Der Aussaat und der Erndte. Auch des Menschen Thun
Ist eine Aussaat von Verhängnissen
Gestreuet in der Zukunft dunkles Land
Den Schicksalsmächten hoffend übergeben.“
Und der Kobold der Wenden, von dem immer noch eine geheime Sage, im Nord von Deutschland, in der Lausitz, in Böhmen umtönt — ob er gleich seit Karl dem Großen aus der Phantasie getilgt sein soll — rufe nur ein mystischer Dichter, in einem hohen Trauerspiele, neue Weihe über ihn, und es wird bald Ton werden, an ihn zu glauben, ihn bei nächtlicher Weile gesehn zu haben u. s. w.
Genug, die Kartenlegerin mußte kommen. Natürlich wurde ihr alles vertraut, sie hatte aber die Karte vergessen, konnte nicht zur Stelle weissagen. Auf Morgen gelobte sie wiederzukommen und die treffende Auskunft zu geben.
Die Zwischenzeit wurde angewandt, sich nach Herrn von *** und seinem dermaligen Thun zu erkundigen. Die Prophetin brachte in Erfahrung, daß er viel in des Freundes Gesellschaft lebe, es schlich sogar einer ihrer Späher den Beiden am Abend nach, und behorchte ihr Gespräch. Sie war mehr als zulänglich unterrichtet.
Da sie sich am anderen Tage bei Frau von *** einstellte, wurde das magische Kartenspiel über den Theetisch gebreitet. Der Coeur König lag nicht weit von Coeur Dame, er blickte sehnsüchtig zu ihr hin, allein der Pik Valet stand zwischen beiden. Aha Madam, das ist der falsche Feind, dieser bringt das Unheil, dieser macht abwendig.
O das ist der verwünschte N. N., rief die Dame, schon hab ich das geargwohnt, der Mensch hat auch die maliziöseste verworfenste Physiognomie, die es nur auf dem Erdboden giebt. Die Kartenlegerin empfing ein Goldstück, und entfernte sich mit vielen Höflichkeiten.
Nun wußte die gute Frau etwas, wußte sogar Wahrheit, doch wohin führte sie das? An Planen war sie eben nicht reich. Ihr fiel bei, daß die Person, der die Wahrheit sich entschleierte, auch wohl die Wege zum menschlichen Herzen kennen mögte, und die Kartenlegerin wurde abermals berufen. Daß sie freudig erschien, kann man denken, denn nicht alle Tage fanden sich Kundschaften, wo mit Goldstücken honorirt wurde.