Flore fuhr fort: Ich bin im Stande, für ihren Unterhalt zu sorgen. Es gelang mir, in Egypten etwas zu erwerben, und ich bringe Anweisungen mit, an deren Gültigkeit gar kein Zweifel besteht, da, wie ich schon unterwegs erfuhr, durch die Solidität der jetzigen Regierung der Staatskredit immer mehr befestigt wird. Ich kann auch meine Papiere bei jedem Wechsler loswerden. Und mit dem Landgütchen, was Ring und ich einst mit Papiergelde kauften, muß es gegenwärtig auch wohl stehn.
O ja, rief Dame Beatrice, es liegt Pacht für dich in Bereitschaft. Wolltest du es verkaufen, es würde ansehnlicher Vortheil davon —
Nein, nein, unterbrach sie Flore, wir ziehen zusammen nach Toury. Paris ist kein Ort für sie. Aufs geschwindeste geben sie alles auf, versteigern ihre Mobilien, und folgen mir.
Ei nun wenns so gemeint ist, sagte die Tante mit weinerlichem Ton, wenn du mich todt füttern willst, so geb ich die Geschäfte mit Vergnügen auf, die Zeiten werden so immer schlechter, es giebt Unserer zu viel, und die Welt ist bös, man wird auf allen Enden betrogen.
Flore trieb die Sache eilig und mit Nachdruck. Denn Paris, so heiß sie sich danach gesehnt hatte, war ihr jetzt zuwider. Da sie seine Freuden durchaus nicht ungestört genießen konnte. Sie besuchte die Oper, das Boulevard, den Garten des Palais Luxemburg, in Gesellschaft der Wirthin, doch überall fand sich bald ein ältlicher Elegant, der, sie lorgnettirend, entweder ein bedeutendes Aha! ausrief, es gingen ein Paar Militairs hinter ihr, und riefen ohne Umstände: Voilà Flore! oder sie mußte wohl gar derbe Scherze vernehmen. Das machte, daß sie gar nicht mehr ausging.
Sie verwandelte ihre Papiere in Geld, und that dies auf sichren Zins. Dame Beatrice mußte aufpacken, Herr Jolin, der die Tante späterhin heirathete, setzte sich mit in den Wagen, und so gings auf Toury bei Orleans zu, dessen Pächter, wie ein ehrlicher Mann gewaltet hatte.
Sie fand baare Summen vor, die Grundstücke waren verbessert, es mangelte nicht an Vieh, nicht an Geräth, und Toury verhieß seiner Besitzerin ein anständiges Auskommen.
Neuntes Kapitel.
Einsamkeit zu Toury.
Hier dachte sie nun ernst über ihre bunte Vergangenheit nach. Die Unruhe, das Schwanken zwischen Furcht und Hoffnung, waren von ihr gewichen, zum Erstenmale kam das Gefühl eines gleichstimmigen, zwischen den Extremen unbemerkt hinlaufenden Daseins über sie. Die ländlichen Beschäftigungen in ihrer harmlosen Einfachheit, gewann sie lieb, mischte sich, wie eine Penelope, bald unter die Winzerinnen, bald unter die Frauen an der Spindel.
Wohl von mehr als einer Seite konnte man sie mit der fabelhaften Königin von Ithaka (die übrigens kaum so reich war, als Flore jetzt, um wie viel weniger, als einst Flore in Darkulla) gleichen. Denn die junge Wittwe, (alles sagte ihren Mann todt,) mit artigem Vermögen, und einem artigen beau reste gefiel manchen ehelustigen Männern der Gegend. Zu Wagen, zu Roß und zu Fuße wurden ihr Aufwartungen gemacht, deren Absicht klar genug einleuchtete, auch trafen ganz runde Anwerbungschreiben ein.