Flore, die erst ungemessen geweint hatte, trocknete während dieser Erzählung, eine Thräne nach der andern, und bald bedurfte sie keines Tuches mehr. Denn die beleidigte Weiblichkeit gerieth mit dem Gram in Wechselwirkung.
Die Griechin vollendete ihr Mährchen durch Aufzählung vieler Nebenumstände, die Ring ganz richtig bezeichneten, ja, sie hatte ein Briefchen, mit Zittern auf dem Krankenlager hingeschrieben, — es schien Rings Hand.
Flore blickte nur oben drüberhin, gab wenig mehr auf die Rede, und dachte immer vor sich: „Und ich, ich, auch so weit entfernt, ohne Hoffnung ihn je wieder zu sehn, ich heirathete doch nicht.“ Zwar sprach eine Stimme aus dem Innern dagegen: „Es hätte doch leicht dahin kommen können“, sie wurde überhört.
Bald ging Flore mit hastigen Schritten im Zimmer umher, bald warf sie sich weinend auf den Divan, bald traf ein Blick flüchtiger Verachtung die Fremde.
Endlich übermannte es sie, eine Krankheit mehrerer Tage war die Folge, während welcher Zeit Dame Beatrice die Griechin in einem Hinterzimmer verpflegte, und sie nicht vor Floren ließ.
Herr Noiseul, in der Nachbarschaft wohnend, hatte denn von der Krankheit gehört, kam, nahm Theil, ließ sich fast stündlich erkundigen.
Als Flore wieder hergestellt war, erklärte sie sich bereit, der Griechin ein klein Jahrgeld auszuwerfen, doch sollte sie zu Paris ihre Wohnung nehmen.
Eine Zeitlang erschien Herr Noiseul wieder nicht. Beide Nachrichten sollten erst tief genug eingreifen, und er berechnete menschenkundig genug, daß die, von einer anderweitigen Heirath Rings, seinen Vortheil noch mehr fördern müsse, wie jene von seinem Tode.
Oft dachte er zwar: Wie aber, wenn der Mann noch lebte? Doch war er so leichtsinnig, als unternehmend, und endete: Kömmt Zeit, kömmt Rath!
Nach sechs bis acht Wochen erneute er seine Besuche zu Toury, wurde weniger kühl empfangen, machte der Tante Geschenke, und erfuhr schon von dieser im Geheim: Madame Ring hätte gesagt: Herr Noiseul sei ein ganz feiner Mann.