Flore. Und was meinst du, daß der Sultan beschließen werde?

Musa. Aufrichtig, daß er dich ziehn läßt, glaube ich nicht. Seine Liebe —

Flore. O die haben Zeit und Abwesenheit getilgt, wie hätte er sonst meinen Kopf fordern lassen.

Musa. Aber kann man denn nicht demungeachtet heiß, recht heiß lieben?

Flore. Eine ächt afrikanische Frage! Freilich ließ er seine vorigen Weiber einst morden. Gigi sollte auch die heisse Liebe empfinden, lehnte aber die Ehre ab. Es heißt: der Krieg wider Gigi nähme jetzt glücklichere Wendungen. Ich wollte, Gigi würde Kukus Gefangene, er versöhnte sich mit ihr, und entbehrte desto lieber mich. Doch was rede ich. Nicht Liebe, Haß wirst du bekämpfen müssen! Und ich denke, das schöne Land soll alles gleich machen. Biete alle Kunst der Ueberredung auf! —

Musa sahe noch das prachtvolle Leichenbegängniß, das Flore dem Bruder des Sultans hielt, und die Errichtung seines kostbaren Denkmals im Pallasthofe. Dann reiste er auf der Stelle ab.

Daheim traf Flore nun viele Veränderungen. Der Senat wurde in den Ruhestand versetzt. Eben so die älteren Minister. Dagegen errichtete sie drei hohe Rathsstellen, und theilte sie dem treuen Darkullaner, Alonzo und Perotti zu. Gleichviel verdanke ich euch Dreien, sagte sie, billig, daß euch mit demselben Danke gelohnt werde.

Jeder bekam einen Zweig in der Landesverwaltung, den er pflegen sollte. Es ging aber dabei so erwünscht nicht, wie die Sultanin hoffte. Der Spanier, im Drange der Noth einst so thätig, war jetzt abgespannt, und überließ sich seinem alten Gram um Isabellen wieder. Was zu seiner Erheiterung geschah, war fruchtlos.

Der Darkullaner, so treu, wie er sich immer schon bewiesen hatte, war aber unfähig, Geschäften vorzustehn. Leidenschaften mußten bei ihm die Stelle der Vernunft einnehmen. Dazu ward er sehr stolz, und prunkte unmäßig.

Perotti hingegen, nahm nicht nur seiner zugetheilten Arbeit wahr, sondern riß auch die fremde an sich, daß Flore über seine Thätigkeit staunte. Immer wußte er ihr etwas Angenehmes zu berichten. Allein sie wurde meistens getäuscht. Der Schein, nicht die That. Perotti ladete die Arbeit Unterbeamten auf, und verfuhr selbst mit Oberflächlichkeit, und einer Kürze, welche eigentlich den Zeitgeitz zum Grunde hatte, den Zeitgeitz, der den Vergnügungen keine Frist rauben will. Bestechen ließ er sich unerhört, doch mußte es mit Dekoration geschehn. Da aber die Unterdiener denn doch hinter die Koulissen blickten, so machten sie es ihrerseits kein Haar besser, und der Italiener sah ihnen großmuthsvoll nach, ausgenommen es hatte einer es zu arg gemacht. Dann mußte er die Kunst verstehn, die Hälfte des Raubes der Exzellenz zuzuwenden, wenn er nicht verfolgt seyn wollte. Die Forderung erfüllte ein solcher getrost, denn um so offner und sicherer waren nun die Wege, die geopferte Hälfte doppelt zu gewinnen. Genug, Perotti hätte wohl in andern Ländern Minister seyn können, als in Darkulla.