Ja Flore, du warst einst eine Verworfene, aber eine überaus unglückliche Erziehung, die deine guten Anlagen untergrub, widrige Umstände, böses Beispiel rissen dich in den Abgrund. Eine andere an deiner Stelle, die jetzt vielleicht eine freundlichere Fügung, zum achtbaren gerühmten Weibe machte, hätte auch sinken müssen. Richte dich auf, du hast in dieser Büßung viel Schmach von der Tafel deiner Erinnerung weggetilgt! Richte dich auf, du hast auch viel Gutes gewirkt, und der Wille, der jetzt in deinem Busen lebt, ist fromm und tadellos! Die Reue verdient Lob, aber sie vergifte nicht die heitre Laune, die in so manchem Sturm des Lebens dich über den Wogen erhielt.
Nun, zu sehr ist das Letztre auch nicht zu fürchten. Flore ist eine Pariserin. Schon trocknet sie ihre Thränen.
Drittes Kapitel.
Abreise von Darkulla.
Vierundzwanzig Elephanten ließ Isabelle mit Goldstaub beladen. Wozu so viel? rief Flore? Ist des Plunders nicht genug in Darkulla? gab die Sultanin zur Antwort.
Werde ich auch mit den Elephanten durch die Wüste kommen? fragte wieder die Exsultanin. Alonzo rief: Nehmen sie noch vierundzwanzig. Zwölfe mögen Fütterung, zwölfe Wasser tragen. Nun wurden dreihundert Darkullaner, und dreihundert Beduinen, lauter stattliche treubewährte Männer, zur Bedeckung ausgesucht, ohne die Elephantenknechte. Den wackern Imar bestimmte Coutances zum Befehlshaber über die Krieger. „Ich stehe dafür, der Araber wird den Durchzug erzwingen, wo man ihn verweigern will.“
So wurde nun die Reise angetreten, und der Hof geleitete Floren bis an den Ausgang der Felsenkette. Hier schied man ohne Sentimentalität, aber nicht ohne Thränen.
Floren ward sonderbar, wie der Weg sie nun immer weiter führte. Der Himmel ihrer Hoffnungen war geröthet, und auch nicht, sie verließ Darkulla gern, und auch ungern, Wehmuth und Zufriedenheit wechselten, ein fortwährender Streit der Empfindungen. Doch wie sie nach einigen Tagen beim Zurückblicken keine Felskuppe des verlassenen Landes mehr sah, da zog es sie entschiedner vorwärts, und sie war beruhigt, daß sie die schönste Natur des Erdbodens, und die Freunde nicht wieder sehn würde. —
So war Flore denn vom innern Darkulla entfernt. Der Leser suche aber das reizende Land auf keiner Karte, er wird es nicht durch Guidotti, Houghton, Mungo Park, Borheck oder Forster beschrieben finden; es liegt zu versteckt, und ist den Geographen entgangen. Das große Darkulla findet er wohl; so gut wie Louisiana, aber nicht die Gegenden, wo Chateaubriants Atala wandelte.
Es währte jedoch nicht lange, so erwarteten unsere Reisende herbe Unfälle. Die Häupter des Landes außer den Felsen, erhielten Kundschaft von ihr, und den Reichthümern, mit denen sie von dannen zog. Sie meinten: es sei Unrecht, das Köstliche so in die Fremde zu schleppen, kamen mit gewaffneter Hand, und fielen sie am Wege an. Es gab einen hartnäckigen Kampf. Imar führte tapfer und kräftig an, hatte aber das Unglück, tödtlich mit einem Pfeile verwundet zu werden. Flore gerieth außer sich vor Bestürzung, und theilte nun selbst die Rollen des Trauerspiels aus. Brav fochten ihre Streiter, aber nach großem Verlust an Mannschaft, hinderten sie der Feinde Beute doch nur zur Hälfte. Zwölf goldbeladne Elephanten gingen verloren.
Flore beweinte Imar, waffnete sich des eingebüßten Reichthums wegen aber mit Philosophie, und zog weiter.