Achtes Kapitel.
Sie kommen in der Hauptstadt des innern Darkulla an.
Die Schwäne zogen rüstig, der Wind half, und so sahe man denn bald den Blumenpallast der Hauptstadt liegen. Flore zeigte ihn Gigi von fern, doch diese blickte nur mit flüchtigem Auge dahin, sie beschäftigte die holde neugeborne Liebe.
Als das Reiseeiland endlich dem Gestade des Pallastgartens nahe war, rief Flore den alten Alonzo auf die Seite. Schon während der ganzen Reise, fing sie an, denk ich darauf, wie ich das Beilager der Liebenden auf eine neue, noch nicht erhörte Weise feiern lassen will. Alles in unsern Schicksalen ist außerordentlich, so muß es auch diese Feier sein. Aber ich bin ohne Erfindung, nur Gewöhnliches fällt mir bei, wissen sie nichts auszudenken?
Und sie fragen noch? erwiederte der Hispanier. Wir steigen alle vom Eiland, bis auf das Paar, ich spreche einen eiligen Vater- und Priestersegen, sie bestätigen ihn obrigkeitlich, und wir stoßen sie wieder ab. Sie mögen nun drei Tage für sich umherschwimmen. Kann ein junges Paar seliger sein?
Recht Alter, Recht! entgegnete Flore, nach drei Tagen holen wir sie von dem Eilande ein, und dann eine große Feier durchs ganze Land.
Man befand sich schon bei der Auffuhrt. Perotti, Imar und die Diener wurden voran in die Stadt geschickt, Flore hatte einige rosenfarbne Veilchen in einen Kranz gewunden, und schmückte die rabenschwarze liebliche Locke Isabellens, unerwartet damit. Alonzo, heiligen Ernst auf der Stirne, hieß die beiden niederknien. Sie thaten es betroffen, vor einem Hügel von gediegenem Goldstaub, auf den der Strahl des eben über das Palmengebüsch emporschwebenden Vollmonds glänzte. Alle Abendviolen des Eilands hatten eben die duftenden Busen geöffnet.
Seegen vom Himmel auf dies neue Paar, sprach Alonzo mit freudebebender Stimme, das ich an Priesters Statt hier verbinde.
Seegen! rief Flore, zog den Alten hinüber, und stieß mit einem kleinen Stabe an die Insel, den Schwanen zugleich ein Zeichen gebend. Die verständigen Thiere wandten sich um, und ruderten still wieder in den großen silberklaren mondbeglänzten Teich. Ein leiser Zephyr stieg zugleich auf, und blies in die breiten Cocosblätter und den Jasmin, die Seegelstelle vertraten, und ein zahlreiches Heer von Nachtigallen, fing ein holdes Lied an zu flöten, Isabellen und ihrem Erwählten das heiligste Epithelam.
In drei Tagen Widersehn, riefen Jene den frohbestürzten, entzückten, Neuvermählten zu, deren Wonne verstummte.
Alle Trauben an den Thyrsusstäben, verwandelten sich in ätherischen Nektar, aus jeder Frucht ward Ambrosia Elysiums. Luna umstrahlte mit Verklärung, im Dufte der Blumen athmeten sie Götterwahn, Philomelens Gesang hob sie in die Sphären der Unsterblichkeit. Ein Gott und eine Göttin von lauter Himmel umgeben, schwammen sie auf dem Eiland dahin. Keine Fabel, denn trugen sie nicht den Götterfunken der Liebe im Busen, hier von dem entzückend freundlichen Schicksal zur flammenden Apotheose erzogen?