[5] Der deutsche Uebersetzer des Sonnini führt an: „Achilles sagt beim Homerus: Nie werde ich mich vom Agamemnon überreden lassen, ins Lager der Griechen zurückzukehren:
Böt er sogar die Güter Orchomenos oder was Theben
Hegt, Aegyptos Stadt, wo reich sind die Häuser an Schätzen.
Hundert hat sie der Thor’ und es ziehen zweihundert aus jedem
Rüstige Männer zum Streit mit Rossen daher und Geschirren.
Ilias B. IX. 383. (nach Voß Uebers.)
[6] Eines Abends zog ich mich, den Geist mit den Wunderwerken, die ich gesehen hatte, angefüllt, in eine von den Hütten zu Luxor zurück, und las nochmals mit Enthusiasmus Bossuets Stelle durch, wo er nach Thevenots Erzählung, eine kurze Uebersicht von den Ruinen von Theben giebt. Man kann von Werken, die Ehrfurcht und Bewunderung einflößen, nicht in einer erhabneren Sprache sprechen. Ich glaube meinen Lesern einen Gefallen zu erzeigen, wenn ich diese Stelle hier einrücke, die ihnen ohne Zweifel noch eine vollkommenere Vorstellung von Orten geben wird, die des Pinsels des französischen Redners würdig sind.
„Die Werke der Egypter waren für die Ewigkeit gemacht. Ihre Bildsäulen waren Colosse, ihre Säulen unermeßlich groß. Egypten hatte seine Absicht auf das Große gerichtet, und wollte die Augen auf sich ziehn, indem es dieselben stets durch die Richtigkeit der Verhältnisse befriedigte. Man hat in dem Saib (man weiß, daß dies der Name der Thebais ist) Tempel und Palläste entdeckt, die beinahe noch vollkommen erhalten wurden, wo diese Säulen, und diese Statüen unzählbar sind. Man bewundert daselbst vorzüglich einen Pallast, dessen Ueberreste blos darum scheinen stehen geblieben zu sein, um den Ruf aller der größesten Werke zu vernichten. Vier Gänge die so weit reichen, als man sehen kann, und an deren beiden Enden Sphinxe stehen, die aus einem eben so seltnen Stoffe gehauen sind, als ihre Größe merkwürdig ist, dienen einer Halle, deren Höhe die Augen in Erstaunen setzt, zu Eingängen. Welche Pracht und welche Größe! Noch haben diejenigen, die uns dieses ungeheure Gebäude beschrieben haben, nicht Zeit gehabt, darin herumzugehn, und sie wissen nicht einmal, ob sie die Hälfte davon gesehen haben, alles aber erregte ihr Erstaunen.“
„Ein Saal, der ohngefähr in der Mitte dieses prächtigen Gebäudes war, wurde von sechsundzwanzig Säulen getragen, die sechs Klaftern dick, verhältnißmäßig groß, und mit Obelisken untermengt waren, die so viele Jahrhunderte nicht haben niederstürzen können. Selbst die Farben, d. h. dasjenige, was der Macht der Zeit am meisten unterworfen ist, sind noch gut unter den Ruinen dieses bewundernswürdigen Gebäudes erhalten, und haben noch ihre ehemalige Lebhaftigkeit. So gut verstand Egypten allen seinen Werken den Charakter der Unsterblichkeit aufzudrücken.“