Ach! rief er aus, noch hab’ ich selten mit dem Schicksal gekämpft. Mein Leben lächelte froh, die Kriegsgefahr nahte blos, mich mit edlem Ruhm zu schmücken, die Liebe erhob mich über das Leben; doch nun, nun schlagen die Gewitter desto zorniger über mich zusammen. Hier retten nicht Muth noch Kraft, hier muß ich enden! o Ini, Ini!

Doch sollte abermal ein Dolch in das gequälte Herz sinken. Indem er seine Klagen laut hinausweinte in die starre Luft, um den Schlitten irrend die Hände blutig rang, sah er in einiger

Entfernung einen dunkeln Strich auf dem lichten Schnee, er nahte, es war eine menschliche Gestalt er kam hinan — es war Gelinos Leichnam!

Er sank daran nieder in wildem Ungestüm, über den neuen Schmerz den alten Jammer vergessend, küßte das kalte Antlitz mit heißen Thränen, dann riß er den Körper auf, lud ihn auf die Schulter, trug ihn an den Ofen des Schlittens, hoffte noch Leben in ihm zu wecken.

Wie man denken mag, war dies Streben eitel, auch kein Sturm der Klagen rüttelte den Todten auf. Doch mochte die traurige Auffindung glücklich für Guido sein, die regsame Mühe gab seinem doppelt schreckenerstarrten Blute wieder Umlauf und zerstreute den Blick auf sein Elend, auch sah er zu dem Feuer im Ofen, das er vielleicht sonst hätte erlöschen lassen.

Mit einem Schlummer aus Entkräftung mußte dies Treiben zu Ende gehn. Neben dem Entseelten, den Arm um ihn geschlungen, unter den nämlichen Fellen womit jener bedeckt war, schlief Guido fest ein.

Da ging ein Traumgesicht an seiner inneren

Welt vorüber. Ini, noch von höherer Schönheit umstrahlt, als neulich in dem Zaubergarten, trat aus einer Rosenwolke zu ihm, nahm seine Hand und lispelte mit himmelvollem Laut: „Den Starken prüfe schweres Leid. Weise forsche er in der reichen Kraft, sie birgt Hülfe. Wir sehn uns wieder!“ Hier trat sie in die Wolke zurück, die sie dicht umhüllte und nach dem fernen Horizont zog, sich weit als eine lichte Morgenröthe verbreitend. Ueber diese Morgenröthe ging dann die Sonne auf, die Schneegefilde wichen ihr plötzlich, und ein lieblicher Frühling blühte. Von dem duftendsten Baume sang eine Nachtigall in dem Idiom der Melodie: „Wir sehn uns wieder,“ und Guido erwachte.

Ihm war, als ob er die Berührung der leisen Geisterhand noch fühle, als ob sie neues Leben durch alle seine Adern gegossen hätte. Er sprang auf, eilte hinaus. „Wir sehn uns wieder,“ umtönte es noch den getäuschten Sinn überall, von den leuchtenden Felsgipfeln schien ein Echo es zu wiederholen. Ja! rief er fröhlich, ich will mich kämpfend ermannen gegen mein Elend, du, heilige Göttin! giebst mir Stärke.

Er sann nach. Nicht unmöglich war es ja, daß andere Reisende noch ankämen, und ihn zu den Wohnungen der Menschen brächten, er mußte sich erhalten, daß in diesem Fall sie ihn lebend fänden.