Ich verstand sehr viele Wörter in ihrer Sprache, wenn ich mich gleich nur dunkel erinnerte, wo ich sie einst mogte gehört haben. Auf einer meiner Reisen aber gewiß.

Die Männer waren eben so gut befremdet wie ich, einen fremden Weissen zu sehn. Sie sagten, daß ihnen bekannt sei, drüben über dem Strome wohnten dunkelfarbige Menschen, von denen so leicht sich keiner herüber wage, da die Erfahrung sie wohl belehrt hätte, daß keiner wieder zurückgelassen würde. So ist unsre Vorsicht, setzte der Eine gutmüthig hinzu, denn die Nachkommen des Belisarius sollen nicht entdecken, daß unsere Väter in diese versteckten Gegenden flüchteten.

Die Nachkommen des Belisarius? rief ich verwundert, indem ich mich so viel als möglich ihres Idioms bediente, und ihnen also auch verständlich ward. Welchen Zusammenhang hatten eure Väter mit diesem unglücklichen Heerführer? Unglücklich? antwortete der Andere, wem gelang mehr, was er unternahm? Ihm mußte selbst der tapfere Gilimer weichen, unser Ahnfürst, dessen Namen wir noch führen.

Ich kramte aus, was ich von der Geschichte des Belisarius wußte, wie man ihm einen so üblen Lohn gereicht habe, auch kein morgenländischer Römer mehr zu fürchten sei, da Justinians schwache Nachfolger endlich den Türken hätten weichen müssen. Dann drang ich aber mit vielen Fragen ein, wie man doch hier noch die Nachkommen eines so lange verstorbenen Helden fürchten könne?

Ich erhielt zur Antwort: Unsre Vorfahren, die sich Vandalen nannten, hatten mit einigen anderen Völkerschaften aus Germanien, in Afrika ein Reich gestiftet, welches blühte. Allein sie wurden durch Belisarius angegriffen und geschlagen. Wer der Gefangenschaft entweichen wollte, mußte sich entschließen zu fliehn. Sie nahmen den Weg nach der Mitte von Afrika, und ihre Nachkommen haus’ten dort in Ruhe. Dieser Strom ist die Gränze unsers Landes, nach den Schwarzen hin. Ein altes Gesetz verbietet den Gilimeriern, so nennen wir uns, nicht über den Strom zu gehen, und der Fremde, der zu uns kömmt, darf nicht wieder weg, daß unser Aufenthalt nicht verrathen werde.

Das nicht wieder weg sollen gefiel mir ganz und gar nicht, indessen dachte ich, irgend eine List wird wohl Hülfe gewähren. Dann fuhr ich mit meinen Erkundigungen fort, ob in dieser Weltgegend noch andere Völker wohnten? O ja, hieß es, mehrere, die eben wie unsere Väter, bei Kriegen im Alterthum flohn. Es giebt Celtiberier und Alt-Carthager, einst durch Scipio verjagt, Vercingenten, die sich vor Julius Cäsar retteten. Alle diese kamen früher an, wie unsere Ahnen, wohnen auch tiefer südlich, wir bekamen das Gränzland.

Und diese Völker, leben sie in Verbindung unter sich?

O ja, antworteten meine Begleiter, wir handeln, wir schließen Bündnisse, wir führen Krieg —

Krieg! Also doch auch Krieg? rief ich. Ists doch, als ob er gar nicht aus der menschlichen Natur zu tilgen wäre. Wo man nur hinkömmt, hört man von Krieg. Wohlan, setzte ich hinzu, würde mir es denn erlaubt sein, eine Reise durchs Land zu machen? Ich bin neugierig, sehe die Fremde gern.

Ich wurde zum Befehlshaber des Ortes gebracht, der mir nach manchen Schwierigkeiten einen Paß ertheilte.