Nur vierzehn Tage währte die Fahrt, dann lag man auf der Rheede von Philadelphia. Sie war schon mit Eis überdeckt, aber das Eiland brach sich sowohl Bahn, als die Wallfische unter dem Rande hingleitend, ihn leicht wegbröckelten. Dennoch fuhren die Reisenden auf Eisschlitten zur Stadt, frohlockten über das Vollbrachte und wurden mit freudigem Gruß bewillkommt.
Gelino war froh, diese Reise überstanden zu
haben. Sie hatte ihn mehr geängstet, als er sich selbst merken ließ.
Philadelphia hatte einen großen Umfang und viele Schönheiten der Baukunst aufzuweisen. An Reichthum und Vergnügungen gab sie keiner Stadt in Europa von ähnlicher Größe etwas nach, übertraf sie sogar. Denn die Kultur in Nordamerika hatte eine Stufe erreicht, welche den Vorrang der europäischen streitig machte. Dies konnte auch nicht anders sein, da diejenigen Mittel, welche einen raschen Gang der Bildung begründen können, den Einwohnern schon in sehr früher Zeit zu Gebote standen. Die ganze Halbinsel von der Honduras-Bai, bis weit hinter der Beringsstraße und Kap Lisburn hinauf, wie an der östlichen Seite hinter der Baffins-Bai, Grönland noch eingeschlossen, war nach einem schon frühen glücklichen Kriege, zu einem glücklichen Staat vereint, dessen viele weitläuftige Lande, jedes seine demokratische Regierungsform hatte, und wieder durch einen, dem europäischen ähnlichen Föderalismus, sich zur vollkommneren Gesammtkraft verbanden. Man war auch durch die Vortheile einer bequemeren Weltverbindung
bewogen worden, die neue europäische Sprache einzuführen.
Von der Hauptstadt Wassington sprach alles, wie von einem Theben oder Babilon, die Ufer der Ströme Lorenz, Niagara, Ohio, Susquehannah, Missisippi u. s. w. waren fast mit neuen Wohnplätzen besäet. Mexiko, Luisiana, Florida waren Erdenparadiese, nördlicher konnte man den Zustand der Dinge mit jenem in Spanien, Frankreich oder Brittanien vergleichen. Gegen die Hudsons-Bai erblickte man die Landeinrichtungen von Polen oder Moskau wieder. Im Innern des Landes waren die wichtigsten neuen Entdeckungen gemacht worden, der Unterschied zwischen Nadovessiern, Huronen oder Ueberkömmlingen aus der alten Welt schwand immer mehr, da diese Völker durch Heirathen sich verschmolzen und ihre Sitten ausgeglichen hatten, doch war dies vielleicht auch der Grund, weshalb die Nordamerikaner, in der Mehrzahl, an Schönheit den Europäern nachstanden.
Guido und sein Lehrer schoben es aber bis zum künftigen Frühling auf, das Land zu durchwandern. Es sollte zudem sehr flüchtig geschehen, dann wollten sie nach Südamerika, jetzt
ebenfalls ein eignes Reich, dann nach Ulimaroa, den ostindischen Eilanden und China. Auch einen Besuch am Kaiserhofe zu Calcutta gedachten sie abzustatten, und dann, über Persien die Reise um den Erdball zu vollenden. Afrika sollte ausgeschlossen bleiben, weil die Mißverständnisse, schon einige Zeit zwischen den Höfen von Neu-Carthago und Rom obwaltend, eine bedenklichere Ansicht gewannen.
Für die Gegenwart faßten sie den Entschluß, einer Reise zum Nordpol beizuwohnen, wovon einst schon in Petersburg die Rede gewesen war. Sie fanden mehrere Gefährten, die sich eben in Philadelphia dazu bereiteten. Niemand sparte an den nöthigen Summen, und so trat man den Weg bald an.
Ueber das alte Land der Eskimos flog die Gesellschaft in Luftfahrzeugen dahin, ließ die Hundsonsstraße unter sich liegen. Weiterhin ward die Kälte in der hohen Region zu empfindlich. Man stieg nieder und bediente sich der Schlitten mit Rennthieren. Sie fanden bis über Jones-Sund hinaus noch Anbau, freilich nur in zerstreuten Hütten von Einwohnern, die im Sommer sich vom Fang der Meerfische, und