Uebrigens ist es blos eine gewisse Kürze des Entschlusses, welche die Vercingenten zu dem Gipfel der Größe erhebt. Was ihnen gut dünkt, thun sie gleich zur Stelle, haben sie geirrt, ändern sie geschwind wieder ihren Weg. Liegt ein Stein vor ihnen, dieweil andre ihn messen, und weitläuftig über die Mittel berathen würden, ihn wegzuschaffen, sprengten sie lange darüber weg. Wer tiefe Ueberlegung, lange Berechnungen ihrer Plane, hartnäckige Ausdauer an einem Vorhaben bei ihnen suchte, würde sehr irren, überall nur kurzer muntrer Entschluß, das nächste zu thun. Und das führt sie denn um so weiter als ihre Nachbarn träge im Handeln sind. Außerdem, so viel Abgeschliffenheit ihnen eigen ist, mag ich nichts mit ihnen zu thun haben, außer bei den Tafeln der Großen ihrer Hauptstadt.
Ich gerieth bald in armseelige Umstände. Denn indem ich täglich in den vornehmsten Gasthäusern schmauste, und niedliche Mädchen dazu einlud (ein Fehler, in den ich wohl nun nicht mehr fallen dürfte) ward mein Geld bald rein all. So gern ich das lustige Treiben fortgesetzt hätte, mein Erwerb langte nicht, da es viel feinere und geschicktere Gaukler gab. Ich sang zuletzt in die Guitarre, gewann aber auch da nichts, und lief, Schulden nachlassend, davon.
Achtes Kapitel.
Perotti endigt seine Erzählung.
Mit Mühe erreichte ich das Land der Celtiberier. Diese waren einst arbeitsam, stolz, großherzig, dichterisch gewesen, allein Reichthum hatte Trägheit über sie gebracht, und der Aberglaube hatte, durch frühere politische Leitung so dick und dunkel die Geister umnebelt, daß wer nicht den Druden jedes Mährchen aufs Wort glaubte, verbrannt wurde. Ich gewann indeß ansehnliche Geschenke, da ich den Crodoismus annahm, und hielt mich länger nicht auf.
Nun kam ich noch zu manchen anderen Völkern. Unter andern ins Land der Hinkenden. Hier konnte Niemand grade einhergehn, den Fehler aber zu verstecken, tanzte man beständig. Die Kapriolen mit gebrechlichen Beinen nahmen sich sonderbar genug aus, ob man gleich nun die Lähmung nicht entdeckte. Ich ging natürlicherweise aufrecht, und ohne Sprünge zu machen, einher, da hättet ihr das Lachen sehen, das Spotten hören sollen. Es blieb dabei nicht, ich wurde auch mit Steinwürfen abfertigt. Dies Land der Hinkenden kam mir vor, wie ein gewisses, wo es scheint, die Menschen wüßten gar nicht das nächste evident klare Urtheil auszusprechen, sei es nun aus einem wirklichen Hindernisse in der Gehirnmasse, das den einfachen Gedanken immer unterbricht und verschiebt, oder aus einem gewissen Dünkel, dem das Grade gemein dünkt, und die Umschweife vornehm. Genug, um das Uebel zu verstecken, bedienen sie sich der philosophischen Tanzkunst, und schweben immer zur Höhe empor. Wehe, wer nun ein gesundes Urtheil, das sich nach Gebühr, auf dem Erdboden erhält, unter ihnen gültig machen will! Er wird ausgezischt, gegen ihn geschrieben, man bewirthet ihn mit Schimpf, ja es kann dahin kommen, daß er in den Kerker wandern muß. Und so schlechte Progressen auch die philosophischen Hinker machen; so sehr ihre Sprünge sie auf dem Wege zurückhalten; wie sie ermattet keuchen, wo sie bequem vorwärts dringen könnten; sie weichen dennoch nicht von der beliebten Methode.
Ich sah auch noch ein Volk von lauter Harlekinen, über die man nicht lachte, von lauter tragischen Poeten, deren Nüchternheit keine Thräne rief. Endlich aber ward ich der Streiferei müde, und begab mich nach dem Gilimerischen Städchen, wo ich zuerst über jenen Gränzstrom setzend, angelangt war. Ich forderte die Erlaubniß, mich wieder zurückbegeben zu dürfen. Doch umsonst. Heilig hielt man das Landesgesetz. Die übrige bewohnte Welt soll nichts von diesen verborgenen Völkern erfahren, und deshalb wird kein Fremdling von ihnen gelassen. Man sagte mir: ich müsse mich auf Lebenslang ansiedeln, wo? stände in meiner Willkühr.
Zum Glücke aber ist die Luftschifferei unter ihnen noch unbekannt. Ich verfertigte ins Geheim einen Ball, wartete günstigen Wind ab, und flatterte so nach der Wüste. Wie sahn die Bewohner mir nach! Man wird wie von einem Wunder von meiner Abreise sprechen.
In der Wüste hatte ich meine Schätze verborgen, die, welche ich einst dir verwahrte, und die mir der ruchlose Musa abnahm, waren dabei. Ich hatte nur eine mäßige Summe mit über den Strom genommen.
Mein Diener war krank zurück geblieben, und zur Pflege bei einem alten Neger gelassen worden. Ich fand ihn hergestellt. Wir nahmen die Schätze, die Kameele, die der Neger auch hatte füttern müssen, und begaben uns zurück. Mich traf das Unglück, den Spähern des Musa in die Hände zu fallen, oder vielmehr das Glück, denn nun konnte ich dir, hohe Nene, treue Dienste leisten. Was mir Armen sonst widerfuhr, ist dir bekannt.
Hier schloß Perotti seine Erzählung, aber Flore maß ihr wenigen Glauben bei, und äußerte unverholen, sie hielte alles für unverschämte Erdichtung.