Nein, nein, mein Guter, erwiederte jener mit geängsteter Stimme, ich fühle, daß der Ehestand mich unendlich einengen würde, ich nicht stark genug wäre, im ganzen Umfang zu thun, zu meiden, was er gebietet — und — und —
„Demungeachtet bist du täglich bei Frau von ***.“
Ich empfinde die Gerechtigkeit deiner Vorwürfe. Ich darf aber schwören, daß ich ihr meine Hand nicht zusagte, es war sogar, unmittelbar, noch davon nicht die Rede — da bin ich also nicht treulos, wenn ich zurücktrete; die Bemerkungen des Publikums müssen aufhören, wenn ich alle Besuche abschneide, und — da, meine Hand — es soll von Heute an geschehn!
Er hielt Wort.
Wer war aber bestürzter, wie Frau von *** als der Geliebte um die gewöhnliche Zeit nicht erschien, ja auch, was sonst bei einem eingetretenen Hindernisse pünktlich geschah, seinen Besuch nicht einmal absagen ließ!
Sie schickte nach seiner Wohnung. Er war nicht zu Hause.
Es war ein so leckrer Heringsalat mit Kalbsbraten, Neunaugen, Braunschweiger Wurst, Oliven, rothen Rüben, Möstrich, Kapern, Zwiebeln, Aepfeln, Kartoffeln, Zitronsäure, und dem fettesten Marseiller Oel bereitet. Er nannte diese Mischung sein Lieblingsessen, und wäre sonst um einen solchen Heringsalat von einer Fürstentafel weggeblieben; doch heute — wer begreift, wer erklärt das? — heute kömmt er nicht.
Frau von *** wartet zwei, drei traurige Tage, sie wartet umsonst.
Eine Kartenlegerin muß kommen. Eine Kartenlegerin! rufen die Leser in kleinen Städten verwundert. Aber die Geschichte spielte auch in keiner kleinen, sondern in einer großen Stadt. Da hat sich die Tradition nicht nur durch das Zeitalter der Freigeisterei gerettet, sondern Poesie trat in den letzten Tagen mit Mystik und Aberglauben, auch in einen sinnigen bedeutungschweren Bund. Wie lange wird es währen, und wir sehen wieder Astrologie. Wo giebt es erhabenere Kontemplationen als bei ihr? Wie tragen die Verse empor:
„Das, was geheimnißvoll bedeutend webt