, um die Caravane vorüber zu lassen. Gegen das Ende des Zuges bemerkte Flore, daß Ibrahim fehle, und fragte nach ihm. Man gab ihr keine gnügende Antwort. Der Umstand kam ihr bedenklich vor, und sie überlegte, sollte man den Mammelukken erwarten oder nicht. Endlich wurden von dem Handelszuge nur noch einige Kameele sichtbar, mit denen die Führer sich verspätet zu haben schienen. Da sie aber heran waren, befand sich Ibrahim dabei. Er hatte also unbemerkt einen raschen Umweg gemacht, um diese Schwarzen zu sprechen.

Floren ahnete viel Schlimmes, und sie betrog sich nicht. Ein häßlicher Neger im blauen Hemd und mit langen goldnen Berlokken im Ohr, kam mit Ibrahim auf sie zu. Die Bösewichter scheuten sich gar nicht, laut von ihrer Absicht zu reden. Ich kaufe sie, sprach der Neger, und folgt mir, laßt einen von euch nach Assiut schleichen. Dort findet ihr Dollmetscher, welche die französische Sprache verstehn, und euch eine Schrift, wie ihr sie wünschet, verschaffen. Bringt sie nicht um, ihr könnt ja das Geld für sie einstreichen.

Flore hörte die Schrekkensworte, und fragte mit dem Muthe, den die Nothwendigkeit als einen letzten Versuch zur Rettung auferlegt: Ihr Bösewichter was habt ihr vor?

Das wirst du bald sehn, donnerte Ibrahims trotzige Stimme.

Aber wo ist sie denn? fragte der Neger.