Letztes Buch.

Erstes Kapitel.
Wie Flore den Zustand der Dinge vorfand.

Flore hatte ihre Residenz eilig verlassen, und wenig Vorkehrungen wegen des Regiments während ihrer Abwesenheit gemacht, doch fand sie alles mit Treue und Gewissenhaftigkeit verwaltet. Der alte Darkullaner hatte viele Glieder des Divans mit den Einzelgeschäften beauftragt, und so war alles in der Ordnung gegangen.

Am anderen Morgen nach ihrer Rückkunft ließ sie sich Bericht erstatten. Es war überhaupt lange nicht geschehn, und die unbeständige Sultanin etwas nachläßig gewesen. Die vormaligen Divanglieder zeigten mit einigem Nachdrucke der Stimme an, daß, was sonst nimmer in Darkulla erfolgt war, viele Bürger Einander um Schuld und Rückstände verklagt hätten. Gewöhnlich sei der Gegenstand irgend ein gekauftes und noch nicht bezahltes Kleidungsstück. Ja, es habe sogar ein Darkullaner den andern erschlagen, um ihm einen köstlichen durch die Caffern gefertigten Mantel zu nehmen; demnächst wären die Knechte sehr schwierig gegen ihre Herren, fast täglich liefen da Beschwerden ein. Sie wollten bei großer Dürre (sonst gabs keine Ackerverrichtungen, als daß man säete und ärndtete) kein Wasser auf die Gefilde tragen, darüber sei manche Frucht untergegangen, auch das Gold nicht aus den Flüssen waschen, daß also die Herren der Sultanin nicht so viel Gold als sie sollten, entrichten könnten, und also ein Ausfall in den Einkünften vorhanden sey. Sogar habe es von einem neuen Aufstande gegen die Regierung verlauten wollen, was aber noch bei guter Zeit unterdrückt worden wäre.

„Ihr wollt mich überzeugen, daß Laster im Gefolge meiner Neuerungen entstanden sind. Zufolge der menschlichen Natur, ist es schwer zu vermeiden, die Güte der Gesetze vermag aber viel dagegen. Wartet nur noch kurze Zeit, ihr werdet euch einer trefflichen Regierung freuen!“

Jetzt traf Flore Anstalten zu dem bevorstehenden hohen Feste. Alonzo und Perotti mußten alle ihre Erfindung aufbieten. Wie Cäsar das ganze Volk von Rom speiste, sah man Dürftigkeit, gegen die Fülle, welche hier herbeigeschafft wurde. Cäsar hatte aber keinem Darkulla zu gebieten.

Auf einem schönen Anger, nahe an der Stadt, wurden in Eile lauter kleine runde trockne Teiche gegraben, und mit Perlmutter und breiten Muscheln fest ausgelegt. Dann füllte man sie, entweder mit dem trinkbaren süßberauschenden Blumenthau von Darkulla, mit dem frischgepreßten Most der edlen wilden Reben, mit der Milch der Angoraziegen, die auf den duftenden Hügeln weideten, mit einem Sorbetähnlichen Gemisch, oder dem ausgedrückten Saft von Himbeeren, oder Ananas.

Zwischen diesen Bassins (auf denen, in der Manier des Lord Russel, Knäbchen und kleine Mädchen auf großen Muscheln herumruderten, und die Gäste bedienten) wurden nun Lauben gebaut, aus lauter mit der Wurzel eingegrabenen Fruchtbäumen und Weinranken, daß Pomonens Ueberfluß auf die Rasentische niedersänke.

Noch leitete man überall kleine Bäche durch, in welchen Austern, roh und gebraten, wie alle Arten Fische, auf die leckerste und verschiedenste Weise zugerichtet, geschwommen kamen.

Gebraten Geflügel aller Art, dem sowohl die Schwingen gelassen, als auch mit kleinen Bläschen voll brennbarer Luft versehn waren, flatterte umher; so liefen Haasen, Kaninchen, Rehe völlig zubereitet zwischen die Lauben, denn die brennbare Luft half ihnen fort.