Ende des siebenten Buchs.
Potpourri.
Erfinderische Träumereien.
Manches Ding auf Erden bringt dem Geschlechte der Sterblichen, alleinigen Nutzen, es müßte denn offenbarer Mißbrauch im Spiele sein, manches wird wenigstens eben so oft heilsam wie nachtheilig, die entschiedenen Schädlichkeiten können meistens unter besonderen Umständen Vortheile bringen, wie unter andern Gifte, in der Aerzte Hand. So leicht aber wird keine Sache ein so sichtbares empörendes Uebergewicht des Bösen zeigen, wie das Schießpulver. Ganz überflüssig wäre es, dieser Behauptung noch die kleinste Rednerblume anzuflechten, sie überzeugt genug in vollkommner Einfachheit, denn das versteht sich wohl, der Gesichtskreis soll hier nicht gelten, in welchen der Widerspruch den Helden führen könnte, welcher durch die Mönchserfindung seinen Ruhm erweitert. Auch den oft gehörten Satz: die Kriege sind jetzt weniger blutig, als da noch mit Lanzen und Pfeilen gestritten wurde, weisen wir billig zurück. Held und Krieg werden hier nicht bedungen, sondern Menschenwohl.
Bei dem allen könnte das Pulver, vermöge seiner Gewalt, und bei schwierigen weitläuftigen Arbeiten, höchst ersprießliche Dienste leisten, ja auf andern Wegen ganz unerreichbare, unglaubliche romanhafte Zwecke, ließen sich im Bunde mit dieser Titanenkraft umarmen, wenn wir mehr Aufmerksamkeit auf diesen hochwichtigen Gegenstand wendeten.
Vor allen Dingen müßte die Materie wohlfeiler dargestellt werden, und das könnte geschehn, wenn wir den Salpeter, wie in Frankreich, mehr aufsuchten. Dann ist auch zu gewissen Zwecken gar nicht nöthig, daß es mühsam und kostspielig auf den Mühlen zubereitet werde, der Zusatz von Kohle, nothwendig, sobald vom Schießen die Rede ist, kann vielleicht unter gewissen Umständen, zum Theil, oder ganz wegfallen. Salpeter und Schwefel verlieren ohnehin durch ihn nur an Stärke. Lavoisier fand freilich die Explosion ohne den Zusatz zu furchtbar, und die Materie schwierig und gefährlich zu handhaben, allein das beweiset nicht, daß sich dazu nicht bequeme Mittel ausfindig machen liessen, und mit der erhöhten Vorsicht, wird die Gefahr vermindert.
Der Ackerbau, die Bergwerke, der Handel, alles was große mechanische Kräfte braucht — wo ein Hauptstoß bedungen wird, da ist doch alle Mechanik gegen das Pulver wie eine lahme Matrone zu betrachten.
Einem schlechten Acker, den der Landwirth in nutzlose Brachen abtheilen muß, wäre oft durch eine gänzliche Umwühlung aufzuhelfen, bisweilen liegt nicht tief unter dem Sande, eine Ton- oder andre fruchtbare Erde, wüßte man sie hinauf und den Sand hinunterzubringen, beide allenfalls nur zu mischen, so würde der Acker an Ergiebigkeit, folglich an Werth, ansehnlich gewinnen.
Das sogenannte Rajolen wird jetzt in Gärten angewendet, auf dem Kornfelde selten, es ist dem Landmanne zu kostspielig, es fehlt auch gemeinhin an hinlänglichen Menschenarmen dazu. Vielleicht würde es schon bei dem gegenwärtigen Preise des Pulvers wuchern, sich seiner zur Totalumwühlung schlechter Aecker zu bedienen, wie viel mehr, wenn erst eine gewisse Wohlfeilheit erzielt würde, was, wie wir eben zeigten, gar wohl möglich ist. Der Prozeß wäre dann folgender. Man baute eine Art Ramme mit Rädern, die dann auf lange Zeiten, und von einer ganzen Ortschaft zu benutzen wäre. Mit dieser würde ein spitzer Pfahl in angemessenem Abstand, sechs oder acht Schuh tief, in schiefer Richtung in die Erde geschlagen. Dann hätte man von einer eigens dazu bereiteten schlechten Pappe, mit etwas Holz gegen den Erddruck gesichert, Schachteln mit Pulver gefüllt. Diese würden nun in das schiefe durch den Pfahl gebohrte Loch niedergelassen. An den Schachteln befände sich von derselben harten Pappe eine Röhre, die bis auf den Erdhorizont hinausginge, und durch welche ein in Schwefel und Salpeter getränkter Faden lief. Sodann drückte und schüttete man die Erde mit Vorsicht zu.
Die Masse Pulver müßte eben hinreichen, einen Trichter Erde zur Höhe zu sprengen. Läge sie sechs Fuß tief, so würde der Trichter, laut den Erfahrungen der Minenlehre, zwölf Fuß im Zirkeldurchschnitt bekommen. Alle zwölf Fuß müßten also auch Löcher eingesteckt werden. Die in einen Punkt verbundenen Faden zündete man an, so würde das Feuer zu jeder Schachtel laufen, und die allgemeine Sprengung von Statten gehen. Die obere Erde ginge zuerst in die Luft, würde also auch die Steigekraft zuerst wieder verlieren, und zurückfallen. Die untere, ohnehin unmittelbar durch den Anstoß getroffen, dränge durch die obere Lage, und sänke später nieder. Dadurch also bekäme der Landmann diejenige Erde, welche sechs Fuß tief gelegen, oben, wenigstens mischte sie sich sehr stark mit der anderen. Wäre sie von besserer Güte, so könnte das Grundstück nun vielleicht noch einmal so viel werth seyn, wo nicht, so wäre bei der frischen ausgeruheten Erde, immer einer Brache zu entsagen, und das gäbe schon einen ansehnlichen Gewinn.
In einem flachen Lande unterstützt nichts so die innere Gemeinschaft, wie Kanäle, auch von dem Nutzen, den sie als Bewässerungsmittel für das Land haben, weggesehn. Wie anmuthig wird auch das Leben in Holland durch sie. Statt in anderen Ländern, bei einer Reise man sich, dem immer doch unbequemen Wagen, vertrauen, sich zu Pferde setzen, oder den Weg beschwerlich zu Fuße zurück legen muß, miethet man dort einen Platz in der Postgondel. Es ist ein wandelndes Haus. Man sitzt im netten, in der Hitze kühlen, bei rauher Luft erwärmten Zimmerchen, fühlt kein Stuckern, fürchtet kein Umwerfen, und die Landschaft draußen zieht still vorüber.