Dann, versetzte Perotti, sendet sie dir auch gewiß aus Dankbarkeit die Köpfe. Es ist ein eigensinnig Gemüth, aus Zwang will sie nichts, alles mit Freiheit thun.

Er empfing nun dreihundert wohl gewaffnete und berittene Neger, die die Weisung hatten, ihm unbedingt Gehorsam zu leisten. Auch die Briefe fehlten nicht. Sein Plan war nun, Gigi zu bewegen, daß sie ihr Heer verließ, um eine Reise nach dem innern Darkulla zu machen. Die Sehnsucht, ihre Caffern zu sehn, meinte er, würde sie leicht den Entschluß ergreifen lassen. Er theilte dem Beduinen, welcher in einer der folgenden Nächte wieder bei ihm erschien, den Plan mit. Grade da die Unterredung statt hatte, nahte auch Musa dem Zelte. Er hörte gedämpfte Stimmen, verhielt sich ruhig, und lauschte. Nichts Zusammenhängendes konnte er verstehn, doch aber sahe er ein, wie ein Verständniß mit Gigi angezettelt war, und so viel war ihm wohl deutlich geworden, daß Gigi nach dem innern Darkulla kommen sollte. Ha, Mehemeds Rache! dachte er. Leicht konnte er Lärmen erregen, und den Treulosen wie den fremden Späher verhaften lassen. Doch urtheilte er, das könne vielleicht noch zu keinem vollen Lichte führen, da beide Theile hartnäckig läugnen würden. Er nahm sich daher vor, auch in künftigen Nächten aufmerksam zu sein, und die Unterredungen näher zu behorchen. Gleich aber schickte er am Morgen einen Eilboten an Nene, mit der Warnung, ja auf ihrer Hut zu sein, und den Paß noch zu verstärken. Denn Gigi würde sie vielleicht zu bekriegen suchen.

Es kam aber zu keiner weitern Unterhandlung zwischen Perotti und Gigi, denn eine Stunde, nachdem Musas Eilbote weggeeilt war, langte auch einer bei Kuku an, den der Feldherr von Habesch abgefertigt hatte. Er brachte die Botschaft, daß man eine Abtheilung der Beduinen geschlagen habe, und nun dichte im Rücken Gigis stehe. Zugleich erfolgte die Einladung, sofort anzugreifen, und das Versprechen, kraftvoll und nachdrücklich den Kampf zu unterstützen.

Kuku gab also seine Befehle, und Perotti blieb mit seinen Negern in der Nähe, um den Ausgang des Tages abzuwarten.

Allgemein war bald die Schlacht, und hartnäckiger wie je eine in Europa geliefert wurde. Gigi ließ ihre Reuterei einbrechen, ehe noch Kukus Truppen gehörig entwickelt waren. Bei jener herrschte aber der Gebrauch, den Pferden die Ohren zu verstopfen, und die Augen zu verbinden, damit weder das Getöse der Schlacht, noch der Anblick widerstehender Reihen und gefährlicher Waffen sie schrecke. Nur das Gefühl blieb ihnen, und je näher an den Feind, je mehr empfanden sie des muthigen Reuters Sporn, wogegen in einem gewissen andern Welttheil der antreibende Stachel immer weniger, und der wuthmäßigende Zügel immer mehr gebraucht werden soll. Vorgestreckte Lanzen, wenn gleich noch einmal so lang, wie die Bajonetflinte der Europäer, galten diesen Beduinen ein lächerliches Hinderniß, denn hart an der Spitze, ließ der vorderste Reuter sein wohlgeübtes Pferd einen mannhohen Satz machen, und zerbrach beim Niedersenken die Stangen, indem die Träger zu Boden geworfen wurden, oder es wurde auch das Thier aufgeopfert, und mit seiner durchbohrten Brust angerannt, um dann einen unfehlbaren Streich zu führen. Dann sprang sein Hintermann über ihn. Allein die Neger waren auch gegen solchen kühnen Angriff bereit. Sie schreckte der Anblick der Vermessenen nicht, noch weniger kehrten sie um, weil das grade der Reuterei den Sieg in die Hände geben heißt. Jeder trug zwei Lanzen, was ja auch recht wohl angeht, da die freigebige Natur den Menschen mit zwei Händen versah. Eine hielt er niedrig, die andre hoch, eine zum beliebigen Aufspießen des Pferdes beim graden Anrennen, eine beim Sprung. Daß ihn die Gewalt des Thieres nicht hinwarf, unterstützten ihn die Kameraden. Sonst war eine Lanze dem Pferde, die andere dem Reuter zugedacht. Auch wenn demungeachtet die Linie gebrochen wurde, verzagten diese Neger nicht. Sie wußten, daß es nur einen leichten Griff nach dem Beine des Reuters kostet, um ihn über das Pferd zu werfen, ein Griff, den der Mangel an Fassung sonst so selten wagt. Ein gelenker Mann kann auch schneller aus dem Wege springen, als das Pferd ihn niederwirft. Des Reuters Stiche und Hiebe sind ungewisser, als die des Fußgängers. Wie bald ist das Thier hingestreckt. Die Neger krümmten sich gern unter seinen Bauch, wo sie vor dem Reuter geschützt waren, und stachen es so mit einem Messer nieder. Andre sprangen über den Schweif desselben, und warfen den durchbohrten Feind über den Kopf, wodurch sie das Pferd gleich behielten. Die neuen Stücke des Kuku taugten gar wenig, der Materie und dem Bau nach, versagten vielfältig den Dienst, sprangen und verletzten die eignen Leute, waren schwierig von der Stelle zu bringen, das Pulver hatte schlechte Kraft, statt der Kugeln wurden auch Steine genommen, bei denen wenig auf sichern Schuß zu zählen war. Demungeachtet leisteten sie weit mehr, wie da, wo sie ganz vortrefflich sind, die Kanoniere aber in großer Entfernung zu schießen beginnen, wo nur sehr selten getroffen wird, und je näher der Feind kömmt, je ungewisser sie zielen, endlich, wenn sie ihm das Weiße im Auge sehn, davonlaufen. Im letztern Abstand fingen die Darkullaner erst zu feuern an, aber so kaltblütig, so ihr Ziel fassend, daß sie nimmer fehlten. Doch hatten die Beduinen sich wieder darauf eingerichtet. Sie sprengten in schmalen Kolonnen pfeilschnell daher. Zuvor wurde das Loos gezogen, welche Reuter die ersten sein sollten. Diese bekamen denn ein Ehrenzeichen, und die Zusicherung eines hochrühmlichen Grabes. Dies Loosziehen war darum Nothwendigkeit, weil Jeder der Vordere, Niemand hinten sein wollte. Ueber die Gefallenen setzte die Schaar unaufgehalten fort, und in wenig Minuten befanden sich die Uebriggebliebenen zwischen den Stücken. Die Beduinen suchten gern ihren Feind in die sogenannten Flanken oder Seiten der Reihen anzufallen. Leicht führten sie auch vermöge des Eilflugs ihrer Pferde die Bewegungen aus, die zu einem solchen Zweck leiten konnten. Aber der Sultan von Darkulla, Kriegern mit eisernem Sinn gebietend, sah gar keine Gefahr, wo Europäer verzweifeln. Die Truppen standen immer doppelt dick an den Enden. Wie eine Linie sich zeigte, gingen sie selbst auf diese los, durchbrachen sie als Colonne, und indem sie sich zu beiden Seiten wandten, bekämpften sie nun zwei Flanken der Angreifenden.

Wo so geschlagen wird, glänzen schöne Rückzüge nicht, sondern der Kämpfer Tod endet nur die Schlacht. Gigi führte Ueberall in die schlimmste Gefahr. Kuku zeigte sich an der Spitze, wo der Streit am hitzigsten war. Vielleicht hätte man ohne Entscheidung fortgemordet, allein die Truppen aus Habesch rissen die Schaale nieder. Gigi hatte sich ihre Zahl nicht so groß vorgestellt und nur eine geringe Abtheilung entgegen gesandt.

Diese war durch die Menge überwältigt worden, und zugleich so umzingelt, daß keine Nachricht von dem üblen Erfolg zu der Gebieterin dringen konnte. Selbst wurden einige Beduinen Verräther, und berichteten fälschlich einen günstigen Erfolg. So sahe Gigi endlich eine sehr große Anzahl neuer Feinde in ihrem Rücken, und da sie nun urtheilte, der ungleiche Kampf könne nicht mit Vortheil geführt werden, so gebot sie selbst ihren Haufen, sich zu zerstreuen, und nannte einen Ort an der Wüste, wo man sich wieder sammeln wollte. Sie selbst spornte ihr Roß, um diesen Ort so bald wie möglich zu erreichen.

Auf diesem Ritte aber ward ihr Pferd tödlich getroffen, sank, und die Amazonin fiel einem nacheilenden Negerhaufen in die Hände. Schon riß sie den Ring vom Finger, um das Leben zu enden, doch fiel ihr in diesem Augenblicke Perotti ein. Wie, wenn er es treu meinte, dachte sie bei sich, zum Sterben ist es immer noch Zeit. Sie gab also das Vorhaben auf, und den Negern ihr Schwert zum Zeichen der Ergebung.

Sie wollten ihr den Ring nehmen, sie sagte aber: ihr seht, er ist ohne Werth, aber das Andenken einer Zauberin. Ich will ihn euch zehnfach bezahlen. Das wurde geglaubt, und Gigi nach Kukus Zelt gebracht.

Dort ertönten aber Jammer und Klage. Die Siegsgesänge schwiegen traurig, und alles lief erschrocken und trostlos umher, denn eben zu Ende der Schlacht hatte Kuku eine tödtliche Wunde empfangen, an der er ohne Hoffnung auf dem Teppich lag. Die Generale jubelten indeß auf, da sie Gigi bringen sahn, auch erhob sich der Sultan ein wenig bei dem Anblick der überwundenen Feindin, allein Freude und Leid hatten mit ihm ihre Rechnung gemacht. Kaum hörbar, rief er Perotti, der auch zugegen war. Mehemed, sprach er, bringe diese Gefangene zu Nene, ihr gehört all mein Land außen und innen der Gebürge, ich bitte sie es nicht zu meiden, sie beherrscht es weise.