Doch sie hoffte auf Rings Zurückkunft. Warum sollte er nicht leben? fragte sie immer. Lebendig ward er gefangen, das sagen meine Nachrichten. Mordet der Türk nicht im Wüthen der Schlacht, so läßt er hernach den Gefangenen wohl unverletzt, da er ihn als Sklave verkaufen, oder selbst nützen kann. Lebt Ring, so wird er, es daure so lange es will, schon Mittel finden, sein Loos, seinen Aufenthalt, hieher kund zu thun, und da kauft man ihn mit einer Summe los.
Darum wurden die Freier artig, doch gemessen abgewiesen. Und da zu viel Justiz im Lande war, als daß sie sich, wie jene übermüthigen, die Herrn von Göthe so gefallen[7], hätten einlegen, und von der Schönen Haabe zehren können, so blieb ihnen nichts, als sich artig zu entfernen; was noch dazu in aller Stille geschah, weil Niemand gern den empfangenen Korb wollte ruchtbar werden lassen.
Doch nicht alle Freier beruhigten sich mit einem Korb; das, was sie entbehren sollten, gewann nur einen desto anziehenderen Reiz für sie, und die Plane der Intrigue wurden zu Hülfe gerufen.
So gings auch hier mit einem Herrn Noiseul, der sich in Madame Ring verliebt hatte, und nicht an der Festung Uebergabe verzweifeln wollte, war gleich das erste Aufforderungsschreiben rund abgelehnt worden. Wir werden im folgenden Kapitel sehn, was Herr Noiseul that.
Sonst sind der Regel nach, die Weiber in diesen Intriguen gewandter, und wie mancher Ehemann wird nach Hymens Tempel an den Banden der Schlauheit geleitet.
Den Leser noch mit einer Episode zu bewirthen, mag hier eine Geschichte der Art Platz nehmen, die dazu das Verdienst der pünktlichen Wahrheit hat.
In B*** lebte eine adliche Wittwe, noch nicht über die Jugendfrische hinaus, nicht ohne einnehmende Reitze, nicht ohne Vermögen. Ein Offizier, noch jünger als sie, fand sie liebenswürdig, und da Offenheit seine Sache war, blieben seine Gefühle ihr gar nicht verborgen. Sie fand den Stand der Wittwe ein wenig öde, und einen Lebensgesellschafter, wie den jungen Offizier, um so erfreulicher, als ihre erste Ehe eine Art Zwangverbindung gewesen war. Der junge Offizier besaß eben keine Mittel, doch ihre Einkünfte und sein Gehalt zusammengelegt, konnten eine Haushaltung ganz gut bestreiten; zudem war ja darauf zu zählen, daß die Zeit seine weitere Beförderung, und mit ihr, einen ansehnlicheren Gehalt, herbeiführen würde. Sie sagte also dem Wüstling, der dreister Natur, ihr bald im Hause aufwartete, eben keine Härten, und behielt ihn, da seine Besuche gewöhnlich in die Nachmittagstunden fielen, gemeinhin zum Abendessen.
Ein solch Souper auf der Serviette hatte für den Offizier viel Anziehendes. Die Einladung hieß immer: ohne alle Umstände, oder à la fortune du pot, und es fanden sich denn in der That nur zwei Schüsselchen, wohl gar nur eine, aber erlesen, denn Frau von *** besaß darin recht feinen Geschmack. Ein Kapaun mit Austern, ein Fasan, eine Gans mit Kastanien gestopft, eine sogenannte Matelotte von Karpfen und Aal, eine Rebhuhnpastete — ein niedlich Desert darauf, und ein trefflich Glas Chateau Margot, von dem der selige Herr einen guten Vorrath im Keller angehäuft hatte. Und nun noch die angenehme, witzige, piquante Unterhaltung der lieben Frau, ihr Klavier — wars Wunder, daß Herr von *** die gewohnten Wirthshäuser, ja Schauspiel und Konzert mied, um in jenem stillen Kreise, Wonneabende zu feiern? Und er wieder, der Gefällige, Zärtliche in jeder Art; was ließ sich erwarten, als daß sie alle ihre Gesellschaftszirkel aufgeben würde, um daheim sich weit besser zu unterhalten.
So schwand ein froher Monat nach dem andern, und die Leutchen vergaßen über ihr Glück, die näheren Erläuterungen sowohl, wie das nicht mehr ganz stumme Urtheil der Welt.
Er besaß einen Freund, welcher von dem eben erwähnten Urtheile Einiges vernahm. Dieser warnte: Du bist zu jung, zu unbeständig, zu flattersinnig, als daß eine Heirath dir schon zu rathen wäre. Drängt die Empfindung nicht ganz unwiderstehlich, oder ist das äußere Glück nicht besonders ausgezeichnet, so bleibt es im Soldatenstande das klügste, ledig zu bleiben. Dann nur zieht man mit ungetrübtem Sinn, und leichtem Muth in den Krieg. Die beiden genannten Fälle sind hier wohl nicht vorhanden, also lasse bei Zeit ab. Denke auch, was die Pflicht der Redlichkeit dir gebietet, an die Ruhe, die Ehre der Dame. Es wäre unverzeihlich, ihr Gemüth mit Hoffnungen zu nähren, die du nicht zu erfüllen denkst; es wäre noch unverzeihlicher, ihr durch einen Umgang, der zu zweideutigen Anmerkungen Gelegenheit giebt, Leumund zu bewirken, ihr vielleicht eine anderweitige angemessene Verbindung, zu untergraben. Vielleicht gingst du schon zu weit darin, darum höre was der Freund erinnert. Er prüft mit kaltem Blute. Oder aber, ist es dein voller Wille zu heirathen, fühlst du einen mächtigen Zug, dem du gern der Jugend Freiheit hinopferst — dann —