Ein Mann, der ein inländischer Krieger von Rang sein sollte, fiel ein: „Nun, ists denn nicht einmal Zeit, daß die *** zum *** gehen?“ Er bediente sich derber Worte. Ich dachte: Ein Ausbruch des Zorns gegen die, von welchen man geschlagen und gefangen wurde, erklärt sich leicht. Allein es war nicht blos der Zorn. Die Meinung des Mannes ward in der Fortsetzung seines Gespräches offenbar. Denn er ließ sich nun weitläuftig über die Feinde aus und das bald, indem er mit Gründen zu beweisen strebte, sie wären ohne Kriegskunst, Ordnung, Mannszucht, Tapferkeit, bald mit der verächtlichsten Spötterei über ihre Formen, sie lächerlich zu machen suchte. Man lachte ihm lauten Beifall.
Ich, etwas befremdet, konnte nicht umhin, den Antheil fortzusetzen. Freilich hätte ich klüger gethan, zu schweigen. Aber mein Herr, rief ich, in aller Welt, was gewinnen sie, wenn sie ihren Ueberwinder herabwürdigen? Je mehr ihnen das gelingt, je tiefer müssen sie ja mit sinken. Ich dächte, ich würde meinen glücklichen Feind auf die stolzeste Höhe hinauf rühmen, das zöge mich immer ein gut Stück nach. Mindestens glänzte ich als kluger Würdiger. So gäbe es wenigstens mein Takt mir an.
Hilf Himmel! wie übel erging mirs!
Einer warf mir Injurien an den Kopf, der andre gar das Glas. Da ich mich neuerdings auf das Vernünftige in meiner Behauptung steifte, kams dahin, daß ich unter Prügeln zur Thür hinausgeworfen wurde.
So hatt’ ich denn auch ein Pröbchen der Weisheit in Martialia, und eilte über Hals und Kopf nach dem großen Handelsorte Derbia. Hier findet man enge schmutzige Gassen, hohe hölzerne Häuser, alte Tempel. Die Einwohner scheinen nicht so fein, nicht so klug wie die in Martialia, doch so viel ein flüchtiger Blick, oder die eigne augenblickliche Erfahrung urtheilen können, möchte ich behaupten: sie wären mehr, als sie scheinen, denn ich hörte keine ungesunden Urtheile, und bekam noch weniger Prügel.
Das geschäftige Leben, von welchem man die Zeichen in einem großen Hafen, weitläuftigen Speichern und andern Dingen sieht, stockte eben gewaltig, die Schiffe waren meistens abgetakelt, die großen Waarenläger verschlossen.
Ich fragte nach der Ursache einer so betrübten Lage der Dinge. Seufzend gab mir ein Kaufmann zur Antwort: Seit vielen Jahren wüthet ein Krieg zwischen den Carthagern, welche einst vor Scipio dem Römer in die Tiefe von Afrika flohn, und den Vercingenten, welche Cäsar vertrieb, und deren ihr fast allenthalben in Gilimerien gesehn habt. Welchen Vorwand man auch hat gültig machen wollen, so ist doch die Hauptsache immer gewesen, daß die Carthager allein Vortheil von gewissen köstlichen Fruchtpflanzungen ärndten wollen, die nur auf einem vor wenigen Jahrhunderten erst entdeckten Landstrich gedeihn.
Und wem gehört denn dieser Landstrich? fragte ich.
Der Derbianer erwiederte: Als er hinter Gebürgen und Wüsten ausgemittelt wurde, ging hin wer da wollte, den fast kindisch schwachen Einwohnern Land zu nehmen und anzubauen. Die Celtiberier, die Vercingenten, die Carthager und andere.
Ich. Die Gilimerier griffen ohne Zweifel doch auch zu?