Hier starb der Sultan. Perotti warf sich mit heissen Thränen auf seinen Leichnam, und dennoch hatte er selbst den Sultan hinterrücks verwundet. Der Arme kam um, wie es von Gustav Adolph und Carl XII. vermuthet wird. Desto eher glaubte Perotti seine Absichten durchzusetzen. Er wollte nun auch über alles beim Heere gebieten, das ließen aber die alten Männer nicht zu, sondern errichteten einen Rath, der bis auf Weiteres die Angelegenheiten leiten sollte. Sie zeigten auch schlechte Lust, Nene zu gehorchen, welche hier viel getadelt ward, und Perotti ließ das Vorhaben in ihnen erwachen, selbst einen Sultan zu wählen, welches einer in den anderen bestärkte.

Der Rath beschloß noch, den Rest der Beduinen aufzureiben, und Sultan Kukus Leichnam in das Felsenland zu schicken, um dort neben Tata begraben zu werden; denn den Wunsch hatte der Verstorbene einst geäußert.

Perotti sah noch bei der ihm anvertraut gewesenen Kasse möglichst zu seinem Vortheil, dann machte er sich mit den zugetheilten Reutern, und der schönen Gefangenen auf den Weg. Er hatte sie in dem Zelte des Sultans nun ohne allen Schleier gesehn, und kein Zweifel bestand mehr, wer sie sey.

Fünftes Kapitel.
Perottis vernichtete Anschläge.

Zwei Tagereisen ging es dem Felsenlande zu. Er ließ Gigi mit aller Bequemlichkeit reisen, ihr ein prachtvolles Zelt geben, und hohe Ehre beweisen. Sich selbst zeigte er aber nicht, doch den Sklavinnen, die ihr auch zur Aufwartung gegeben waren, schärfte er ein, sie kräftig über ihr Schicksal zu trösten, und sie zu versichern, Nene würde ihr die Herrschaft abtreten. Eine aber unter den Sklavinnen hatte er auf seine Seite gebracht.

Gigi wußte nicht, ob sie den Zusicherungen Glauben beimessen sollte, schwebte in verlegener Unruhe, und wagte die ersten Nächte keinen Schlaf. Endlich aber behauptete die Natur ihre Rechte, sie streckte sich ein wenig auf einen Teppich, und gebot den Frauenzimmern, sie, wenn irgend Jemand nahte, sogleich zu wecken. Die Verrätherin aber nahm den Augenblick wahr, entfernte unter einem ersonnenen Vorwande die übrigen, und zog, wie Perotti ihr aufgetragen hatte, Gigi den Ring leise vom Finger. Vor großer Ermüdung war ihr Schlummer ungewöhnlich fest, und sie bemerkte den Raub nicht. Am Morgen, da man schon Anstalten zum Aufbruch machte, stellte die Sklavin ihre Beute dem erwachten Perotti zu.

Sogleich schrieb dieser einen mit Spott und Bitterkeiten erfüllten Brief an Nene. „In meiner Gewalt stand es,“ sagte er in diesem Briefe, „dich nach Egypten, nach Europa zu bringen, denn ich gebiete Dreihundert Reutern unbeschränkt, und besitze Sicherheitsbriefe, allein du hast mich durch Verbannung von meiner Stelle, durch Kaltsinn gegen meine Liebe gehöhnt, und nun magst du ewig unter den Negern bleiben. Denn kein Geleit werden dir die Darkullaner außer dem Gebirge geben, die dich hassen, und die meine Rache selbst aufmunterte, sich einen andern Gebieter zu wählen.“

Dem sogenannten Osmann schrieb er Worte, welche ihn auch auf das bitterste verwunden konnten, und schickte einen der Neger mit den Briefen ab.

Nun wurde aber sogleich sein Weg verändert, und der nach Egypten eingeschlagen. Die Reuter wußten von Kukus Befehl, Gigi in das innre Darkulla zu bringen, nichts, sondern hatten nur Weisung, Mehemed zu gehorchen, was solche Menschen denn blindlings thun.

Gigi saß auf ihrem Dromedare, noch kein Unheil ahnend, da kam Perotti lachend herangeritten, und rief: „Nach Egypten zieht die Karavane. Die stolze Königin der Beduinen schläft diese Nacht in Perottis Zelt. Endlich werden Recht und Klugheit siegen!“ Er sprengte weg.