Sie zogen ohne Abentheuer, und ohne Merkwürdigkeiten zu sehn, mehrere Tage fort; dann mußten sie sich über den Nil setzen lassen. Hier war es, wo die arme Flore eine neue schwere Tücke des Schicksals erfahren sollte. Es ging ihr genau nach der uralten Bemerkung, daß das Unglück nicht Einzeln zu kommen pflegt.

Die Fähre, welche am Ufer vorgefunden wurde, war nicht geräumig, das Commando mußte in zwei Abtheilungen eingeschifft werden. Der Elephant blieb zuletzt, und es machte große Mühe, bis er zu bewegen war, in das Fahrzeug zu steigen. Flore wollte nicht von ihrem Besitzthume entfernt sein, aber sie fürchtete die plumpen Bewegungen des Thieres, deshalb fuhr sie in einem kleinen Boote neben der Fähre her. In der Mitte des Stromes muß unseligerweise ein Nilungeheuer, Hippodamus genannt, an der Fähre in die Höhe springen, wie man wohl, die Ostsee beschiffend, plötzlich erscheinende Seehunde wahrnimmt. Der Elephant entsetzt sich, wird scheu, fängt an hin und her zu springen, dadurch verliert das Fahrzeug das Gleichgewicht, die Ruderer schreien auf, springen in die Fluth, sich durch Schwimmen zu retten, und das Fahrzeug schlägt um. Der Elephant geht sogleich, von seiner Last in die Tiefe gedrückt, unter.

Flore fing laut an zu lachen. So komme ich also wieder nach Cairo, wie ich auszog, rief sie. Aller Reichthum von Darkulla ist dahin, ich kann die ganze Hoheit von Darkulla einen Traum nennen, und anders soll sie auch in meinem Gedächtnisse nicht aufbewahrt werden.

Man kann nicht gefaßter seyn, wie sie es war. Andere hätten daran gedacht, durch Taucher, die Ladung des Elephanten suchen zu lassen, sie dachte aber: wer weiß, wohin der Strom das Thier wirft, wo find ich solche Leute, allein wäre ich mit ihnen nicht sicher, und die Soldaten müssen fort. Fahre hin Reichthum! Finde ich nur in Cairo, was ich noch zu fordern habe, läßt mich das Geschick Paris wieder erreichen, Ring einst wieder sehn, so will ich gern sagen: mir träumte einmal, ich wäre Sultanin von Darkulla.

Wenn das Verhängniß nur Reichthum nimmt, ist es noch milde genug, aber wenn auch die Freiheit verlohren geht, (wie Bajazeth, nachdem ihm Tamerlan alles genommen hatte, noch in den Käficht kriechen mußte,) dann wirds arg, und viel ärger, wenn man ein persischer Prinz ist, eine Hauptschlacht wider den Gegner verloren hat, gefangen wird, und dann die Augen hergeben muß.

Entstände die Frage: welchen Sterblichen nennt die Geschichte, der am bittersten verlor; so wäre man geneigt zu antworten: der liebende Abälard, da er durch die Greuelthat — — — — allein die ächt feinen Gemüther, die das Menschliche ins Göttliche zu versenken wissen, können antworten: Abälards Liebe verlor nicht, sie gewann. —

Die Ungewitter des Schicksals toben aber bisweilen aus. Ist ein ungeheures Weh, nach früheren großen, erlitten, darf der Mensch auf einen entwölkten Horizont hoffen. Flore kam nach Cairo, eilte nach ihrer vorigen Wohnung, und so lange sie auch entfernt war, so lange man nichts von dem gefangenen Ring gehört hatte, so fand sie alle ihre Habseligkeiten richtig wieder. Die bravgesinnten Kameraden ihres Mannes hatten sich der Aufbewahrung und Verwaltung unterzogen. Ja alle Rechnungsbücher, die die an die Truppen geleisteten Lieferungen aufzählten, alle Quitungen lagen an ihrem Ort. Es mangelte nicht an baarer Kasse, und Flore übersah bald, daß Ring über das aus Frankreich mitgenommne Kapital, mehr als Hunderttausend Franken, in gültigen Forderungen, ausstehen habe. Das war die Frucht vortheilhafter Einkäufe, emsigen Fleisses, und des Glückes bei dieser oder jener Unternehmung.

Jetzt waren die Forderungen nicht einzuziehn, doch Anweisungen auf Paris wurden dargeboten. Flore war damit vollkommen zufrieden, um so mehr, als sie hinlänglich mit Reisegeld versehn war.

Wie man die Papiere ausgefertigt hatte, beschenkte sie die redlichen Freunde, und eilte nach Alexandrien. Hier besuchte sie Coraims Eltern, und erzählte dem jungen Türken von Isabellen, Alonzo, Coutances, Perotti, der nicht wenig befremdet wurde, und nun um einen Roman reicher war, wenn er eine Gesellschaft durch Erzählungen vergnügen wollte.

Dann sahe sie sich nach einem Schiffe um, das nach Frankreich segeln wollte. Sie fand deren jetzt nicht, da die Engländer zu mächtig in den egyptischen Gewässern umherschwammen, doch lag ein italienischer Kauffahrer mit Ladung nach Triest im Hafen. Sie beschloß mit diesem ihr Glück zu wagen, und wurde bald einig wegen der Fracht. Es versteht sich, daß sie sich jetzt immer wieder der Mannskleider bediente. Doch wechselte sie den uniformmäßigen Rock, mit bürgerlichem Frack und Ueberrock.