Alle niederen Lande könnten mit Kanälen durchschnitten, alle Flüsse von Belang, mit Hülfe der Schleusen durch sie verbunden sein; bis jetzt macht das aber ganz unerhörte Kosten, nur sehr wirthliche Regierungen können von Zeit zu Zeit daran denken. Mehren wir aber erst den Salpetergewinn, und bereiten eine rohe wohlfeile Sprengemischung, dann legt man in dichten Abständen Minen, daß ein Zirkel in den andern greift, und wirft sich so einen Kanal aus der Erde. Die Hauptsache ist mit dem Wurfe geschehen, die Ungleichheiten des Randes werden mit dem Spaten gehoben, und nun für die Bewässerung Sorge getragen.
Um viele nahmhafte Städte wird die Gegend der fehlenden Abwechslung wegen angeklagt. Die Kunst hat durch Jahrhunderte gestrebt, das Schöne darzustellen, sie prangt in stolzen Monumenten, und lockt des Wanderers staunende Blicke an; allein die Väter wählten die Lage ohne Geschmack, eine stiefmütterliche Natur steht mit einem öden Kontrast gegen die Herrlichkeiten von Menschenhand da, und nur desto freudenlosere Empfindungen ergreifen das Herz, wenn man vor Thoren eines neuen Athens lustwandelt, und vielleicht eine unbildliche charakterlose Fläche anblicken muß! Was haben sich unter andern die Umgebungen von Berlin, durch den sinnreichen Verfasser der Parallele: Wien und Berlin, müssen Bitteres sagen lassen! Petersburg, Moskau, Warschau, Kopenhagen darben an Bergen in der Nähe, die eine schöne Landschaft bilden könnten. Was würden nicht auch Paris und London dadurch gewinnen!
Die alten egyptischen Könige hätten sich nun freilich unter solchen Umständen bald zu helfen gewußt. Wer Pyramiden erbaute, oder den See Mäotis ausstechen ließ, bei dem hätte es wohl nur einer Erinnerung bedurft, und bald würde sich ein kleiner Ossa oder Pelion emporgethürmt haben. Nur im Geschmack der Neueren liegt so etwas gar nicht, besonders weil sie so selten etwas für die Nachwelt thun wollen; die Erndte kann immer nicht rasch genug auf die Saat folgen. Aber freilich, wer denn auch einmal von der kleinlichen Gemeinregel abweicht, erscheint bald wie eine Art Wunderthäter, und die Fürsten, welche ihre Regierung nur als Pfründegenuß ansehn, und das Lob ihrer Ruhe, am liebsten von der Schmeichelei hören, sinken bald zu Boden, wenn es einem unter ihnen in gutem Ernste beifällt, das Leben der Unsterblichkeit zu widmen.
Einen Berg, oder eine Bergreihe darzustellen, hat aber so abschreckende Hindernisse nicht, wie die Einbildungskraft im ersten Augenblicke träumt, wenn man sich der Salpeter- und Schwefelkräfte bedient, und daneben (das brauchte freilich keiner Erinnerung) die Kosten nicht scheut.
Hier folgt die Art der Sprengung, welche Schreiber dieses zu einem solchen Ende erdacht hat. Er mögte sie gern durch Zeichnungen erläutern, aber der Verleger spricht achselzückend vom — Zeitalter.
Man legt neben der Stelle, wo ein Berg entstehen soll, in einer nach Maasgabe gekrümmten Linie eine Minenreihe an, deren Trichter zur Hälfte ineinander greifen müssen, ladet und zündet. Nun wird die Erde nach beiden Seiten zum Theil weit versprengt, zum Theil dicht am Rande des entstandenen Grabens hingeworfen werden. In diesem aber, der Seite des projektirten Berges gegenüber, gräbt man (bedient sich des Erdbohrers vielmehr) dann wieder eine Reihe in den Rand, so daß die kürzeste Linie nach diesem, nicht nach dem oberen Erdhorizonte geht. Jetzt wird man Herr über die Sprengung, und kann sie beliebig nach der Stelle des Berges leiten. Wie die Erde dieser Minenreihe nach ihrer Bestimmung geworfen ist, fällt der Erdhorizont nach und ein neuer schiefer Gang wird gebildet. In diesen scheidet man wie zuvor ein, und wirft seine Hälfte weg, wodurch ein abermaliger neuer Rand sich darbietet. So wird nun in der Widerholung alle Erde aus der Tiefe der anfänglichen Miene fort, und nach der Bergstelle geschafft. Die Ladung wird so abgepaßt, daß vorerst eine neue und niedrige Fläche erzielt wird, welche die nöthige Unterlage giebt. Gedieh das weit genug, beginnt ein neuer Hauptgraben, von dem aus eine anderweitige Lage fortgenommen wird. Daß der Aufwurf schmaler zur Höhe steige, müssen die Verhältnisse der Ladung bewirken. Das Wasser in der Tiefe wird vorerst durch hydraulische Mittel entfernt, dann aber noch mit den nächsten Flüssen in Verbindung gesetzt, daß man nicht nur einen Berg, sondern zur größeren Verschönerung auch einen See daneben erziele.
Mit Hunderttausend Thalern ließe sich schon viel sprengen. Manches Prachtgebäude kostet mehr und bringt doch bei weitem den Eindruck eines Berges an seinem Orte, nicht hervor. Wirthlichkeit muß es aber noch weit wohlfeiler bewirken können.
Bei Berlin, in der Gegend der sogenannten Jungfernhaide, zum Wedding und Gesundbrunnen hin, ein großer gekrümmter See, mit Wiesen diesseits, mit einer stattlichen, bepflanzten, in verschiedenen Kuppen sich endenden Bergreihe jenseits, ein andrer See zwischen Tempelhof und Schöneberg, der den Templower Berg, mit seiner Erde spitz erhöht, einige kleinere Anlagen auf der nordöstlichen Seite — würde die Landschaft da nicht bald einen anmuthigen, ja romantischen Charakter empfangen? Und die dann entstehenden, entzückenden Aussichten, von den Höhen über die große Stadt!
Ohne diese Theorie hätte dergleichen, wenn gleich nicht so vollkommen, mit Menschenhänden zu Stande gebracht werden können, wären seit dem siebenjährigen Kriege die vielen müßigen Soldaten außer dem sogenannten Dienst auf diese Weise beschäftigt worden. Und welche Kunststraßen hätten sie in einem solchen Zeitraume anlegen können!
Aber freilich, sie mußten ihre Kraft allein der Waffenübung zuwenden — um das Vaterland einst mit hohem Nachdruck zu vertheidigen.