Sie gerieth außer sich vor Schrecken, wollte den Ring vom Finger reissen — er war dahin. Sie wollte sich von dem Dromedar hinabstürzen, man hielt sie ab, und hinderte jeden Ausbruch ihrer Verzweiflung. —

Der Leser lasse sich gefallen, daß die Szene des Romans wieder in das innre Darkulla verlegt werde, und wende den Blick einstweilen von Perotti und Gigi.

Flore hatte unterdessen von Perottis Unterhandlungen vieles gehofft. So wenig sie auf seinen Charakter baute, meinte sie doch, auch er würde wohl des Lebens unter den Negern müde sein, und gern nach der Heimath zurückkehren. Das mußte ihn denn bestimmen, alles zur gemeinschaftlichen Abreise einzuleiten.

Es währte aber lange, ehe eine befriedigende Nachricht einlief, Flore theilte sich unterdessen mit Alonzo und jenem treuen Neger in die Regierungsgeschäfte, deren sie aber mit jedem Tage müder ward, denn mit jedem Tage drangen mehr Bitten und Gesuche auf sie ein, weil des Volkes Begriffe so erweitert worden waren. Stolz und Habsucht forderten überall Ehrenstellen und Reichthümer, und wie konnten sie immer befriedigt werden. So häuften sich auch die Klagen, da der Verbrechen immer mehr ins Leben gerufen wurden. Oft gedachte Flore der Worte ihrer alten Räthe, wenn sie sie damals schon verlacht hatte, und sahe ein, daß: wie einmal die menschliche Natur angethan ist, Monarchengewalt, verbrüdert mit der heiligsten Religion des edelsten Willens, dennoch keine Glückliche zu erschaffen vermag. Nein, nein, in der Mansarde des Palais Royal wäre mirs besser, wie in diesem Pallast, dachte sie, denn es ist unter andern mit dem Glücke auch, wie mit dem Regenbogen, nur wenn er vor oder hinter uns steht sehen wir ihn, mitten darin nicht.

Es giebt bei dem allen Gemüther, welche in der Volkserziehung große Ausdauer zeigen, wie z. B. Numa Pompilius, (nachdem Romulus, den die Sache etwas zu langweilen begann,) den kühnen Entwurf eines neuen Reiches geboren, und die Riesenschritte eingeleitet hatte. Flattersinn geht bald in eine gewisse Philosophie über, die zwar weise Wahrheit genug in sich trägt, allein der anhaltenden Arbeit nicht frommt.

Genug, Flore war des Regierens müde, und harrte ihrer Erlösung. Da kam der Eilbote Musas an, durch welchen der Dschelab kund thun ließ, Mehemed übe Verrätherei, und wolle wie es schien, Gigi in das Innre von Darkulla führen, um Nene zu bekämpfen, und vom Thron zu werfen. Das letztere klingt auch dem hart, der freiwillig vom Thron zu steigen gewilligt wäre. Des Thrones Höhe durchglüht mit einem gar empfindlichen Stolz, und die Lear, oder Carl V würden gleich ihre volle Gewalt entgegnet haben, wenn Jemand in dem Augenblicke, da sie das Szepter niederlegen wollten, es ihnen zu entwinden versucht hätte. So empfing Flore auch kaum jenen Bericht, als sie Alonzo zu sich rufen ließ, und ihm aufgab, zur Sicherheit des Landes doppelt zu sehn.

Das geschieht ohnehin, gab er zur Antwort, es ist nicht nur der Paß wie immer besetzt, sondern es steht auch noch ein Heer nahe an demselben bereit. Der Treue, welcher es anführt, meint: Kuku könne, auch Friede heuchelnd, Arges im Schilde führen, und man müsse deshalb unter den Waffen sein.

Von Kuku fürchte ich nichts, versetzte Flore, doch Gigis wegen seid auf eurer Hut. Sie könnte jenen schlagen, und dann zu uns eindringen wollen, und ihre Rache wegen der vorenthaltenen Caffern, die Unschuldigen empfinden lassen.

So verstrich einige Zeit, bis das Gerücht einlief: Kuku habe in einer großen Schlacht das Leben verloren. Bald darauf erfuhr man, sein Leichnam würde nach der Hauptstadt gebracht werden, weil der Verstorbene ein Grab neben Tata gewünscht hätte. Dem Gerücht folgte eine förmliche Meldung, denn der Offizier, welcher den Leichnam geleitete, sendete zum Paß voraus, und begehrte Eingang. Es wurde bei Floren angefragt, und diese beschloß, mit Alonzo selbst dem Zuge entgegen zu reisen, und begab sich zur Gränze. Diese Ehrenbezeugung geschah, um das Volk noch mehr zu gewinnen, denn seine Gunst ist bei allem, was man vorhaben mag, wichtig.

Sechstes Kapitel.
Fortsetzung.